Insektengiftallergie – Symptome, Behandlung, Notfall

Insektengiftallergien sind verglichen mit Pollen- u. Hausstauballergien relativ selten. Sie stellen jedoch eine ernstzunehmende Gefahr dar,  weil der Stich eines einzelnen Insekts für sensibilisierte Patienten fatale Folgen haben kann.


Die früheste Überlieferung einer Insektenstichallergie mit tödlichem Ausgang ist durch die bildhafte Darstellung auf dem Sarkophag des ägyptischen Pharao Menes bezeugt und geht auf das Jahr 2800 v. Chr. zurück.
Die Dramatik der Darstellung vermittelt das grundlegende Entsetzen, das einen befällt, wenn man zur Kenntnis nehmen muss, dass so ein nichtiges Insekt ein Menschenleben auslöschen kann. – Aber, Insektengiftallergien mit tödlichen Folgen sind sehr selten und man kann auch hier vorbeugen.

Was ist im Notfall zu tun?

  • Bei Stichen im Bereich der Mundhöhle sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, da es zu schwerer Beeinträchtigung der Atmung kommen kann, Erstickungsgefahr besteht.
  • Entfernen Sie gegebenenfalls den Stachel mit dem Fingernagel oder einer Pinzette. Der in der Haut verbleibende Stachelapparat der Biene pumpt auch nach Ablösung von der Biene noch vorhandenes Gift aus dem Giftsack in die Wunde. Aus demselben Grund ist beim Entfernen des Stachels daruf zu achten, daß der Giftsack nicht gepreßt wird.
  • Desinfizieren Sie die Wunde.
  • Schwellungen kann man durch Kühlung, eine aufgeschnittene Zwiebel oder Essigumschläge vorbeugen bzw. mindern.
  • Bei stärkeren Lokalreaktionen sollten Antihistaminika eingenommen werden.
  • Von der Verabreichung von Antihistaminika in Gel- oder Salbenform wird aufgrund möglicher allergischer Reaktionen vielfach abgeraten
  • Verwenden sie das Notfallset, sofort nach Entfernen des Stachels, sofern Sie nicht durch eine abgeschlossene Hyposensibilisierung geschützt sind.
  • Wenn Sie eine Hyposensibilisierung abgeschlossen haben, sollten Sie das Notfallset nur bei eindeutigen Reaktionen zum Einsatz bringen.
  • Suchen Sie bei leichten und schwereren Allgemeinreaktionen umgehend einen Arzt auf.

Was ist eine Insektenallergie?

Jeder reagiert auf den Stich eines Insekts: es brennt, schwillt an, tut weh, es juckt, man kratzt, – das ist normal und wird ausgelöst durch das jeweilige Insektengift bei Stichen bzw. Speicheldrüsensekrete bei Insektenbissen.
Neben dieser normalen Lokalreaktion kann es aber auch zu schwereren Reaktionen an der Einstichstelle kommen, die Schwellung ist dann insgesamt größer und über mehrere Tage hinweg im Zunehmen begriffen. Bei solchen verstärkten Lokalreaktionen besteht  Verdacht auf eine Sensibilisierung gegen das Insektengift. Kommt es bei weiteren Stichen zu Allgemeinreaktionen (Übelkeit, Kopfschmerzen, Ausschlag) ist eine Insektengiftallergie anzunehmen. (vgl. auch Symptome)
Der allergischen Reaktion liegt hier, wie bei anderen Allergien eine Reaktion des Immunsystems zugrunde. Durch einen Stich wird der Körper zunächst sensibilisiert: körpereigene Abwehrzellen produzieren spezifische Immunglobulin E-Antikörper gegen bestimmte Eiweißsubstanzen (Allergene) im Insektengift. Diese Antikörper lagern sich an Mastzellen an, die u.a. mit Histamin gefüllt , „gemästet “ sind. Histamin ist die wichtigste Mittlersubstanz allergischer Reaktionen. Bei erneutem Stich führt der Kontakt der im Gift enthaltenen Allergene mit den IgE-Antikörpern zur Freisetzung des in den Mastzellen enthaltenen Histamin, wodurch allergische Reaktionen (Juckreiz, Atemnot, Übelkeit) bis hin zum anaphylaktischen Schock ausgelöst werden.
Im Gift der Bienen und Wespen selbst sind Histamin, Stoffe mit histaminähnlicher Wirkung und solche, die die Freisetzung des Histamin aus den Mastzellen zusätzlich fördern enthalten.
Von Insektengiftallergien sind schätzungsweise 0,4 – 4 % der Bevölkerung betroffen, bei Kindern liegt die Häufigkeit unter 1%.

Wer ist gefährdet?

Das Risiko einer Allergieentwicklung steigt mit der Häufigkeit der Stiche bzw. mit dem Maß, in dem man möglichen Stichen ausgesetzt ist.
Dementsprechend sind Menschen, die sich vermehrt im Freien aufhalten öfter betroffen: Kinder, Imker, Gärtner, Waldarbeiter, Bauern etc.
Das Risiko für Atopiker eine Insektengiftallergie zu entwickeln ist bei dieser Allergieform nicht wesentlich größer als für Nicht-Atopiker. Untersuchungen haben allerdings gezeigt, daß Atopiker eher asthmatisch reagieren und die allergische Reaktionen nach einer geringeren Anzahl von Stichen auftreten.

Wann besteht Verdacht auf eine Insektengiftallergie?

Kommt es infolge eines Insektenstiches zu schweren Lokal- oder Allgemeinreaktionen, liegt der Verdacht einer Insektengiftallergie nahe. Ein Allergietest sollte unbedingt durchgeführt werden. Das Risiko schwerer Reaktionen bei weiteren Stichen kann dadurch eingeschätzt und durch vorbeugende Maßnahmen reduziert werden. Vorraussetzung für den Allergietest ist eine gründliche Anamnese, in deren Verlauf folgende Fragen weitestgehend geklärt werden:

  • Wann wurde der Patient gestochen?
  • In welchen Körperteil?
  • Von welchem Insekt ?
  • Welche Symptome sind wann aufgetreten?

Bei Insektengiftallergien werden meist zwei Tests parallel durchgeführt: ein Hauttest und eine Blutuntersuchung.

Beim Intrakutantest wird verdünntes Bienen- und Wespengift in die Haut gespritzt; zum Vergleich der allergischen Reaktion wird gleichzeitig auch Histamin injiziert. Nach ca. 15 Minuten läßt sich der Grad der allergischen Reaktion ablesen.
Die Blutuntersuchung dient dem Nachweis spezifischer IgE-Antikörper, die gegen die im Insektengift enthaltenen Allergene gebildet werden. Zusätzlich wird auch die Menge der IgG-Antikörper geprüft, die einen möglichen Schutzfaktor gegen schwere allergische Reaktionen darstellen.

Welche Insekten lösen Allergien aus?

Als Auslöser von Insektengiftallergien sind vor allem Angehörige folgender Insektenfamilien von Bedeutung:

Apidae (Bienen), Vespidae (Wespen) und Myrmicidae (Ameisen). In den hiesigen Breitengraden kommen als Urheber von Allergien eigentlich nur Vertreter der Apiden (Honigbiene, Hummel) und Vespiden (Wespe, Hornisse) in Frage. Ameisen sind nahe Verwandte der Wespen und Bienen. Die bei uns lebenden Arten, bei denen sich der Stachelapparat zurückgebildet hat, sind in diesem Zusammenhang zu vernachlässigen. Als Allergieauslöser kommen stacheltragende Arten, die in Mittelamerika, USA und Australien beheimatet sind in betracht. Ihr Gift ist dem unserer einheimischen Wespen und Bienen ähnlich, daher kann es bei Stichen zu allergischen Kreuzreaktionen kommen. Bei Reisen in diese Regionen sollten entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.

Aufgrund der Seltenheit von Hummelstichen sind sie allergologisch gesehen von geringer Bedeutung. Allerdings ist das Gift der Hummel dem der Honigbiene sehr ähnlich, wodurch es auch hier zu Kreuzreaktionen kommen kann. Das gleiche gilt für Wespen- und Hornissengift. Die meisten Insektengiftallergien in Mitteleuropa werden durch die Honigbiene und Wespe verursacht, da sich diese eher im menschlichen Umfeld aufhalten. Bienen und Hummeln sind wenig aggressiv und setzen ihren Stachel ausschließlich zur Verteidigung ein. Wespen hingegen setzten ihren Stachel auch zum Beutefang ein. Da bei Bienen der gesamte Staat überwintert, kann es vom Frühjahr bis in den Spätsommer zu Bienenstichen kommen. Bei Vespen, Hornissen und Hummeln überwintert jeweils nur die Königin, daher treten diese Arten vermehrt erst im Sommer auf. Ein weiteres Kriterium um den Urheber des Stiches / der allergischen Reaktion auszumachen ist der Stachel. Der Stachel der Honigbiene ist mit zahlreichen Widerhaken ausgestattet, weshalb er nach erfolgtem Stich nebst angehängtem Giftsack in der Haut stecken bleibt. Der Stachel von Hummeln, Wespen und Hornissen ist mit weniger und kürzeren Widerhaken versehen, weshalb diese den Stachel wieder herausziehen können.

Die Stiche bzw. Bisse blutsaugender Insekten (Stechmücken, Flöhe, Wanzen, Bremsen, Läuse) sind lästig. Sie erfolgen zum Zweck der Nahrungsaufnahme nicht der Verteidigung. Aus medizinischer Sicht sind sie in erster Linie hinsichtlich der Übertragung von Krankheiten interessant. Die unangenehmen Lokalreaktionen können auch allergisch bedingt sein, vereinzelt kann es zu Allgemeinreaktionen kommen, anaphylaktische Allgemeinreaktionen sind eigentlich nur nach Stichen des amerikanischen „kissing bug“ bekannt.

Wie unterscheidet man allergische von nicht allergischen Reaktionen?

Im Zusammenhang mit Insektengift ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen Reaktionen die durch das Gift hervorgerufen werden und allergischen Reaktionen.
Der Stich einer Biene oder Wespe ist immer schmerzhaft. Die Einstichstelle schwillt unmittelbar nach dem Stich an, ist gerötet und tut weh.
Toxische Reaktionen in Form von Gewebeschäden in Haut, Muskulatur, Nieren und Leber treten erst nach einer Vielzahl von Stichen (50-100) auf; eine tödliche Dosis wird bei Erwachsenen erst durch mehrere hundert bis tausend Stiche verabreicht. Stiche im Kopfbereich sind stets gefährlicher, da das zarte Gewebe insbesondere im Mund und Rachenraum stärker anschwillt und zu erheblichen Einschränkung der Atmung bis hin zum Atemstillstand führen kann. Bei bestehender Sensibilisierung kann eine schwere allergische Allgemeinreaktion durch einen einzelnen Stich ausgelöst werden.

Folgende Reaktionen können durch Insektenstiche hervorgerufen werden. Anhand des Schweregrades der Reaktion läßt sich potentielle Gefährdung durch eine Insektengiftallergie ablesen:

Lokalreaktion
Die normale Hautreaktion auf einen Bienen oder Wespenstich besteht in einer Schwellung von 5-10 cm Durchmesser, die unmittelbar nach dem Einstich erfolgt und sich innerhalb von einem Tag wieder zurückbildet. Sie wird von Schmerz und Juckreiz begleitet.

Verstärkte Lokalreaktion
Eine verstärkte Lokalreaktion ist ein Hinweis auf eine bestehende Insektenallergie. Es zeigt sich eine Schwellung um die Einstichstelle, die im Durchmesser größer als 10 cm ist, mitunter ganze Körperteile erfaßt. Sie tritt innerhalb von Minuten bis Stunden nach dem Einstich auf und hält länger als ein Tag an. Ein Allergietest sollte durchgeführt werden. Bei erneuten Stichen muß mit allergischen Allgemeinreaktionen gerechnet werden.

Leichte Allgemeinreaktion
Die leichte Allgemeinreaktion zeichnet sich durch Nesselausschlag (Urticaria) am ganzen Körper, Gesichtsschwellung (Quincke-Ödem), Übelkeit, Kopfschmerzen aus. Ein Arzt sollte umgehend aufgesucht werden.

Schwere Allgemeinreaktion
Neben Ausschlag und Schwellungen kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, Schüttelfrost bis hin zum Kreislaufkollaps. Insbesondere für ältere Menschen mit Herz- Kreislaufschwächen kann dieser Zustand lebensbedrohlich sein.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ist es aufgrund von Insektenstichen bereits zu schwereren Allgemeinreaktionen (Atemnot, Kreislaufstörungen) gekommen, und / oder zeichnet sich eine Verstärkung der allergischen Symptome bei weiteren Stichen ab, sollte eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Diese Form der Behandlung hat sich insbesondere bei Insektengiftallergien als sehr wirkungsvoll erwiesen. Sie ist jedoch sehr aufwendig und oft mit unangenehmen Nebenwirkungen und Risiken (entsprechenden allergischen Reaktionen) verbunden. Nutzen und Risiken der Behandlung müssen daher gründlich gegeneinander abgewogen werden. Wenn das Risiko erneut gestochen zu werden bspw. berufsbedingt unvermeidbar hoch ist und schwere Allgemeinreaktionen zu befürchten sind, ist eine Hyposensibilisierung unumgänglich. Sie sollte nur von erfahrenen Ärzten und unter strenger medizinischer Kontrolle durchgeführt werden. Die Behandlung erstreckt sich meist über mehrere Jahre. Ist ein rascher Schutz erforderlich, kann man auch eine Schnellhyposensiblisierung durchführen, die stationär begonnen und dann ambulant fortgeführt wird.

Das allergieauslösende Insektengift wird in zunehmender Dosierung bis zur Menge von 100 Mikrogramm (entspricht etwa der durch zwei Bienenstiche verabreichten Menge) unter die Haut gespritzt. Der Grad der Sensibilisierung wird regelmäßig durch Hauttests und Blutuntersuchungen hinsichtlich der Menge der vorhandenen spezifischen Antikörper kontrolliert. Die Hyposensibilisierung ist erfolgreich und kann abgeschlossen werden, wenn diese Tests keine Hinweise mehr auf allergische Reaktionen erbringen. Am zuverlässigsten läßt sich die Wirksamkeit der durchgeführten Hyposensibilisierung durch einen Provokationstest bestimmen, bei dem der Patient einem Stich des allergieauslösenden Insekts ausgesetzt wird. Dieses Verfahren wird jedoch aufgrund der möglichen Gefahren und mit Rücksicht auf den Patienten vielfach abgelehnt. Der Patient muß hierzu eine schriftliche Einwilligung erteilen.

Kontrolluntersuchungen müssen auch nach Abschluß der Behandlung regelmäßig wiederholt werden.

Da das Risiko gestochen zu werden im allgemeinen und bei Beachtung gewisser Vorsichtsmaßnahmen relativ gering ist, wird bei Kindern nur selten eine Hyposensibilisierung angesetzt, da sich die Allergiebereitschaft im Kindesalter häufig innerhalb weniger Jahre von selbst wieder zurückbildet. Der Grad der Sensibilisierung muß aber regelmäßig im Frühjahr durch Allergietests kontrolliert werden.

Wird bei leichten oder schweren Allgemeinreaktionen von einer Hyposensibilisierung abgesehen, ist der Patient mit einem Notfallbesteck auszustatten, das vom Arzt verordnet wird. Es enthält neben schnell wirkenden Antihistaminika, Adrenalin-Spray oder -Sprizten, um schwere allergische Reaktionen zu mindern und Kreislaufschwächen aufzufangen. Der Patient muss sich durch den Arzt in Anwendung und Dosierung genau unterweisen lassen, damit sie im Notfallfall ohne Verzögerung erfolgen kann.

Wie kann man sich vor einer Insektenallergie schützen?

Ist eine Insektengiftallergie diagnostiziert, gilt es hier, wie bei anderen Allergien auch, den Allergieauslöser zu vermeiden, jeder weitere Stich erhöht das Risikio einer schweren Allgemeinreaktion:

  • Verzehren Sie keine Süßspeisen im Freien, trinken Sie nicht aus Coladosen u.dgl., verwenden Sie am besten einen Trinkhalm.
  • Nicht barfuß im Freien laufen, möglichst geschlossene Schuhe tragen.
  • Bei bekannten Allgemeinreaktionen wird vom behandelnden Arzt eine Notfallapotheke verordnet, tragen Sie diese während der warmen Jahreszeiten immer bei sich.
  • Keine allzu bunte Kleidung tragen, insbesondere gelb wirkt anziehend auf Bienen.
  • Süßduftende Parfüms u. Kosmetika ziehen Bienen und Wespen an und sollten vermieden werden.
  • Schützen Sie Ihre Wohnräume durch Gaze oder Fliegengitter an den Fenstern.
  • Tragen Sie beim Motorradfahren stets einen geschlossenen Helm und entsprechende Kleidung.
  • Verhalten Sie sich ruhig, wenn Sie von Bienen oder Wespen belästigt werden. Sie stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen und werden durch hastige, ruckartige Bewegungen gereizt. Entfernen Sie sich gegebenfalls ruhig und zügig aus dem Gefahrenbereich.