Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland

Seit dem 1. Januar 2015 gibt es in Deutschland einen gesetzlichen Mindestlohn. Dieser wurde mit einer Höhe von 8,50 Euro eingeführt und zum 1. Januar 2017 erstmals um 0,34 Euro angehoben. Laut Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes verdienen nach der Erhöhung Vollzeitbeschäftigte im Schnitt 55 Euro mehr pro Monat. Der Mindestlohn steht jedoch nicht allen Personen- und Berufsgruppen uneingeschränkt zu.

Wie hat sich der Mindestlohn seit seiner Einführung entwickelt?

Mit einer Höhe von 8,50 Euro entsprach der Mindestlohn seit dem 1. Januar 2015 der bundesweiten Lohnuntergrenze. Auf eine Empfehlung der Mindestlohnkommission hin wurde er seitdem einmal angehoben. § 9 Abs. 1 des Mindestlohngesetzes (MiLoG) sieht vor, dass jene Kommission der Bundesregierung alle zwei Jahre einen Vorschlag zur Anpassung des Mindestlohnes unterbreitet. Dabei orientiert sie sich an der Tarifentwicklung, das heißt der Entwicklung des durchschnittlichen tariflichen Stundenlohnes. Hier eine Übersicht über die Änderungen des Mindestlohnes seit seiner Einführung:

Zeitpunkt Mindestlohn
1. Januar 2015 8,50 Euro
1. Januar 2017 8,84 Euro


Arbeitnehmer, welche ihren Mitarbeitern den gesetzlichen Mindestlohn nicht auszahlen, können strafrechtlich geahndet werden, weil sie damit den Tatbestand des Lohnwuchers erfüllen. Zudem können sie mit einer Geldstrafe von bis zu 500.000 Euro verhängt werden. Bei der Abrechnung von Löhnen und Gehältern ist die zuverlässige und professionelle Arbeitsweise eines Unternehmers unabdingbar. Unterstützung bei einer gesetzeskonformen Lohnabrechnung bieten
Software-Lösungen von Lexware. Gemäß §108 der Gewerbeordnung sind Arbeitgeber sogar gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Angestellten einmal im Monat eine Verdienstabrechnung auszuhändigen. In diesem Dokument muss das Entgelt über den angegebenen Zeitraum exakt aufgeschlüsselt sein, sodass Zahlungen nachvollzogen werden können. Auch hierbei kann das Lohnprogramm helfen, weil es beispielsweise Zahlen wie die Höhe des Gehaltes oder Sozialversicherungsdaten aus dem vorherigen Monat oder Jahr automatisch übernimmt, was unter anderem Fehler im Übertrag vermeidet.  

Für welche Berufsgruppen gilt der Mindestlohn (nicht)?

Grundsätzlich gilt der Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro für alle volljährigen Arbeitnehmer. Einige Personengruppen sind davon jedoch ausgeschlossen:

  • Minderjährige Jugendliche, die noch keine Berufsausbildung abgeschlossen haben
  • Praktikanten, die das Praktikum im Rahmen ihrer schulischen oder hochschulischen Ausbildung absolvieren
  • Praktikanten, die das Praktikum freiwillig leisten, insofern dieses nicht länger als drei Monate dauert
  • Auszubildende
  • Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten nach Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit
  • Ehrenamtlich Tätige

Der Mindestlohn für Zeitungszusteller

Bisher waren Zeitungszusteller noch vom gesetzlichen Mindestlohn ausgeschlossen. Konkret bedeutet das: Sie erhielten auch in den letzten beiden Jahren nicht den Mindestlohn von 8,50 Euro, der eigentlich seit 2015 festgesetzt ist. Mit der Anpassung des Mindestlohnes zum 1. Januar 2017 gibt es ebenso für sie eine Änderung. Zwar erhalten sie nicht den erhöhten Mindestlohn von 8,84 Euro. Arbeitgeber sind jedoch verpflichtet, ihnen mindestens 8,50 Euro auszuzahlen.

Branchenabhängige Ausnahmen  

In einigen Branchen waren die Mindestlöhne intern geregelt. Für diese Fälle wurden Übergangsfristen vereinbart, ehe der gesetzliche Mindestlohn ausgezahlt werden muss:

Branche Mindestlohn
Wäschereidienst-leistungen im Objektkundenbereich
  • Ostdeutschland: 8,75 Euro bis Ende September 2017 (ab dann 8,84 Euro, wie bereits in Westdeutschland)
Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau
  • Steigt sowohl in Ost- als auch Westdeutschland zum Januar 2017 auf 8,60 Euro
  • Ab November 2017 auf 9,10 Euro
Textil- und Bekleidungsindustrie
  • Ostdeutschland: Steigt zum November 2016 auf 8,75 Euro
  • Zum Januar 2017 auf 8,84 Euro

(wie bereits in Westdeutschland)


Der Mindestlohn in der Leiharbeit

Bis 31. Dezember 2016 betrug der Mindestlohn in der Leiharbeit in Westdeutschland 9 Euro, in Ostdeutschland 8,50 Euro. Nach einem Tarifabschluss zwischen der DGB-Tarifgemeinschaft Leiharbeit und den Arbeitgeberverbänden „Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen“ (iGZ) und dem „Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister“ (BAP) soll dieser in Westdeutschland mit einer Höhe von 9 Euro beibehalten werden, in Ostdeutschland auf die allgemeine Höhe von 8,84 Euro ansteigen.

Was erwartet Arbeitnehmer 2018?

Wie im oberen Bereich ausgeführt, gibt es aktuell noch Ausnahmen vom Mindestlohn. Diese müssen spätestens zum 1. Januar 2018 beendet sein. Ab dann steht jedem Arbeitnehmer ein Lohn mindestens in der Höhe von 8,84 Euro zu.

Eine große Änderung im nächsten Jahr erwartet außerdem Pflegekräfte. Für sie soll der Mindestlohn zum 1. Januar 2018 in Westdeutschland auf 10,55 Euro, in Ostdeutschland auf 10,05 Euro steigen. Bis 2020 wird dieser in Westdeutschland auf 11,35 Euro und in Ostdeutschland auf 10,85 Euro sukzessive angehoben.