Die erste Steuererklärung – Wie wird sie ausgefüllt und welche Formulare sind notwendig?

Sei es für Studenten, Auszubildende und Berufseinsteiger oder nach der Ausbildung, nach dem Studium oder der Hochzeit – die Einreichung der Steuererklärung kann sich in barer Münze auszahlen.
Doch gerade bei der ersten Steuererklärung gibt es noch viele offene Fragen und allein die Menge an Formularen und Richtlinien wirkt im ersten Moment eher abschreckend. Um das Steuerchaos erfolgreich zu umschiffen, können jedoch ein paar wichtige Tipps und Tricks genutzt werden, sodass nichts schief geht.

Die erste Steuererklärung

Die erste Steuererklärung – wir erklären wie es geht!

Steuererklärung – warum eigentlich der Aufwand?

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Steuern beschäftigen muss, stellt sich zwangsläufig die Frage, wozu der ganze Aufwand eigentlich dient. Diese Frage ist im Grunde leicht zu beantworten, denn die Steuererklärung ermöglicht es Verbrauchern, zu viel gezahlte Steuern zurückerstattet zu bekommen. Wer monatlich Lohnsteuer zahlt, hat bereits eine Steuervorauszahlung geleistet, die unter Umständen jedoch relativ hoch sein kann. Mithilfe bestimmter Aufwendungen ist es möglich, das steuerpflichtige Einkommen zu verringern – das wiederum hat geringere Steuern zur Folge, sodass die Rückerstattung von bereits gezahltem Geld möglich ist. Gerade bei der ersten Steuererklärung kann der Aufwand allerdings sehr hoch sein, denn das Fachwissen und die Erfahrung fehlen noch.

Dieser Aufwand lohnt sich aber, denn absetzbare Aufwendungen gibt es viele und die Chancen stehen in der Regel gut, dass durch die Abgabe der Steuererklärung eine Rückzahlung ins Haus steht. Zu diesen besagten Aufwendungen gehören unter anderem Werbungskosten, Fahrtkosten zum Arbeitsplatz oder Aufwendungen für Arbeitsmittel. Es mag zwar sein, dass Verbraucher hier nicht in jedem Bereich den Pauschalbetrag übersteigen, eine Gegenrechnung ist aber allemal sinnvoll.

Ein wenig Vorbereitung – Diese Informationen sollten am besten von vornherein bereitliegen

Bevor es an die tatsächliche Steuererklärung geht, sollten einige wichtige Dinge bereits parat liegen. Dabei handelt es sich vor allem um relevante Daten und Informationen, aber auch Nachweise und Bescheinigungen dürfen nicht vergessen werden. Insbesondere folgende Unterlagen gehören auf jeden Fall dazu:

  • Persönliche Daten wie Name, Adresse, Geburtsort, Steuernummer oder Steueridentifikationsnummer.
  • Einkommensnachweise, darunter etwa die Lohnsteuerbescheinigung, die Bescheinigung über Arbeitslosengeld, Elterngeld, Kindergeld oder sonstige Abfindungen.
  • Nachweise für Werbungskosten, darunter fallen unter anderem Belege für Arbeitsmaterial, Fortbildungen, Bewerbungskosten oder Reisekosten.
  • Sofern es Kinder im Haushalt gibt, ist die Anlage Kind notwendig. Für diese werden wiederum Belege wie  Schulgeld, Kinderbetreuungskosten, Ausbildungsbescheinigungen oder der Bafög-Bescheid benötigt.
  • Unter Umständen bestehen auch außergewöhnliche Belastungen. Diese müssen mit entsprechenden Belegen für Haushaltshilfen oder Krankheitskosten nachgewiesen werden.

Weiterhin sind Sonderausgaben möglich, darunter fallen zum Beispiel Versicherungsbeträge oder Spenden.

Erklärvideo Steuererklärung

Wer ist eigentlich dazu verpflichtet, die Steuererklärung abzugeben?

Eine Steuererklärung ist nicht zwangsläufig notwendig, zumindest nicht für jeden. 2016 gilt laut eines Artikels der Vereinigten Lohnsteuerhilfe e.V. Folgendes: Sobald das Einkommen über 8.652 Euro pro Jahr liegt, muss eine Steuererklärung abgegeben werden. Wer als Single ein höheres Einkommen im Jahr hat, sollte diesen Betrag berücksichtigen, ansonsten können ein Zwangsgeld und ein Verspätungszuschlag die Folge sein. Für Ehepaare gilt automatisch der doppelte Wert, also 17.304 Euro. Darüber hinaus gibt es für Arbeitnehmer noch etliche weitere Gründe, die dazu führen, eine Steuererklärung abgeben zu müssen:

  • Neben dem Gehalt werden Lohnersatzleistungen erhalten wie etwa Arbeitslosengeld, Krankengeld oder Elterngeld von mehr als 410 Euro im Jahr.
  • Es wurde Lohn von mehreren Arbeitgebern erhalten, der nicht pauschal versteuert wurde.
  • Das Finanzamt hat für den jeweiligen Arbeitnehmer oder seinen Ehepartner Freibeträge eingetragen.
  • Für Selbständige und Freiberufler ist sie grundsätzlich ein Muss.
  • Es gibt noch etliche andere Richtlinien, die diesbezüglich bedacht werden müssen. Wer sich selbst unsicher ist, kann und sollte im Zweifelsfall aber einfach sein zuständiges Finanzamt telefonisch kontaktieren und erhält entsprechende eine Auskunft.

Nicht dazu verpflichtet sind unter anderem Singles mit Lohnsteuerklasse I, ohne Kinder und mit Einnahmen, die nur aus ihrer Arbeit stammen. Selbiges gilt für Eheleute mit annähernd gleichem Einkommen ohne jegliche Zusatzeinnahmen. Dennoch: Auch hier sollten Verbraucher sich die Mühe machen und eine Steuererklärung einreichen, immerhin lag die durchschnittliche Rückerstattung in den letzten Jahren stets bei einigen hundert Euro, wie das Statistische Bundesamt unlängst berichtete.

Welche Formulare sind notwendig?

Alle notwendigen Formulare und Dokumente sind beim jeweils zuständigen Finanzamt zu finden. Dort können Verbraucher in der Regel ein großes Regal mit sämtlichen Dokumenten vorfinden und diese einfach mitnehmen. Bei Fragen und Problemen können die Experten vor Ort direkt weiterhelfen. Wer sich den Weg sparen möchte, kann die nötigen Formulare aber auch einfach online herunterladen. Dies funktioniert mittlerweile bei vielen Ämtern, ansonsten gibt es ebenfalls etliche auf das Thema ausgerichtete Informationsportale, die weiterhelfen.

Grundsätzlich muss jede Steuererklärung den vierseitigen Mantelbogen beinhalten. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe weitere Formulare, die sich dahingehend unterscheiden, welche Voraussetzungen die Verbraucher mitbringen. Die wichtigsten Formulare sind die folgenden:

 

Formulartyp Für wen ist es gedacht? Was wird eingetragen?
Anlage N Arbeitnehmer Angaben zum Lohn, Werbungskosten und Arbeitnehmer-Sparzulage
Anlage KAP Sparer Einkünfte aus Kapitalvermögen
Anlage R Rentner Angaben zu Renten und anderen wiederkehrenden Leistungen
Anlage AV Altersvorsorgler Angaben zu Altersvorsorgebeiträgen
Anlage V Vermieter Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
Anlage Kind Eltern Angaben zum Kind
Anlage VL  Sparer Angaben zu den vermögenswirksamen Leistungen

Mantelbogen, Quittungen und Abgabe – Grundsätzliches zur Handhabung

Der Mantelbogen ist für alle allgemeinen Informationen gedacht, also etwa Name, Steuernummer oder Kontonummer. Auch die Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen werden in ihm festgehalten. Darüber hinaus sollten Quittungen und Belege in jedem Fall gesammelt und ordentlich abgeheftet werden. Am besten werden sie nach verschiedenen Gruppen sortiert, sodass es zum Beispiel einen Stapel für Sonderausgaben, Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen gibt. Die Quittungen werden dann an die passenden Stellen der Steuererklärung geheftet. In der Regel müssen alle Quittungen und Belege als Original vorlegt werden – spätestens sollten sie aber dann vorhanden sein, wenn das Finanzamt explizit danach fragt. Wichtig ist auch, eine Kopie aller Dokumente anzufertigen, damit die Belege auch Zuhause noch bereitliegen.

Zu guter Letzt wird die Steuererklärung mit allen relevanten Unterlagen in einen Briefumschlag gesteckt und dann an das zuständige Finanzamt geschickt bzw. direkt vor Ort in den Briefkasten gesteckt. Alternativ oder wenn noch abschließende Fragen bestehen, können die Finanzamt-Mitarbeiter aber auch während der Öffnungszeiten persönlich aufgesucht werden. Finanzämter raten jedoch dazu, dass die Steuererklärungen im Idealfall direkt elektronisch eingereicht werden. Hierfür kann das elektronische Elster-System genutzt werden, welches auch jetzt schon von einer großen Anzahl der Steuerzahler standardmäßig genutzt wird. In einigen Jahren soll die Online-Steuererklärung bereits den Normalfall darstellen, sodass auf ausgefüllte Papiere gänzlich verzichtet werden kann.
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