Singen macht glücklich und gesund

Die enge Verknüpfung zwischen psychologischem und körperlichem Wohlbefinden steht mittlerweile außer Frage.

Gerade die Stimme spielt beim Zusammenspiel von psychologischer und körperlicher Verfassung eine wichtige Rolle. In ihrer Entstehung ist die menschliche Stimme von körperlichen Voraussetzungen abhängig, doch was sie auszudrücken vermag, geht weit über die „reine“ Biologie hinaus.

Klangfarbe, Lautstärke und Klangmelodie geben den Zuhörenden Auskunft über die emotionale Situation des Sprechenden oder Singenden. Es ist in erster Linie diese emotionale Ausdruckskraft, die uns einige Stimmen sympathisch, andere unsympathisch erscheinen lässt.

Weltweit bekannte Stimmen wie zum Beispiel die von Edith Piaf, Frank Sinatra, Tom Waits, Billie Holiday oder Enrico Caruso basieren auf einem soliden „technischen“ Fundament. Den Erfolg haben sie jedoch der „Kraft“, der „Seele“ ihrer Stimmen zu verdanken.

Kein anderes Medium vermag Menschen so zu ergreifen und zu fesseln oder auch abzustossen, wie die menschliche Stimme. Freude und Leid, Liebe und Leidenschaft, das gesamte Spektrum der Emotionen lässt sich stimmlich ausdrücken und, seitens der Rezipienten hervorrufen, erwecken.

Der/die Singende kann sich von negativen Gefühlen „freisingen“, bzw. positive Gefühle durch Gesang verstärken. Die Zuhörer können mithilfe des Gesangs in andere (Gefühls)Welten eintauchen.

Wie das alles genau funktioniert ist noch lange nicht geklärt. Soviel lässt sich sagen: Stimmen sind Schwingungen, jede Stimme hat ein eigenes, ganz individuelles Frequenzmuster. Eine liebgewonnene Stimme werden wir auch nach Jahren wieder erkennen.

Wenn wir selbst singen, dringen unsere Stimmen nicht nur nach außen, sie erfüllen auch uns selbst, den „Resonanzkörper“. Aktives Singen kann uns positive Schwingungen natürlich viel näher bringen als passives Konsumieren (daran wird auch DVD nichts ändern).

Wir sind umgeben von einem Meer von Schwingungen. Sie sind nicht alle posititv, doch wir können negativer „Stimmung“ durch positives „Stimmen“ entgegenwirken. Eine muntere Melodie lässt uns auch schwierige, traurige Situationen besser überstehen.

„Good vibrations“, zur (Wieder)Erlangung der Lebensfreude gibt es kaum eine bessere Medizin als das Singen.

Singen im Alltag

Zum Thema „Singen im Alltag“ wollen wir zwei Aspekte kurz beleuchten:

  • das Singen im Alltag
  • das Sprechen im Alltag

Viel zu selten lassen wir unserer Stimme im Alltag freien Lauf, indem wir singen. Immer mehr Menschen scheinen das Singen zu „verlernen“.

Es geht nicht nur darum ob wir an Weihnachten drei Strophen der schönsten Weihnachtslieder trällern. Dennoch sei kurz erwähnt, dass das gemeinsame Singen allemal eine innigere, gemeinschaftlichere Atmosphäre schafft als das Anhören von Weihnachts-CDs.

Machen Sie jeden Tag zum Feiertag. Singen Sie beim Duschen, beim Brötchenholen, beim Anziehen, beim Autofahren, beim Laufen, es gibt unzählige Gelegenheiten die Stimmung durch die eigene Stimme zu heben.

Wer den Tag mit einer schönen Melodie beginnt, kann so das persönliche Schwingungsmuster gestalten, mit dem er dem Tag entgegentritt. Das gilt für die eigene Befindlichkeit, aber auch für die Qualität der Kontakte zu anderen Menschen.

Wer viel singt findet auch leichter die richtige „Tonlage“ im Gespräch.

Tag für Tag begegnen wir vielen Menschen in den unterschiedlichsten Situationen und sozialen Umgebungen. Je nach Situation nehmen wir eine bestimmte „Rolle“ ein, die wir mit verschiedenen Modulationen unserer Stimme unterstreichen.

Beispiele für unterschiedliche Situationen:

  • innerhalb der Familie
  • bei Freunden
  • beim Vorstellungsgespräch
  • in den Gehaltsverhandlung
  • mit Kollegen
  • in einer Besprechung
  • während Verkaufsverhandlungen / Präsentationen
  • in der Rede vor einem Publikum

Durch Selbstbeobachtung lässt sich recht schnell feststellen, wie sehr gute oder schlechte Schwingungen (good or bad vibrations) die zwischenmenschliche Kommunikation beeinflussen, oftmals sogar gänzlich gestalten. Also hören Sie gut zu was und vor allem wie Ihre Nächsten sich äußern.

Wer beobachtet wie die Mitmenschen auf die Schwingungen reagieren, die man ihnen entgegenbringt, und wie deren Schwingungen wiederum auf die eigene Stimmung einwirken, kann die Qualität seiner Kommunikation verbessern.

So kann man sich auf jede Situation besser „einstimmen“, die Nervosität vor öffentlichen Auftritten oder wichtigen Gesprächen vermindern, besser auf unerwartete Fragen und Provokationen reagieren, kurzum sich eine Menge Ärger ersparen und Freude am alltäglichen Leben gewinnen.

Musikunterricht an Schulen

An deutschen Schulen wird gerade der Musikunterricht viel zu sehr vernachlässigt. Aufgrund von Musiklehrermangel findet oftmals noch nicht einmal der einstündige konventionelle Musikunterricht statt.

1988-89 und 1990-91 wurden in der Schweiz Schulversuche mit erweitertem Musikunterricht durchgeführt, Musik in der Schule. Schon diese Untersuchungen belegten, dass die Lernfähigkeit, also Konzentration, Gedächtnis und Motivation durch (erweiterten) Musikunterricht zunehmen.

Wie wichtig die musikalische Erziehung ist, zeigte auch der Musikpädagoge Hans Günther Bastian mit seiner Studie „Musik(erziehung) und ihre Wirkung“.

Die an fünf Berliner Grundschulen durchgeführte Langzeitstudie, brachte recht eindeutige Resultate. Von 1992 bis 1998 (in Berlin dauert die Grundschule 6 Jahre) wurden etwa 170 Kinder beobachtet.

Der grössere Teil der Kinder, etwa zwei Drittel, gehörte zu den sogenannten Modellklassen. Sie hatten 2 Stunden Musikunterricht in der Woche, lernten außerdem ein Instrument zu spielen und im Ensemble zu musizieren.

Die restlichen Kinder hatten während dieser Zeit nur eine Wochenstunde konventionellen Musikunterricht, sie bildeten die Kontroll- bzw. Vergleichsgruppe.

Ergebnisse der Studie:

Soziale Kompetenz:

Besonders für die Entwicklung der Soft Skills ist die Musikerziehung von großer Bedeutung. Seit Beginn des Musikunterrichts war die Zahl der Kinder, die keine Positivwahl im Klassenverband erhielten („den Schüler mag ich“), in der Modellgruppe doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe.

Umgekehrt war auch der Anteil der Kinder, die Ablehnung von den Klassenkameraden erhielten („den Schüler mag ich nicht“), im allgemeinen in den Modellklassen nur halb wo groß wie in den Kontrollklassen.

—> Folgerung: durch „erweiterte“ Musikerziehung werden Gewalt und Aggressionen unter Kindern und Jugendlichen deutlich vermindert.

Intelligenz:

Bezüglich des Intelligenzquotienten verlief die Entwicklung beider Gruppen innerhalb der ersten vier Jahre mehr oder weniger parallel. Ab der fünften Klasse machten sich jedoch eklatante Unterschiede bemerkbar.

Der IQ-Mittelwert der Modellgruppen lag bei 111, der IQ-Mittelwert der Kontrollklassen lag bei 105.

–> Folgerung: Musik, Musizieren und Musikerziehung wirken sich positiv auf die Intelligenzentwicklung von Kindern aus.

Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Studie „Musik(erziehung) und ihre Wirkung“ finden Sie auf der Site des Instituts für Musikpädagogik in Frankfurt .