Karriereplanung in 4 Schritten

Manche machen zufällig Karriere. Sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Oder werden wohin befördert, wo sie gar nicht hinwollen. Ja, man kann auch erreichen, was man landläufig als Karriere bezeichnet und dennoch unglücklich damit sein.

Damit Ihnen letzteres nicht passiert und damit Sie ganz generell aktiv Ihre Karriere planen können, hier einige Tipps.

Werden Sie sich darüber klar, was Sie eigentlich wollen und vor allen Dingen warum und wozu

Viele Leute verwenden in ihrem Leben mehr Zeit darauf, sich in eine Software einzuarbeiten oder ins Kino zu gehen oder sogar ihre Wohnung zu putzen als für sich selbst. Mal ehrlich: Wie oft haben Sie sich schon hingesetzt und sich nur mit sich allein beschäftigt? Sich gefragt, was Sie im Leben erreichen möchten? So richtig ausführlich?

Ich selbst habe mich das letztes Jahr zum ersten Mal gefragt. Und seitdem beschäftige ich mich häufiger mit mir selbst und mit meinen Zielen. Und ich wundere mich darüber, dass ich erst mit 29 auf den Trichter gekommen bin, ganz aktiv das Ruder in die Hand zu nehmen.

Oh, wir sollten gerade mal auf das Wort „Planung“ zu sprechen kommen. Planen heißt nicht, dass alles festbetoniert wird. Planen und Ziele setzen dient Ihnen als Stadtplan. Sie können jederzeit Ihre Richtung ändern, wenn Sie sich vorher überlegt haben, dass Sie sie auch wirklich ändern wollen.

Ein ganz wichtiger Faktor beim Klarwerden, was Sie in Ihrem Leben erreichen wollen, ist, dass Sie sich nicht sofort in Ihren Gedanken einschränken: Ich würde gern Marketing Manager werden, aber ich hab ja nicht studiert. Ich würde gern mehr verdienen, aber da macht mein Chef nicht mit. Ich würde gern für zwei Jahre in die USA gehen, aber ich habe nicht genug Rücklagen und dann wäre mein Job hier weg und überhaupt meine Familie …

Zensieren Sie sich nicht von vornherein.

Nehmen Sie Papier und Stift und schreiben Sie alles auf:

Was möchten Sie gern erreichen?

Denken Sie ruhig quer! Vielleicht ist Ihr Wunsch eine ganz konkrete Berufsbezeichnung oder eine ganz konkrete Stelle. Vielleicht ist es aber auch weniger konkret: Ich würde gerne Personalverantwortung haben. Ich würde gern im Management eines internationalen Unternehmens tätig sein. Ich hätte gern mehr Verantwortung.

Einfach alles aufschreiben.

Wenn Sie damit fertig sind – und lassen Sie sich bitte Zeit damit (wenn Ihnen nichts mehr einfällt, denken Sie weiter nach, da kommt immer noch was) -, überlegen Sie bei jedem Punkt, warum Sie gerade dieses Ziel erreichen möchten.

Wenn Sie die Gründe kennen, ändern sich vielleicht die Ziele.

Vielleicht möchten Sie in einem internationalen Unternehmen arbeiten, weil Sie die Hoffnung hegen, Ihren alten Traum von der Arbeit in den USA zu erfüllen. Dann kann es sein, dass Sie hier einen Haken schlagen, um nicht direkt ans Rübergehen zu denken. Keine Sorge: Hier, sicher an Ihrem Küchentisch, können Sie alle Gedanken hegen, die Sie möchten. Und seien Sie noch so abstrakt. Noch müssen Sie nichts tun.

Wenn Sie sich ausführlich klar geworden sind, was Sie gerne tun möchten und warum Sie es tun möchten, dann wird es erst ernst:

Mit Ihrem jetzigen Chef über Ihre beruflichen Ziele sprechen

Hier kommt schon der zweite Schritt für Ihre Karriereplanung. Sie möchten also Personalverantwortung übernehmen? Halt, halt, halt … bevor Sie darüber spekulieren, ob das in Ihrem jetzigen Unternehmen möglich ist oder nicht: Reden Sie mit Ihrem Chef darüber. Sehr häufig sehen Mitarbeiter keine Chancen im eigenen Unternehmen und orientieren sich anderweitig. Obwohl sie eigentlich sehr gerne im bisherigen Bereich bleiben würden.

Mir selbst ist es passiert, dass ich in meiner früheren Firma an einen Punkt gekommen war, an dem es für mich nicht weiter ging. Die Firma war noch recht klein, und es gab nur drei verschiedene Bereiche, in denen ich hätte arbeiten können. Aus einem wollte ich heraus – und die anderen beiden interessierten mich nicht. In dem Gespräch, in dem ich meinem Chef die Kündigung aussprach, stellte sich heraus, dass die Firma so sehr an meiner Mitarbeit interessiert war, dass sie buchstäblich eine neue Aufgabe für mich geschaffen hat. Das war nicht nur ein Gefallen für mich – diese neue Position stellte sich als sehr wichtig für das Unternehmen heraus. So hatte die Reaktion meines Vorgesetzten zwei gute Seiten: Angeregt durch die „Gefahr“, eine gute Mitarbeiterin zu verlieren, konnte ich mit einer neuen Aufgabe in der Firma bleiben, und diese kam dadurch auf die Idee, eine neue wichtige Aufgabe zu schaffen und abzudecken.

Es ist nicht Ihre Aufgabe, hier für Ihren Chef zu denken.

Sie sagen, was Sie gern möchten und warum, und stellen im Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten fest, wie das Unternehmen zu Ihren Plänen steht.

Wichtig ist, dass Sie realistisch sind.

Ich hatte eine Kollegin, die unbedingt Verkaufsleiterin werden wollte, weil sie fand, dass sie nun lange genug in der Firma war und dass sie qualifiziert sei. Als der Chef ihr Punkte mitteilte, an denen Sie vorher noch arbeiten müsse, um tatsächlich für die Aufgabe qualifiziert zu sein, hörte sie nicht zu, sondern blieb stur. Sie bekam die Stelle nicht, weil sie die angesprochenen Punkte nicht ernst nahm. Daraufhin war sie so unzufrieden, dass sie die Firma wechselte, in der sie eigentlich bleiben wollte. Was ich damit sagen möchte? Nehmen Sie etwaige Einwände Ihres Chefs ernst. Auch wenn sie auf den ersten Blick vielleicht nicht mit allem übereinstimmen: Es gibt einen Grund, warum Ihr Chef gewisse Punkte vorbringt. Vielleicht hat er recht, dass Sie hie und da noch Defizite haben, an denen man gemeinsam arbeiten muss. Vielleicht hat Ihr Chef auch nur ein falsches Bild von Ihnen – ebenfalls ein Zeichen für Sie, etwas zu tun. Denn Ihr Chef soll Sie ja im richtigen Licht sehen.

Ich selbst habe in meiner Zeit als Abteilungsleiterin bereits im Bewerbungsgespräch – und auch bei meinen Mitarbeitern in den regelmäßigen Zielgesprächen – immer wieder nachgefragt, wo die beruflichen Ziele hingehen. Es ist sehr wichtig für beide Seiten, zu wissen, was Sie erreichen möchten. Nur dann kann Sie Ihr Manager dabei auch unterstützen.

Wenn Ihre Firma nicht mitspielt

Sofern Ihre jetzige Firma nicht mitspielt – weder in puncto Hilfe bei Ihrer weiteren Qualifizierung, noch signalisiert, dass sie positiv auf Ihre Ziele anspricht, sollten Sie sich ernsthaft überlegen, ob Sie nicht besser wechseln sollen.

Aber achten Sie darauf, dass Sie beim Suchen einer neuen Stelle auch Ihre Ziele im Auge behalten und die potentielle neue Firma daraufhin abklopfen.

Ein wichtiges Indiz gibt Ihnen hier bereits der Stellenmarkt: Über eine Stellenanzeige erfahren Sie bereits im Vorfeld sehr viel über das inserierende Unternehmen und können unter Umständen bereits im Vorfeld abchecken, ob das Unternehmen zu Ihren Zielen passt.

Machen Sie keine Kompromisse und nehmen einfach irgendeine Stelle an. Sagen Sie der potentiellen neuen Firma genau, wo Sie hinwollen. Und natürlich wieder warum.

Ein Mitarbeiter, der klare Ziele hat (die ja gerne beweglich sein und sich auch ändern oder erweitern dürfen), macht nebenbei bemerkt auch viel Eindruck.

Arbeiten Sie für Ihre Ziele und arbeiten Sie an sich selbst

Nur weil Sie sich ein Ziel gesetzt haben, haben Sie es noch lange nicht erreicht. Aber den ersten wichtigen Schritt getan. Überlegen Sie sich, wie Sie Ihren Weg zum Ziel effektiv gestalten können und vor allen Dingen auch, wie Sie ihn aktiv angehen können.

Nutzen Sie die Möglichkeiten der Weiterbildung (Trainings, Bücher), suchen Sie sich Vorbilder, die bereits erreicht haben, was Sie gerne erreichen möchten.

Und: Feiern Sie Ihre kleinen Erfolge, die Sie Schritt für Schritt dem Ziel näherbringen.

(c) Gitte Härter, objektiv. Management & Lebensqualität