Welches ERP-Modell für welches Unternehmen?

Sie sind wahre Alleskönner, was die Steuerung und Optimierung von Betriebsprozessen angeht. Intelligente ERP-Systeme können in einer Vielzahl von Unternehmensbereichen zum Einsatz kommen. Ob Buchführung, Marketing, Personalverwaltung oder Warenwirtschaft – Enterprise Resource Planning gewinnt in vielen Firmen und Branchen enorm an Stellenwert.

Damit ein Betrieb von den vielversprechenden Vorzügen einer solchen Software profitiert, sollte man sich gründlich über Programmanbieter und Hersteller informieren. Eine aufschlussreiche Übersicht zu den verschiedenen Dienstleistern am Markt finden Unternehmen hier. Um die Auswahl etwas einzuschränken, ist es hilfreich, zunächst die drei Arten von ERP-Modellen genauer unter die Lupe zu nehmen.

On-Premise-, Cloud- und Hybridlösungen im Vergleich

Je nach Betriebsgröße, Branche und Budget stehen einem Unternehmen unterschiedliche Softwaretypen zur Verfügung.

On-Premise-Modell

Hierbei handelt es sich um eine serverbasierte Inhouse-Lösung. Das bedeutet, das ERP-Programm wird direkt im eigenen Unternehmen installiert und auch dort verwaltet. Die Software läuft also auf der Hardware des Betriebes.

VorteileNachteile
eigenständige Verwaltung und Kontrolledauerhafte Mehrarbeit durch eigenständige Wartungen, Reparaturen und Updates
uneingeschränkter Datenzugriff im UnternehmenZugriff auf Server nur innerhalb des Betriebs möglich
keine Abhängigkeit von Internetverbindung oder Anbieteralleinige Haftung für Ausfälle oder technische Probleme
eigenverantwortliche Datensicherung und SchutzvorkehrungenZeit- und Kostenaufwand für Personalschulungen und Qualifizierungsmaßnahmen
Erwerb und Eigentum der Software-Lizenz mittels einmaliger Bezahlunghohe Investitionskosten für Inbetriebnahme und Ausbau/Aufbau der internen IT-Infrastruktur

On-Premise-Software eignet sich generell für alle Betriebe, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Eine eigene Hardware sowie geeignetes IT-Fachpersonal ist vorhanden.
  • Das finanzielle Budget ist ausreichend, um die Investitionskosten für ein ERP-System dieser Art zu stemmen.
  • Die Firma legt Wert darauf, unabhängig vom Anbieter und externen Software-Providern zu sein.
  • Zudem bevorzugt es das Unternehmen, sich eigenständig um eine sichere Datenverwaltung sowie um die Administration des ERP-Systems zu kümmern.

Cloud- bzw. SaaS-Modell

Im Gegensatz zur On-Premise-Lösung handelt es sich bei dieser ERP-Option um ein Mietmodell mit regelmäßig anfallenden Lizenzgebühren. Die Firmendaten werden dezentral auf Rechenzentren außerhalb der Firma gespeichert und sind per Internetzugang abrufbar. Der Anbieter sorgt dabei für die Hardware, Wartungsarbeiten, Sicherheitsmaßnahmen und Updates.

VorteileNachteile
Kosteneinsparung durch Outsourcing der IT-Infrastrukturmöglicherweise Veränderungen im Preismodell (z. B. bei steigenden Nutzerzahlen)
Gewährleistung der Datensicherheit und des technischen Fachwissens durch Maßnahmen des Anbietershohe Abhängigkeit vom externen Cloud-Provider und dessen Serviceleistungen
ortsunabhängiger Datenzugriff (auch per Smartphone/Tablet)keine absolute Sicherheit gewährleistet (durch Weitergabe von Firmendaten)
geringer Aufwand für Implementierunghohe Abhängigkeit von stabiler Internetverbindung
flexible Anpassungen/Erweiterungen möglich (nach Bedarf)

Wer unsicher ist, ob ERP in der Cloud für das eigene Unternehmen in Frage kommt, der sollte prüfen, ob die folgenden Aussagen zutreffen:

  • Die finanziellen Kapazitäten für die Anschaffung und den Ausbau der IT-Infrastruktur sind begrenzt.
  • Die Mitarbeiter haben die Möglichkeit, flexible Arbeitszeiten in Anspruch zu nehmen und arbeiten viel im Homeoffice oder von unterwegs.
  • Die Firma bevorzugt es, Implementierungs- und Wartungsarbeiten durch den Anbieter vornehmen zu lassen, um Zeit und Geld einzusparen.

Hybrid-Modell

Diese Version ist unter den ERP-Systemen noch relativ neu und vereint Elemente aus Cloud und On-Premise in einem Modell. So können einige Unternehmensbereiche auf externe Server ausgelagert werden, andere verbleiben hingegen lokal im Betrieb.

VorteileNachteile
Verwahrung sensibler Daten im eigenen Unternehmen (eigene Sicherheitsstandards)weiterhin firmeninterne IT-Infrastruktur notwendig für Daten innerhalb des Betriebes
Verbindung zwischen intern und extern gespeicherten Daten mittels Schnittstellenfunktionkeine absolute Datensicherheit der ausgelagerten Informationen
Stabilität und Innovation in Einem

Unternehmen, die aus verschiedenen Gründen nicht komplett auf On-Premise- oder Cloud-Lösung setzen können oder wollen, haben daher die Option auf ein Hybrid-Modell zu setzen:

  • Ist eine ganzheitliche Auslagerung in die Cloud noch nicht möglich, so können die einzelnen Bereiche nach und nach outgesourct werden. So kommt es zu einer langsamen Erweiterung des bisherigen Systems über Schnittstellen.
  • Möchte die Firma sensible Daten lieber eigenständig verwalten, kann sie dies mithilfe einer Hybrid-Lösung weiterhin tun und lediglich die harmloseren Informationen in die Cloud verlagern. So ist das Unternehmen nur zu einem gewissen Grad von Anbieter und Internetverbindung abhängig.
  • Wer zwar über eine eigene IT-Ausstattung verfügt, aber auf das technische Know-how eines fachkundigen Dienstleisters nicht verzichten möchte, für den kommen hybride ERP-Programme ebenfalls in Frage.

Wenn es um ERP geht, scheint eine hybride Lösung also ein gut funktionierender Kompromiss zwischen On-Premise- und Cloud-Modellen zu sein. Experten sind sich jedoch uneinig, ob dem tatsächlich so ist oder Hybrid-ERP im Zuge der Digitalisierung lediglich einen kleinen Zwischenstopp auf dem Weg in Cloud-gestützte Software darstellt.