Vorsicht bei moderner Wegelagerei & Abzocke

Der Begriff der Wegelagerei ist eigentlich längst veraltet. In früheren Zeiten wurde darunter das Treiben von Räubern und Banditen gefasst, die sich am Straßenrand oder an Waldwegen niederließen, um Vorbeireisende auszurauben. In unserer heutigen Zeit scheint der Begriff also eigentlich keine Daseinsberechtigung mehr zu haben, und doch will er nicht aussterben. Moderne Wegelagerei ist keinesfalls nur ein Mythos. Sie hat viele Gesichter und kann vor allem arglosen Menschen noch immer ein hohes Lehrgeld abverlangen.

Wegelagerer nutzen die Not ihrer Mitmenschen gezielt aus

Die moderne Form der Wegelagerei ist weniger ein direkter Diebstahl als eine unverschämte Form der Abzocke, bei der Trickbetrüger die Not ihrer Mitmenschen erkennen und gezielt ausnutzen. Ob es sich dabei um Zeitnot, Geldnot oder Beschaffungsnot handelt, ist grundsätzlich egal. Das Ziel ist immer dasselbe: Arglose Menschen sollen dazu verleitet werden, ihr Geld zu vollkommen überzogenen Konditionen einer Person zu überlassen, die nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist.

Ein klassisches Beispiel sind die schon sprichwörtlich gewordenen Kredithaie. Sie sind zur Stelle, wenn Menschen in akuter Geldnot sind und von einem seriösen Anbieter wie zum Beispiel von einem Kreditinstitut kein Darlehen bekommen. In diese Lücke springt der Kredithai nur allzu gerne. Die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel sind allerdings mit horrenden Zinsen verknüpft, die den Kreditgeber bereichern und den Kreditnehmer erneut in Geldnot bringen können. Häufig locken derart unseriöse Anbieter mit einem Darlehen, das ohne Schufa-Auskunft gewährt wird. Nicht immer steckt hinter einem Kreditangebot ohne Schufa-Anfrage ein Kredithai, allerdings sollten entsprechende Angebote besonders kritisch geprüft werden.

Auch mit Kfz-Kennzeichen wird häufig ein Reibach gemacht, der als Wegelagerei bezeichnet werden könnte. Wer sein Kraftfahrzeug besonders schnell zulassen muss, zahlt oft zu viel, weil die Zeit drängt. Besonders hoch ist die Gefahr der Abzocke bei Anbietern, die direkt an die Kfz-Zulassungsstelle angegliedert sind. Sie machen sich die Bequemlichkeit und den Zeitdruck der Fahrzeughalter zunutze, um teilweise gesalzene Preise zu verlangen. Dass es sich hierbei um nichts anderes als eine  moderne Form der Wegelagerei handelt, lässt sich rasch herausfinden. Ein Blick ins Internet genügt nämlich, um festzustellen, dass es Kfz-Kennzeichen meist auch schon viel günstiger beim Online-Anbieter gibt. Vor allem die Zusatzgebühr, die häufig auf die Vergabe von Wunschkennzeichen erhoben wird, steht vielfach in der Kritik. Einen Grund für die zusätzlichen Kosten gibt es nicht, handelt es sich doch bei Wunschkennzeichen lediglich um eine Auswahl des Fahrzeughalters, nicht um eine Sonderzulassung.

Die Problematik ist bekannt, allerdings gibt es kaum eine Handhabe dagegen. Meistens werden die Nummernschilder von privaten Anbietern zur Verfügung gestellt, die nichts mit der zuständigen Kommune zu tun haben. Diese wiederum hat auf die private Wirtschaft wenig Einfluss, auch wenn sich ein Ladenlokal sogar direkt innerhalb ihrer eigenen Räumlichkeiten befindet. So zahlen Fahrzeughalter schon mal weit über 50 Euro für ihr Wunschkennzeichen, das sie gleich vor Ort fertigen lassen können. Unzumutbar, wie der Automobilclub von Deutschland (AvD) befindet. Die Materialkosten für ein Kfz-Kennzeichen belaufen sich auf weit unter 5 Euro. Die Preise, die dem Kunden dafür abverlangt werden, stehen also in keinem Verhältnis zur Leistung.

Wegelagerei am Telefon und im Internet wird immer beliebter

Inzwischen ist die moderne Wegelagerei von der Straße in die heimischen vier Wände vorgedrungen. Am Telefon und über das Internet werden Betrüger heute auf besonders dreiste Art und Weise aktiv. Vor allem ältere Menschen werden häufig zu Opfern moderner Trickbetrüger. Am Telefon geben sie sich als ein entfernter Verwandter aus, der dringend finanzielle Hilfe benötigt. Beliebt sind auch Anrufe vermeintlicher Behörden, die zur Abwendung einer drohenden Strafe die Zahlung einer Mahngebühr verlangen. Meist soll das Geld auf ein Konto im Ausland überwiesen werden, von wo es nur sehr schwer wieder zurückzufordern ist.

In Internet bedienen sich Betrüger vor allem so genannter Malware, die den heimischen Computer anzapft und sich zum Beispiel der Kontodaten des Nutzers bemächtigt. Immer häufiger kommt es vor, dass sich solche Schadsoftware an das Online-Banking anheftet und darüber getätigte Überweisungen manipuliert. So werden teilweise horrende Summen auf andere Konten umgeleitet. Ausführliche Informationen zum Thema hat das Online-Magazin PC-Welt zusammengestellt.

Für Verbraucher bedeutet dies erhöhte Wachsamkeit. Verbraucherschutzstellen raten grundsätzlich davon ab, Geschäfte am Telefon zu tätigen. Den meisten Unternehmen ist es ohnehin untersagt, per Telefon verkäuferisch tätig zu werden. Wer sich für ein Angebot interessiert, tut gut daran, sich alle Unterlagen schriftlich zusenden zu lassen. So lassen sich Konditionen jederzeit auf Herz und Nieren prüfen und im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung hat der Kunde etwas Konkretes in der Hand. Wer per E-Mail oder am Telefon mit einem gerichtlichen Verfahren bedroht wird, sollte zunächst ruhig Blut bewahren. Betrüger drohen gerne mit Anwälten, um arglose Verbraucher unter Druck zu setzen. In der Regel ist hier mit keinerlei Konsequenzen zu rechnen, denn ein Gerichtsverfahren würde voraussetzen, dass Betrüger tatsächlich in Erscheinung treten. Keinesfalls sollten Mahngebühren, die per E-Mail oder Telefon ins Haus schneien, einfach bezahlt werden. Besser ist es, ausführliche Unterlagen zu dem vermeintlichen Vorgang anzufordern und diese, sofern sie überhaupt jemals eintreffen sollten, einer Beratungsstelle für Verbraucherschutz oder einem Anwalt vorzulegen. Geeignete Anlaufstellen für eine Beratung sowie aktuelle Berichte über Betrug am Telefon und im Internet finden Verbraucher unter https://verbraucherschutz.de/.

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