Das Wort Mobbing
Das Wort Mobbing kommt vom englischen "to mob" und bedeutet, dass Menschen über etwas herfallen oder sich auf etwas stürzen. Aber auch in Deutschland verwenden wir den Begriff bereits seit langer Zeit: ein Mob ist eine Horde von Menschen mit schlechtem Benehmen und kriminellem Verhalten, oft ist Gewalt im Spiel. Seit einigen Jahren wird das Wort "Mobbing" im Zusammenhang mit systematischem und gezieltem unkollegialem Verhalten, Intrigen und Schikanen unter Kollegen benutzt. Kennen tun das aber bereits viele Menschen, z.B. aus ihrer Kinderzeit und Schule. Denn in fast jeder Klasse werden ein oder zwei Schüler, die sogenannten Aussenseiter, von den anderen Kindern systematisch gemobbt. Auch im Internet hat das Mobbing Einzug gehalten, in vielen Chats, Foren oder Facebook ist Mobbing heute ein ernstes Problem. Manche Jugenliche werden sogar an den Rand oder in den Selbstmord getrieben.
Mobbing ist eine ernste Sache
An Brisanz zugenommen hat das Thema, nachdem immer bekannter wurde,
daß Menschen an ihren Arbeitsplätzen zum Teil so schikaniert
werden, daß sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Arbeit zu erledigen,
kündigen und krank werden. Durch die öffentliche Diskussion fanden
immer mehr Menschen Mut, über ihre Probleme am Arbeitsplatz zu sprechen
und so wurde das Thema populär. Die Aufklärung über Mobbing
und vor allem über die Möglichkeiten, die Mobbing-Opfer haben,
ist für die Betroffenen sehr hilfreich.
Typische Mobbing-Handlungen
Mobbing ist sehr vielfältig. Interessant ist dabei, daß
Frauen und Männer unterschiedlich mobben.
Weibliche Mobber tun z.B. folgendes:
-
Andere lächerlich machen
-
Hinter dem Rücken schlecht über andere reden
-
Permanente Kritik an der Arbeit des Anderen
-
Gerüchte verbreiten
-
Diffuse Andeutungen machen, ohne aber je konkret zu werden
Männliche Mobber gehen eher wie folgt vor:
-
Andere auflaufen lassen
-
Jemanden ignorieren und nicht mehr mit ihm sprechen
-
Drohungen und Druck
-
Angriffe auf persönliche oder religiöse Überzeugungen
-
Den anderen permanent unterbrechen
Einige Beispiele aus der Praxis
Klatsch und Tratsch - Frau Winter kommt wie gewohnt in die Firma.
Als Sie eine Gruppe Kollegen im Gang sieht, brechen diese ihre Gespräch
abrupt ab und sagen gar nichts mehr. Frau Winter geht in ihr Büro
und hört durch die geschlossene Tür einige Gesprächsfetzen.
"... ist wirklich unerhört..." und "... die Winter denkt wohl, sie
sei etwas besonderes..." und "Verhältnis mit Herrn Müller...".
Wo Menschen miteinander arbeiten, wird meistens viel geredet - über
alles und jeden. Natürlich ist nicht alles wahr und natürlich
sind Gerüchte das Allerschönste. Es ist nicht leicht, mit Klatsch
und Tratsch umzugehen - ob man nun selbst Zielscheibe ist, oder ob andere
einem die neuesten Gerüchte über Frau x und Herrn y mitteilen
wollen.
Wenn Faulsein schick ist - Herr Meier ist neu in der Abteilung.
Er ist hochmotiviert, sein Bestes zu geben, da er erfolgreich aufsteigen
will. So packt er ordentlich zu und läßt schon mal eine Pause
ausfallen. Seine Kolleginnen und Kollegen beobachten das mißbilligend.
Nach kurzer Zeit kommt Herr Frank auf ihn zu und sagt zu ihm "Sie sind
ja noch neu hier, deshalb gebe ich Ihnen einen guten Rat: Sie sollten nicht
zu übereifrig sein, das sieht hier keiner gern. Andere haben das auch
schon probiert, uns hier herumzuhetzen - die sind übrigens nicht mehr
da." In einigen Abteilungen gehört es beinahe zum guten Ton, faul
und demotiviert zu sein. Wer hier ernsthaft arbeitet oder mehr tut als
die anderen, gerät schnell in die Schußlinie und wird leicht
gemobbt.
Unfairer Kampf um einen bestimmten Posten - Frau Hertwig ist
für einen verantwortungsvollen Posten vorgesehen. Sie hat seit langem
darauf hingearbeitet und nun könnte sich ihr Wunsch zu erfüllen
- könnte, wenn da nicht einer ihrer Kollegen wäre, der es selbst
auf diesen Posten abgesehen hat. Er beginnt damit, Gerüchte über
Frau Hertwig in die Welt zu setzen, zieht andere Kollegen auf seine Seite
und hält wichtige Informationen von ihr fern. Wenn es darum geht,
einen besseren Posten zu bekommen, spielen manche Menschen mit unfairen
Mitteln. Sei es, daß sie sich schlechtere Chancen ausmalen oder sei
es, daß sie es einfach gewohnt sind, unsaubere Taktiken anzuwenden.
Das wirklich Unangenehme ist, daß Sie es selbst nicht einmal merken
müssen, daß da jemand hinter Ihren Rücken Ihre Karriere
sabotiert. Sie merken dann vielleicht nur, daß Erfolge ausbleiben
und wissen gar nicht warum.
Es gibt fünf verschiedene Mobbing-Kategorien
Der Forscher Heinz Leymann hat sich intensiv mit dem Mobbing-Problem
befaßt und insgesamt 45 verschiedene Mobbing-Handlungen unterschieden.
Diese lassen sich in die fünf folgenden Kategorien einteilen:
-
Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen, z.B. durch ständige
Kritik oder Beschimpfungen, lächerlich machen o.ä.
-
Angriffe auf die sozialen Beziehungen, z.B. durch Nichtbeachtung, "schneiden"
oder Ignoranz.
-
Angriffe auf das soziale Ansehen, durch Klatsch und Tratsch, falsche Gerüchte
und Beleidigungen.
-
Angriffe auf die Qualität der Arbeit, z.B. durch Informationszurückhaltung
oder dadurch, daß Aufgaben zugeteilt werden, die von der Person nicht
zu bewältigen sind.
-
Angriffe auf die Gesundheit, worunter z.B. auch Gewaltandrohungen oder
sexuelle Belästigungen zu zählen sind.
Die Punkte 1 und 2 zehren an Ihrer Motivation, an Ihren Nerven und Kräften
und können sich so negativ auf Ihre Karriere auswirken. Außerdem
demonstrieren Sie Ihren Kollegen und Vorgesetzten dadurch, daß Sie
das mit sich machen lassen, fehlendes Durchsetzungsvermögen und die
Unfähigkeit, angemessene Grenzen zu setzen. Noch schlimmer sind die
Punkte 3 und 4, denn wenn Sie auf dieser Ebene angegriffen werden, können
Sie nicht direkt reagieren, sondern erfahren es meist erst hinterher, daß
Sie sabotiert wurden, oder daß jemand über Sie Gerüchte
in Umlauf gebracht hat. Mobbing-Aktionen aus der fünften Kategorie
sind oft sogar Handlungen, die strafrechtlich verfolgt werden können
und sollten.
Warum wird gemobbt?
Gemobbt wird aus den verschiedensten Gründen - Frustration, Langeweile,
Druck, Mißgunst, Besitzstandswahrung, Intoleranz, Angst um den Arbeitsplatz
u.ä. In der Regel stimmt in Unternehmen, in denen gemobbt wird, etwas
grundsätzlich mit dem Betriebsklima nicht. So herrscht in solchen
Unternehmen möglicherweise ein harter Konkurrenzkampf und kollegiales
Verhalten geht in Anonymität oder Angst unter. Oder die Führungsverantwortlichen
versäumen es, sich um die Belange und Probleme ihrer Angestellten
zu kümmern und betreiben eine systematische Vogel-Strauß-Politik.
In diesem Fall sind Sie als Mitarbeiter oder Mitarbeiterin dann auch noch
auf sich allein gestellt.
Die Folgen des Mobbings
Durch Mobbing wird für viele Opfer eine teuflische Spirale in
Gang gesetzt: Zunächst kommt es durch das Mobbing zu Leistungsminderung,
die Motivation läßt nach und die Konzentrationsfähigkeit
sinkt. Bald kann der Betroffene deswegen seine Arbeit nicht mehr in ausreichender
Qualität erledigen, was zu neuem Druck und Ängsten führt.
Bei vielen kommt es dann im nächsten Schritt schnell zu psychischen
und physischen Erkrankungen, die im schlimmsten Fall zur Arbeitsunfähigkeit,
ja sogar zum Selbstmord führen können.
Bin ich gefährdet?
Obwohl es natürlich nicht angemessen ist, Mobbing-Opfer per se
über einen gemeinsamen Kamm zu scheren, so teilen sie doch gewisse
Gemeinsamkeiten. Oft werden Menschen gemobbt, die irgendwelche Auffälligkeiten
haben - z.B. ein ungewöhnliches Äußeres, eine auffallende
Art, sich zu kleiden oder zu sprechen, Behinderungen etc. Offenbar haben
eine ganze Reihe von Menschen das Bedürfnis, sich von jedem, der auf
irgendeine Art "anders" ist, abzugrenzen.
Viel entscheidender ist aber die sogenannte Opfer-Mentalität. Wenn
wir zu den Menschen gehören, die Schwierigkeiten haben, eigenverantwortlich
zu handeln, uns durchzusetzen, Grenzen zu setzen und für uns selbst
einzustehen, dann strahlen wir das unbewußt durch unsere Sprache
und Körpersprache aus. Menschen mit dieser Ausstrahlung sind die bevorzugten
Opfer der Mobber.
Im folgenden Artikel erfahren Sie, was Sie tun können, damit das
Mobbing nicht Ihre Karriere gefährdet und wo Hilfe zu bekommen ist.