Traumdeutung & Traumtypen

Die Wechselwirkungen zwischen Traum und Realität sind stärker als sich die meisten von uns eingestehen möchten. Träume sind einerseits Indikatoren für unsere psychische und seelische Befindlichkeit, andererseits beeinflussen sie dieselbe, bewusst oder unbewusst.

Sigmund Freud, dessen Buch „Die Traumdeutung“ (1900) bis heute ein Standardwerk der Traumanalyse ist, bezeichnete den Traum, bzw. die Traumdeutung als „Königsweg“ bei der Erforschung des Unbewussten. Man könnte Träume auch als Botschaften des eigenen Unterbewusstseins an das Bewusstsein bezeichnen.

Erwachsene „verschlafen“ etwa ein Drittel ihrer Lebenszeit. Wie wichtig Schlaf ist, wird deutlich, wenn man nicht genug davon bekommt. Auch die die Traum- oder REM-Phasen (rapid eye movement-Phase = Traumphase) sind für ein psychologisches Gleichgewicht unabdingbar.

In Langzeit-Versuchen wurden die Probanden immer, wenn sie in eine REM-Phase eintraten, geweckt. Schon nach zwei Tagen waren deutlich psychische Auswirkungen spürbar. Die Probanden wurden nervös, depressiv und/oder gereizt bis aggressiv.

Die Redewendung „der Schlaf ist der kleine Bruder des Todes“ zeigt, wie sehr Schlaf und Traum noch immer unterschätzt werden. Berücksichtigt wird hierbei auch nicht, dass Menschen umso mehr schlafen, je weiter sie vom Tod entfernt sind.

Säuglinge schlafen rund 20 Stunden am Tag, 50% dieser Zeit befinden sie sich in REM-Phasen. Erwachsene schlafen 7 bis 8 Stunden, 30% davon träumen sie. Alte Menschen schlafen 4 bis 6 Stunden und verbringen nur 10% ihrer Schlafzeit mit Träumen.

Der Schlaf dient der physischen Regeneration, während das Träumen psychische Entspannung und Erholung ermöglicht.

Die Sprache des Traums ist die Bildersprache. Metaphern, Allegorien und Symbole prägen unsere Träume. Doch gerade bei der Deutung der Alltagsträume, die den grössten Anteil der Träume ausmachen, empfiehlt es sich, erst einmal die oberste, vordergründigste Bedeutungsebene zu untersuchen (Objektebene).

Kann man wirklich keinen Sinn in der Traumhandlung entdecken, muss man eine „tiefere“ Bedeutung suchen, also weiter abstrahieren.

Manche Träume erscheinen unverständlich, unlogisch und absurd. Doch bei dem vermeintlich sinnlosen Durcheinander und den verwirrten Handlungsabläufen handelt es sich um verschlüsselte Traumbotschaften. Je verschlüsselter ein Traumthema „dargeboten“ wird, umso tiefer sitzt in der Regel auch der Konflikt, das Trauma, das den Traum ausgelöst hat.

Solchen Träumen sollten wir besonderes viel Aufmerksamkeit schenken (soweit wir uns an sie erinnern), denn hier liegen oft unsere grössten Konflikte verborgen, die selbst im Traum nur verschlüsselt an das Bewusstsein dringen.

Die Grenzen zwischen den verschiedenen Traumtypen sind oft verwischt. Verlegenheitsträume können schnell zu Angstträumen oder zu lustigen Träumen werden. Um einen groben Überblick zu geben, haben wir die Traumtypen, die sich meist aus den Trauminhalten ergeben, wie folgt strukturiert und beschrieben:

Alltagsträume

Alltagsträume dienen der Alltagsbewältigung. Konflikte, die am Tag nicht verarbeitet werden konnten, oder in der Hektik des Alltagsstresses untergingen (viele Dinge nehmen wir unbewusst wahr, im Traum erinnern wir uns daran), werden in Träumen noch einmal „durchgenommen“.

In Alltagsträumen nehmen wir häufig Korrekturen von Verhaltensweisen und Handlungen vor, mit denen wir nicht zufrieden sind. Dadurch werden Spannungen abgebaut. Zusätzlich „erarbeitet“ man so „im Schlaf“ Handlungsalternativen falls vergleichbare Situationen eintreten.

Angstträume und Albträume:

Angstträume sind in der Regel „harmloser“, also weniger bedrohlich als Albträume, die oft noch lange Zeit auf der Psyche des Träumers lasten.

Albträume enden zumeist in einer vermeintlich ausweglosen Situation. Aufwachen ist dann die einzige „Rettung“. Charakteristisch für Alpträume ist das Gefühl der Angst und Ohmacht. Man ist unfähig zu handeln, selbst im Angesicht des Todes (des eigenen oder dem der Lieben) ist man gelähmt vor Angst.

Handlung und Bilder von Albträumen erscheinen oft völlig harmlos, dennoch wird der Träumende von einem schweren, drückenden Gefühl gepeinigt. Dieses Gefühl, Angst, Panik, Entsetzen, etc. kann einen noch tagelang begleiten.

Kehren Angst- und Albträume mehrmals wieder und werden als Belastung empfunden, sollte man auf jeden Fall Unterstützung bei Psychologen oder Psychotherapeuten suchen. In solchen Fällen ist es ratsam sich mit dem Traum und den Ursachen der Ängste auseinanderzusetzen, denn sonst können sich die negativen Gefühle auf alle Aktivitäten auswirken.

Prüfungsträume

Auch Prüfungsträume können den Angstträumen zugeordnet werden. Traumhandlungen sind beispielsweise: Man schafft es erst gar nicht zur Prüfung, weil man den Termin vergessen hat. Man ist beim Bummeln und Einkaufen, oder tritt gar eine Reise an und plötzlich durchfährt es einen wie ein Blitz: „Oh je, die Prüfung!“ Doch dann ist es meistens schon zu spät.

Man sitzt in einer schriftlichen Prüfung und kann die Fragen nicht entziffern, traut sich aber nicht die Lehrkraft zu fragen. Man beleidigt die Prüfer in einer wichtigen mündlichen Prüfung, und lässt das Prüfungsgremium einfach sitzen, etc. Man hat die Prüfung nicht bestanden, womöglich das schlechteste Ergebnis seit Menschengedenken.

Prüfungsträume gehören zu den häufigsten Träumen. Hinter solchen Prüfungsträumen stecken meist Vaterthemen. Die Angst zu versagen, ist im Grunde die Angst nicht vom eignen Vater als erwachsene Person anerkannt zu werden.

In unserer Kultur sind Prüfungsträume so weit verbreitet, weil uns die Rituale / Initiationen fehlen, die aus einem Kind einen Erwachsenen machen.

Krankheitsträume

Schon in der Antike hofften die Menschen auf Heilung durch die Deutung ihrer Träume. Im alten Griechenland pilgerten viele Kranke nach Kos, wo sie sich in der heiligen Atmosphäre des Asklipios-Tempels zum Heilschlaf niederlegten.

Sie hofften darauf, dass der Gott Asklipios in ihrem Traum erscheinen und ihnen eine Botschaft zur richtigen Behandlung übermitteln möge. Priesterärzte halfen ihnen dabei die Träume zu interpretieren, um den Heilungsprozess einzuleiten.

Die Bedeutung von Krankheitsträumen kann auch heute nicht geleugnet werden. Während wir träumen sind äußere (störende) Einflüsse weitgehend ausgeblendet, die Reize innerhalb des Körpers können besser wahrgenommen werden.

Oft deuten sich beginnende Krankheiten sehr früh in Träumen an. In der Regel haben wir ein gutes Gespür dafür, wie wichtig oder unwichtig Träume sind. Haben wir einen ernstzunehmenden Krankheitstraum, sollten wir die betroffenen Bereiche auf jeden Fall untersuchen lassen.

Todesträume

Es gibt zwei Arten von Todesträumen. Einerseits können wir den tatsächlichen Tod von Menschen, die uns nahestehen, „vorherträumen“. Hierbei können ganz alltägliche Bilder, also keineswegs Todes- oder Sterbeszenen, erscheinen. Dennoch hat man das „sichere Gefühl“, dass die betroffene Person gestorben ist.

Traumsymbole bei dieser Art von Träumen sind vor allem „Fremde“. Fremde Menschen drängen sich im Traum zwischen uns und die Sterbenden, manchmal nehmen sie auch deren Identität an. Man sieht die betreffende Person im Traum, doch man „weiß“ genau, dass es eine „Kopie“ ist.

Die andere Art von Todesträumen haben nichts mit dem „wirklichen Tod“ zu tun. Sie symbolisieren vielmehr Veränderungen, Wandlungen, das Ende menschlicher Beziehungen, und gleichzeitig einen Neuanfang.

Flugträume

Wer im Traum ohne Hilfsmittel fliegt, verfügt in der Regel über ein gesundes Selbstbewusstsein, hat sein Leben unter Kontrolle (oder glaubt dies zumindest). Wichtigstes Element der Flugträume ist die Freiheit, bzw. Unabhängigkeit. In der modernen Traumforschung werden Flugträume oft auch negativ interpretiert, als Ausdruck eines übersteigertes Selbstbewusstsein.

Fallträume

Sehr schnell kann aus einem Flugtraum ein Falltraum werden. Gerade noch gehörte die Welt dem „fliegenden Träumer“, doch mit der „Bewusstwerdung“ des Vorgangs, oder anderen störenden Einflüssen, kann sehr schnell die Angst kommen, und mit Angst kann man nicht fliegen.

Flugträume, die in Fallträume übergehen, können als Warnsignale der Vernunft gedeutet werden: der Träumende soll den Boden nicht unter den Füssen verlieren, „auf dem Teppich bleiben“.

Sexualträume

Das Erleben von Sexualität im Traum kann unterschiedliche Ursachen haben. Die nächstliegende Ursache liegt in dem Urbedürfnis der Menschen nach Nähe, Wärme und Liebe.

Träume, in denen es zu einer sexuellen Vereinigung kommt, haben in der Regel gar nichts mit Sexualität zu tun. Hier tauchen oft ganz andere Inhalte und Probleme auf, die als Sexträume verschlüsselt wurden. Die körperliche Kontaktaufnahme symbolisiert vielmehr den Wunsch nach seelischer Geborgenheit.

Hemmungs- und Verlegenheitsträume

Der meistgeträumte Verlegenheitstraum ist mit Sicherheit der Nackttraum. Man läuft durch die belebten Strassen einer Stadt, und merkt erst nach einer Weile, dass man ganz oder teilweise nackt ist.

In der Regel bemerken die anderen Passanten die eigene Nackheit erst in dem Moment, in dem sie einem selbst bewusst wird. So locker und beschwingt man vorher war, so beschämt und peinlich berührt ist man nun.

Oft enden solche Träume in einer kopflosen Flucht, verzweifelt sucht man ein Versteck oder ein Bekleidungsstück, um die Nacktheit zu verbergen.

Nacktträume können zum einen als („interner“) Appell zu mehr Offenheit und Ehrlichkeit, zum anderen als Angst vor Bloßstellung gedeutet werden.

Wunsch- und Begehrungsträume

Träume dieser Kategorie präsentieren sich normalerweise sehr direkt, also unverschlüsselt.

Beispiele: Man findet (große) Geldmengen im eigenen Geldbeutel oder auf der Straße. Man wird eines neuen Computers oder eines neuen Autos gewahr. Wertgegenstände materialisieren sich problemlos im Traum und man fragt sich weshalb man nicht schon immer erkannt hat wie einfach alles ist.

Oft wird dem Träumenden auch bewusst wie unwichtig materielle Güter letztendlich sind.