Welche Versicherungen sind wirklich sinnvoll und wieso?

Der Versicherungsbedarf ist nicht in der jeder Lebensphase gleich, je nach Alter, beruflicher Situation und Familienstand ändern sich die Ansprüche. Es spielen aber auch weichere Faktoren wie etwa die eigenen Hobbys, der Gesundheitszustand, Autobesitz und ähnliches eine Rolle. Aus der Vielzahl an Versicherungen ist entsprechend nicht zu jeder Zeit jede gleich sinnvoll für den eigenen Bedarf. Im Wesentlichen ist eine Versicherung zweckmäßig, wenn sie existenzbedrohende Schäden abdeckt und das Risiko für einen solchen Schaden relativ hoch ist.

Es ist nicht leicht, aus der Vielzahl an Versicherungsangeboten die für sich sinnvollen herauszusuchen.

Es ist nicht leicht, aus der Vielzahl an Versicherungsangeboten die für sich sinnvollen herauszusuchen.

Einen ersten Überblick über die notwendigen Versicherungen je nach Personenstand gibt es hier. In dieser Bedarfsanalyse werden in erster Linie Eckdaten erfragt wie das Alter und die Familiensituation. Darüber hinaus wird aber auch Aufschluss darüber gegeben, welche Versicherungen zu den jeweiligen Zeitpunkten schon vorhanden sein sollten. Eine Auflistung informiert dann darüber, mit welchen Versicherungen der aktuelle Versicherungsschutz noch ergänzt werden kann.

Ein großer Teil der Deutschen ist für die eigene Lebenssituation nicht passend versichert, hat entweder zu viele oder zu wenige Policen für die jeweiligen Bereiche. Häufig sind bestimmte Verträge auch unnötig, weil der Schadensfall bereits anderweitig abgedeckt wird. Hier gilt es, genau hinzusehen und die eigenen Versicherungen genau zu kennen. Eine Reisegepäckversicherung etwa ist in vielen Fällen gar nicht notwendig, wenn eine Hausratversicherung vorhanden ist, weil das Gepäck als Hausrat gewertet wird und entsprechend abgesichert ist.

Laut einer Umfrage der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse entschieden sich im Jahr 2014 die meisten privaten Haushalte für eine Hausratversicherung und eine private Haftpflichtversicherung. Für eine private Pflegeversicherung entschieden sich dagegen nur 13 Prozent der Befragten und auch eine private Rentenversicherung haben nur knapp 25 Prozent in Anspruch genommen.

Umfrage Versicherungsschutz private Haushalte

Siehe: IfD Allensbach © statista.com

Haftpflichtversicherungen und Hausratversicherungen

Unabhängig von der eigenen Lebenssituation sollte grundsätzlich eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Für Fahrzeuge ist eine entsprechende Haftpflichtversicherung meist sogar unumgänglich, denn in Deutschland herrscht die Schadenersatzpflicht, die in § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches geregelt ist (siehe dejure.org). Diese kommt dann zum Tragen, wenn ein Verkehrsunfall verursacht worden ist, sowohl bei Personen- als auch bei Sachschaden. Schäden an Fremdeigentum werden häufig sehr schnell sehr kostspielig, etwa wenn ein Wasserschaden durch die eigene Spülmaschine die Mietpartei in der Wohnung darunter betrifft. Insbesondere bei Personenschäden können auch langfristige Entschädigungsfälle entstehen, wenn etwa jemand durch einen Verkehrsunfall künftig auf einen Rollstuhl angewiesen ist oder seinem Beruf nicht mehr nachgehen kann. Nicht alle Schäden werden durch die private Haftpflichtversicherung abgedeckt; für spezielle Risiken müssen separate Zusatzversicherungen abgeschlossen werden, wie beispielsweise eine Bauherrenhaftpflicht, die dann greift, wenn jemand auf der Baustelle des eigenen Hauses zu Schaden kommt.

Um das eigene Fahrzeug abzusichern besteht zudem die Möglichkeit, neben der Haftpflichtversicherung noch eine Voll- oder Teilkaskoversicherung abzuschließen. Eine Teilkaskoversicherung ersetzt Schäden am eigenen Fahrzeug, die beispielsweise durch Elementarschäden wie Sturm, Überschwemmung oder Brand zustande kommen oder durch Wildunfälle. Auch bei Diebstahl greift sie in aller Regel. Eine Vollkaskoversicherung sichert das Fahrzeug zusätzlich gegen Schäden aus Eigenverschulden ab, bei Unfällen mit Fahrerflucht oder bei Vandalismus. Eine solche Versicherung lohnt sich in der Regel aber nur bei Neuwagen. Bei älteren Fahrzeugen ist eine Teilkaskoversicherung in der Regel ausreichend.

Sturmschäden Versicherung

Sturmschäden können schnell hohe Kosten am Haus verursachen.

Immobilienbesitzer sollten eine Gebäudeversicherung abschließen, mit der das Haus gegen Schäden abgesichert ist, beispielsweise durch Brand, Überschwemmung oder austretendes Leitungswasser. Bei derartigen Schäden kommen ansonsten schnell Kosten durch Entsorgung von Trümmern und Sanierung auf die Besitzer zu, die so ad hoc nicht zu bewältigen sind. Verbraucher sollten hier aber sehr genau die Konditionen prüfen und gegebenenfalls Zusatzpolicen abschließen. Wasserschäden unterscheiden sich beispielsweise darin, ob sie verursacht wurden durch Überschwemmung, steigendes Grundwasser oder Leitungswasser. Nicht alle Fälle sind gleichermaßen abgesichert.

Für Tierhalter empfiehlt sich außerdem eine Tierhalterhaftpflichtversicherung, denn für Schäden, die beispielsweise der eigene Hund oder das eigene Pferd verursachen, haftet der Besitzer in unbegrenzter Höhe. Schäden von Kleintieren oder Katzen deckt in der Regel die private Haftpflichtversicherung mit ab. Wenn ein Hund dagegen eine Person verletzt, beim Toben einen Sachschaden verursacht oder ein entflohenes Pferd in einen Verkehrsunfall verwickelt wird, ist eine entsprechende Versicherung sinnvoll, denn die entstandenen Schäden können schnell den eigenen finanziellen Rahmen sprengen. Eine Krankenversicherung für Tiere dagegen ist nicht immer sinnvoll, denn einige Versicherungen haben beispielsweise eine festgelegte Höchstgrenze pro Behandlung oder pro Jahr, sodass gerade bei sehr kostspieligen Behandlungen die Unterstützung durch die Versicherung sich im Rahmen hält. Hier kann es durchaus sinnvoller sein, stattdessen monatlich einen festen Betrag für den Notfall zurückzulegen.

Abhängig von der eigenen Wohnsituation haben Verbraucher andere Ansprüche an den damit zusammenhängenden Versicherungsschutz. Eine Hausratversicherung deckt Verlust und Beschädigungen am eigenen Inventar ab, beispielsweise durch Diebstahl, aber auch durch Sturmschäden oder Leitungswasser. Entsprechende Zusatzversicherungen sollten abhängig vom gewählten Vertrag aber unbedingt genau überprüft werden, um eine unnötige Doppelung zu vermeiden.

Das Risiko richtig einschätzen

Viele Zusatzversicherungen sind nur bedingt sinnvoll, denn Schäden wie beispielsweise bei einem Glasbruch lassen sich in der Regel ohne Abdeckung durch eine Versicherung selbst bezahlen. Verbraucher sollten also stets ihre eigene Situation reflektieren und sich klarmachen, welche Risiken wirklich bestehen, und ob für einen eventuellen Ausgleich eine Versicherung unbedingt notwendig ist.

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland Pflicht; sie übernimmt Kosten nach Unfällen oder bei Krankheit. Die Konditionen unterscheiden sich je nach gesetzlicher und privater Versicherung. Wer über ein Angestelltenverhältnis gesetzlich versichert ist, hat zudem noch die Option auf private Zusatzversicherungen. Diese sind in der Regel eigentlich nicht notwendig, können aber, wenn gewünscht, Extras bieten wie etwa die Behandlung durch den Chefarzt oder bei einem Krankenhausaufenthalt die Unterbringung in einem Ein-Bett-Zimmer. Gerade bei Zahnzusatzversicherungen unterscheiden sich die Leistungen stark je nach Anbieter und häufig müssen Verbraucher dennoch einen relativ hohen Eigenanteil leisten.

Wer im Ausland Urlaub machen möchte, sollte sich vorher unbedingt darüber informieren, welche Leistungen die eigene Krankenkasse abdeckt und gegebenenfalls eine gesonderte Reisekrankenversicherung abschließen. Durch ein EU-Abkommen ist zwar geregelt, dass Versicherte im jeweiligen Land die gleiche Behandlung erwarten dürfen wie Einheimische, allerdings hapert es in der Realität häufig an der Umsetzung. Eine Reisekrankenversicherung übernimmt in der Regel auch den Rücktransport ins Heimatland falls notwendig.

Insbesondere wer Risikosportarten zu seinen Hobbys zählt sollte sich entsprechend absichern.

Insbesondere wer Risikosportarten zu seinen Hobbys zählt sollte sich entsprechend absichern.

Eine gesetzliche Unfallversicherung sichert Angestellte bei Unfällen über den Arbeitgeber ab, greift aber nur bei Unfällen in Zusammenhang mit der Arbeit. Eine private Unfallversicherung macht vor allem dann Sinn, wenn auch in der Freizeit ein verhältnismäßig hohes Verletzungsrisiko besteht, beispielsweise durch das Ausüben einer Extremsportart. Wichtig ist, dass die Invaliditätsleistungen entsprechend hoch sind, denn bei unfallbedingten Einschränkungen können langfristig hohe Kosten entstehen, etwa weil die Wohnung barrierefrei umgebaut werden muss oder eine Haushaltshilfe notwendig wird. Die Leistungen sollten hier am besten schon relativ früh greifen und nicht erst bei einer Invalidität von 50 Prozent. Bei Risikosportarten sind allerdings nicht alle Versicherungen gewillt, einen entsprechenden Vertrag abzuschließen. Eine Unfallversicherung kann aber nicht nur bei Extremsportlern sinnvoll sein, sondern auch beispielsweise im Reitsport oder für Skifahrer, die ein durchschnittlich höheres Verletzungsrisiko haben.

Berufseinsteiger sollten zudem über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken, diese sind bei einem jungen Einstiegsalter meist noch mit günstigen Konditionen zu bekommen. Mit steigendem Alter werden die Beiträge schnell höher, insbesondere wenn schon Vorerkrankungen vorliegen wie etwa ein Bandscheibenvorfall.

Wer mit seinem Einkommen wirtschaftlich für andere verantwortlich ist, sollte den Abschluss einer Risiko-Lebensversicherung in Erwägung ziehen. Diese schüttet im Todesfall des Versicherten eine einmalige Summe aus, mit der Angehörige vorläufig versorgt sind. Besonders für Alleinverdiener mit Kindern schafft der Abschluss einer solchen Versicherung Sicherheit.

 

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