Innere Kündigung: der Schuss ins eigene Knie

„Dann mach ich eben Dienst nach Vorschrift“, eine häufige Drohung von frustrierten Angestellten. Das Unternehmen fördert Engagement nicht oder unterdrückt es gar. Es werden unnötige Projekte ins Leben gerufen, die nach getaner Arbeit wieder eingestellt werden. Die Bezahlung steht in keinem Verhältnis zur Tätigkeit. Der Chef ist ungerecht …

Die Gründe sind vielfältig. Der frustrierte Mitarbeiter verliert zunehmend Energie. Es folgt die innere Kündigung.

Was als Drohung gedacht ist, die letztlich dem Unternehmen schaden soll, ist in Wirklichkeit ein Schuss ins Knie. Denn der am meisten drunter leidet, sind Sie selbst.

Die Folgen der inneren Kündigung

Wenn Sie innerlich gekündigt haben und nur noch „Dienst nach Vorschrift“, also das Allernötigste machen, ist das natürlich auch ein Schaden für das Unternehmen. Das haben die nun davon, dass sie Ihr Engagement nicht anerkennen und nutzen: dann schrauben Sie Ihr Engagement eben zurück. Nur dafür bekommen Sie schließlich auch Ihr Gehalt.

Die Firma ist selbst schuld: sie hätte für ihr Geld noch mehr haben können. Einen motivierten Mitarbeiter, der mit Elan und Ideen an die Arbeit geht.

Das ist der Plan. Ihre vermeintlich einzige Waffe, wenn Sie den Arbeitsplatz nicht wechseln wollen und im Unternehmen bleiben.

Für das Unternehmen

In Wirklichkeit merkt das Unternehmen meist gar nicht, dass Ihr Engagement zurückgegangen ist. Oder es ist egal. Denn in einem Umfeld, wo Aktivität nicht gewünscht ist, wird sie auch nicht vermisst werden.

Waren Sie jedoch vorher mit viel Tatendrang dabei und jetzt nicht mehr, was Arbeitsoutput und vielleicht auch Arbeitsstunden angeht, müssen Sie unter Umständen mit Konsequenzen rechnen. Sie werden darauf angesprochen, was los sei. Sie seien doch sonst engagiert gewesen und jetzt nicht mehr … Jetzt kann sich alles zum Guten wenden: Sie lassen allen Frust raus, Ihr Chef ändert sich. Und sie lebten glücklich bis an Ihr Lebensende.

Da ich aber davon ausgehe, dass Sie als engagierter Mitarbeiter Ihren Frust bereits vor der inneren Kündigung angesprochen haben – vermutlich sogar mehrmals, und das fruchtlos, ist die zweite mögliche Konsequenz wahrscheinlicher: Ihre Beurteilung fällt schlecht aus, Sie fallen in Ungnade. Und da nützt es niemandem, welche Gründe auch immer Sie haben mögen.

Die Folgen für Sie selbst

Sehr wichtig sind auch die ganz persönlichen Folgen für Sie. Ein engagierter Mensch, der so frustriert ist, dass er sich aus Rache oder weil er sich nicht verstanden/respektiert fühlt, völlig zurücknimmt, fügt sich selbst am meisten Schaden zu.

Sie leben gegen Ihre Überzeugungen. Das kostet Energie! Sich zurückzunehmen klingt einfach („dann mach ich eben nur noch das Nötigste“), ist es aber nicht. Außerdem sind Sie frustriert. Und jetzt doppelt. Zum einen, weil Ihre Firma Ihr Talent und Ihr Engagement nicht anerkennt und für sich nutzt, Sie einfach nicht loslegen lässt. Zum anderen über sich selbst! Denn eigentlich wären Sie ja ganz anders.

Unzufriedenheit im Beruf wirkt sich massiv auf Ihre Persönlichkeit aus. Diese beeinflußt Ihr gesamtes Umfeld. Im Beruf leiden auch diejenigen darunter, die Sie gar nicht treffen möchten: die Kollegen, mit denen Sie sich eigentlich gut verstehen, die Kunden, die Sie vormals immer so zuvorkommend und nett betreut haben. Im Privatleben leiden die Familie und Freunde darunter. Denn Sie sind unzufrieden, unleidlich.

Sehen Sie es umgekehrt: Wenn Sie im Beruf erfolgreich sind, wenn Sie Ziele erreichen, Erfolge feiern können. Ihre Arbeit anerkannt und gelobt wird, dann geht es Ihnen gut.  Sie sind glücklich. Sie können Bäume ausreißen. Ihr Selbstvertrauen steigt.

Alles ins Gegenteil verkehrt, hat fatale Folgen.

Ein Bekannter von mir ist ein ganz frischer Fall von innerer Kündigung: früher engagiert, ausgesprochen hilfsbereit und beneidenswert ausgeglichen, ist er seit Monaten sehr großem Stress ausgesetzt, ohne Unterstützung, ohne Aussicht auf Besserung, es werden ihm dauernd Knüppel zwischen die Beine geworfen. Zuvor ein Pionier in Aufbauarbeit und sprühend vor Verbesserungsideen, ist er nach Monaten des Frustes ein völlig anderer Mensch.

Schon morgens sieht er ständig auf die Uhr und verkündet lautstark die verbleibende Zeit bis zum Feierabend, was die Kollegen tierisch nervt. Bei jeder Aufgabe kommt ein Kommentar oder ein unzufriedenes Grunzen. Und der hilfsbereite, geduldige Mensch ist am Telefon unfreundlich und flucht nach dem Auflegen, was das wieder für ein Idiot war.

Da mein Bekannter weiß, dass sich nichts ändern wird, möchte er mit niemandem über die Arbeit reden. Und auch zuhause verschließt er sich.

Diese Haltung vergiftet den Menschen und das gesamte Umfeld.

Kommt Ihnen bekannt vor? Dann tun Sie was!

Der bessere Weg

Innere Kündigung und passives Verhalten haben immer negative Auswirkungen für den, der gekündigt hat! Aktivismus ist angesagt – und zwar geplanter.

Schritt 1: Lassen Sie es nicht soweit kommen!

Sofern Sie derzeit in einer Situation sind, die schon die ersten Anzeichen der inneren Kündigung spüren lässt, ziehen Sie die Notbremse. Unverzüglich!

Schreiben Sie sich auf, was Sie alles stört und daran hindert, Ihre Arbeit gut zu machen. Bereiten Sie sich gut vor und vereinbaren Sie dann ein Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten.

Wichtig ist, dass Sie besonnen ins Gespräch gehen. Wer frustriert ist, ist emotional und sagt Dinge, die er nicht sagen möchte, oder zuwenig, weil er im Eifer des Gefechts vergisst, was ihm wichtig ist.

  • Analysieren Sie für sich:
  • Was stört mich? Warum?
  • Wer ist beteiligt?
  • Wie sollte es sein? Wie lässt sich diese Lösung erreichen?
  • Was ist die Konsequenz, wenn sich nichts ändert?

Reden Sie mit Freunden oder Ihrem Lebenspartner über Ihre Situation und lassen Sie sich Anregungen geben. Mit „reden Sie darüber“ meine ich nicht das übliche Lamento, das damit endet, dass jeder in der Gesprächsrunde eigene Horrorstories zum besten gibt. Und ich meine auch nicht Freunde, die sich beeilen, Sie darin zu bestärken, dass Sie ach-so-arm sind und die Welt so ungerecht.

Momentan ist das Ziel für Sie, aus der Misere herauszukommen: also sprechen Sie gezielt mit den Leuten, von denen Sie wissen, daß Sie auch kritisch und konstruktiv an die Angelegenheit herangehen und Ihnen wertvolle Tips geben.

Schritt 2: konsequent sein

Wenn Sie das Gespräch gesucht haben, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder Sie haben sich mit Ihrem Vorgesetzten dahingehend verständigt, dass sich etwas ändert oder dass alles so bleibt wie bisher.

wenn Sie auf offene Ohren stoßen

  • Gehen Sie mit einem gezielten Plan aus dem Gespräch, den Sie beide vereinbaren. Führen Sie Protokoll und zeichnen Sie idealerweise beide die vereinbarten Ziele ab. Diese symbolische Geste ist erstens gut für die Motivation und sie zeigt Ihnen auch gleich, wie ehrlich Ihr Chef es meint. Setzen Sie auch zeitlich Ziele.
  • Seien Sie realistisch: Sie möchten eine Lösung, die für alle Beteiligten gut ist. Es geht nicht darum, daß sich alles bedingungslos nach Ihren Wünschen ändert. Sondern darum, was für alle gut ist – für Sie, das Unternehmen und die betroffenen Geschäftspartner.

wenn Ihr Chef sich taub stellt

Sofern Sie auf taube Ohren stoßen, ziehen Sie die Konsequenzen. Bevor Sie selbst an der Haltung eines Unternehmens kaputt gehen, suchen Sie sich eine andere Arbeit. Und zwar bevor Ihr Frust so groß wird, dass Sie ihn ausstrahlen, denn das merkt auch ein künftiger Arbeitgeber und wird sich hüten, Sie einzustellen.

Wichtig ist: Gehen Sie Ihren Frust aktiv und konsequent an.

Machen Sie nicht den Fehler und warten Sie ab. Im Falle einer inneren Kündigung ist es wie mit einer schweren Krankheit: rechtzeitig entdeckt, sind die Heilungschancen ein Vielfaches besser!