Kreativität – was ist das eigentlich?


Etwas geheimnisvoll Mystisches? Ekstatische Selbstverwirklichung? Nur etwas für Genies und Exzentriker? Oder eine Fähigkeit, die erlernbar ist und mit der Sie mehr im Leben erreichen können?

Kreativität ist überall, und jeder Mensch kann kreativ sein. Kreative Menschen sind offener, erfolgreicher, anerkannter und glücklicher. Wie kreativ Sie sind, hängt von Ihrer Einstellung ab, wie offen Sie auf andere Menschen zugehen, wie flexibel Sie neuen Situationen gegenüberstehen oder ob Sie bereit sind, bestimmte Risiken einzugehen.

Wir wollen Ihnen zeigen, wie Sie noch kreativer sein können und beschreiben Ihnen einige Techniken, mit denen Sie Ihr schöpferisches Potential vergrößern können.

Praktische Kreativität

Lateinisch-französisch: das Schöpferische, Schöpfungskraft.

Man unterscheidet die praktische und die künstlerische Kreativität.

Die praktische Kreativität zeichnet sich aus durch ungewöhnliche Lösungswege kniffliger Probleme im Alltag; die künstlerische Kreativität findet sich in außergewöhnlichen Bildern, Musikstücken oder Design.

„Genies verbinden Ehrgeiz, Genialität, Talent und Glück.“

Klaus Kolb/Frank Miltner

Jede Mutter, jeder Vater, der ein Kind großzieht, ist kreativ, ebenso wie die Frau, die das Sekretariat organisiert oder der Mann, der im Fußballverein für die Werbung sorgt. Jeder ist im Alltag kreativ. Kreativität hat viele Gesichter, und jeder Mensch hat seine eigene Definition vom Schöpferischen.

Sollten Sie allerdings denken, nicht kreativ zu sein, ist das erstens nicht richtig und zweitens änderbar. Denn durch viele Übungen kann jede und jeder seine Schöpfungskraft verbessern.

Kreatives Potential

Über kreatives Potential, d.h. die Möglichkeit, schöpferisch zu handeln, verfügt jede Person. Kreativität ist lernbar, und wir wollen Sie bei diesem Lernprozeß unterstützen.

Beginnen wir mit dem, was am Ende eines kreativen Prozesses steht: das kreative Produkt. Egal, um was es sich handelt, jedes kreative Produkt erfüllt drei Kriterien:

  • ist es neu und anders als das Gewohnte.
  • Ist es überraschend
  • Ist es von Bedeutung, d.h. es wird von anderen anerkannt.

Um dorthin zu kommen, schauen wir uns den kreativen Prozess genauer an:

Am Anfang steht das Problem, d.h. ein (oft unbewußter) Wunsch, etwas bewegen zu wollen. Bewußtes Nachdenken hilft kaum weiter, man stellt fest, daß man noch einiges lernen muß, um das Problem lösen zu können. Sammeln Sie alles, was Sie zu diesem Thema wissen, versuchen Sie, alle Fragen zu beantworten. Diese Phase kann relativ lange dauern, weil man immer wieder aufgeben möchte, da man sich über sein Ziel noch nicht richtig klar ist.

In der Reifephase beginnt man, im Geiste ein Bild vom Problem zu zeichnen. Die Informationen, die der Verstand aufgenommen hat, werden auf der unbewußten Ebene neu zusammengesetzt. Versuchen Sie, mit sich selbst geduldig zu sein – Sie werden zu einer Lösung kommen.

Und dann, beim Einschlafen, auf dem Nachhauseweg, im Theater kommt der Geistesblitz – Sie wissen auf einmal, was die Lösung Ihres Problems ist; aus den verwirrenden Einzelteilen ist ein Ganzes geworden. Schreiben Sie Ihren Einfall auf.

In der vierten und letzten Phase, die eigentlich eine reine Pflichtübung ist, geht es darum, aus dem Problem und der gedachten Lösung eine Tat zu machen. Selbstkritisch muß die Idee überprüft, geändert und umgesetzt werden.

Sie können Ihren Kreativitätsprozeß unterstützen: Lesen Sie viel, sehen Sie sich Bilder, Gemälde, Ausstellungen an, reden Sie viel mit anderen Leuten zu unterschiedlichen Themen. Seien Sie interessiert an allem, was Ihnen begegnet. Seien Sie offen gegenüber neuen Ideen, ohne sie gleich bewerten zu wollen.

Versuchen Sie, Ihre Arbeit inhaltlich sehr vielfältig zu gestalten, nutzen Sie jede Möglichkeit, etwas Neues zu lernen. Überlegen Sie, ob Sie Konflikte nicht durch Flexibilität und Offenheit lösen können.

Lernen Sie aber auch, allein zu sein und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Lassen Sie sich nicht immer ablenken.

Kreative Denktechniken

Egal, welches Problem Sie kreativ lösen wollen, nehmen Sie sich Zeit, über das Problem nachzudenken. Sie können verschiedene Denktechniken einsetzen, um eine Lösung zu finden.

Beim divergenten Denken versuchen Sie in viele Richtungen zu denken, d.h. das Problem von verschiedenen Seiten zu betrachten. Versuchen Sie, auch ungewöhnliche Antworten auf Ihre Frage zuzulassen und denken Sie dran: „Der Kopf ist rund, damit das denken die Richtung ändern kann.“

Konvergent zu denken, bedeutet, aus all Ihrem vorhandenen Wissen auf die eine Lösung zu kommen, die diesem Problem angemessen ist. Die Antwort auf Ihr Problem ist eine rein logische.

Auch das systematische Nachdenken können Sie lernen. Damit ist gemeint, daß Sie nicht einfach „vor sich hindenken“, sondern sich konzentriert und fokussiert über die Lösung eines Problems Gedanken machen. Dabei sollten Sie neugierig und spielerisch sein und sich nicht unter Druck setzen. Stellen Sie sich vor, auf Entdeckungsreise zu sein und dabei die Lösung Ihres Problems zu finden.

Schreiben Sie Ihre Gedanken auf, denn durch das schriftliche festhalten bekommen Ihre Ideen eine Kontur. Einmal aufgeschrieben, werden Sie Ihre Gedanken nicht mehr vergessen. Auch wenn es Ihnen am Anfang komisch erscheinen mag, wann immer Ihnen etwas zur Problemlösung einfällt, notieren Sie es. Dabei geht es nicht um sprachlich brillante Formulierungen oder druckreife Aussagen; es geht nur darum, Ihre Ideen strukturiert festzuhalten.


Kreativität – Denkblockaden überwinden

Sie wollen kreativ sein und neue Problemlösungen finden. Sie sind bereit für neue Ideen. Sie haben Lust, etwas in Ihrem Leben zu verändern. Doch Ihr Kopf ist leer, und Ihnen fällt überhaupt nichts ein.


Das kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder, gibt es doch über 80 Denkblockaden, die uns daran hindern, unserem Denken freien Lauf zu lassen. Wir wollen Ihnen hier nur die wichtigsten nennen:

„ich kann ja doch nichts ändern“

Probieren Sie es und Sie werden sehen, daß es möglich ist.

„Ich habe keine Zeit, um kreativ zu sein“.

Haben Sie wirklich keine Zeit oder sind es eher Bequemlichkeit und Routine, die Sie hemmen?

„Warum was ändern? Es läuft doch gut so, wie es ist.“

Ihr Wunsch nach Altbewährtem ist größer als Ihr Bedürfnis, etwas zu ändern.

„Wann sollen denn die anderen von mir denken?“

Lassen Sie Ihre Arbeitskollegen und Nachbarn doch denken, was sie wollen. Passen Sie sich nicht immer Ihrer Umwelt an.

„Ich traue mich nicht.“

Sie hängen an dem Vertrauten, an dem, was Sie immer gemacht haben. Wenn Sie sich auf etwas Neues einlassen, können Sie viel Neues lernen und erleben.

„Phantasie und Kreativität ist was für Kinder.“

Sehen Sie, wie offen Kinder für neue und andere Dinge sind, wie schnell und leicht sie lernen und aufnehmen können. Wäre das kein Vorbild?
„Meine Idee ist doch gut so.“

Bestimmt, doch wenn Sie noch ein bißchen Ihre Phantasie spielen lassen, könnte sie noch besser werden. Nehmen Sie nicht immer das erste, forschen Sie weiter.

„Ich kann das sowieso nicht.“

Wer sagt das? Glauben Sie an sich! Und das ,was Sie nicht können, das können Sie lernen.

„Das schaff ich nie!“

Sie haben sich ein hohes Ziel gesetzt, das so einfach wirklich nicht zu erreichen ist. Teilen Sie Ihr Ziel in kleinere Teilziele auf. So klein, daß Sie heute noch den ersten Schritt tun können. Beginnen Sie mit dem Einfachen und gehen Sie dann zum Außergewöhnlichen.

Sie sehen, Denkblockaden können viele Gründe haben. Sie können ihnen vorbeugen, indem Sie versuchen, sich in kreative Stimmung zu versetzen. 

Atmosphäre

Sorgen Sie für eine Umgebung, die Ihnen gefällt. Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz nach Ihren Vorstellungen. Benutzen Sie Ihre Lieblingsfarben, hören Sie, wann immer möglich, Ihre Lieblingsmusik. Indem Sie für eine gute Atmosphäre sorgen, öffnen Sie sich für neue Eindrücke.
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Bewegung

Dabei hilft schon Bewegung, machen Sie aus Stand-Punkten Geh-Punkte, verändern Sie Ihre Sichtweise.
Machen Sie sich Ihre Verhaltens- und Denkmuster bewußt und versuchen Sie, bewußt anders zu handeln.
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Sinne

Setzen Sie all Ihre Sinne ein. Jeder Mensch hat unterschiedliche Vorlieben und nimmt Dinge anders auf als seine Nachbarin, denn jeder Mensch bevorzugt bestimmte Sinne. Was für Sinnestyp sind Sie? Stellen Sie sich vor, Sie seien im Zug. Hören Sie? Sehen Sie? Riechen Sie? Fühlen Sie? Schmecken Sie? Mit welchem Sinn reagieren Sie auf einen Marktbesuch? Oder Kino?

Menschen, die Informationen vorwiegend mit den Augen aufnehmen, bezeichnet man als visuell Orientierte; diejenigen, die mit den Ohren aufnehmen , haben eine auditive Orientierung; noch andere müssen etwas berühren, sie sind taktil orientiert; bei jenen, die ihren Geruchssinn sehr ausgeprägt haben, spricht man olfaktorischer Orientierung, und die Gruppe, für die der Geschmackssinn eine große Rolle bei der Informationsaufnahme spielt, nennt man gustatorisch orientierte Menschen.

Fördern Sie Ihre weniger ausgeprägten Sinne, indem Sie sich bewußt darauf konzentrieren. Lassen Sie sich Ihr nächstes Essen bewußt auf der Zunge zergehen und achten Sie auf Ihre Eindrücke; versuchen Sie, mit geschlossenen Augen, bestimmte Dinge zu ertasten; schauen Sie sich einen Gegenstand ganz konzentriert an und schreiben Sie anschließend das auf, was Sie sich gemerkt haben.
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Humor

Kreativität und Humor haben viel miteinander zu tun. Kreative und humorvolle Menschen sind in der Lage, abseits der gewöhnlichen Bahnen zu denken, sie können mehrsinnig denken und überraschende Verbindungen herstellen. Entdecken Sie doch einmal die schöpferischen Aspekte des Humors und nutzen Sie ihn für Ihre Kreativität.

Kreativitätstechniken

Es gibt viele Möglichkeiten, Lösungen für ein Problem zu finden. Am Anfang stehen die Ideen, was möglich wäre. Um möglichst viele Ideen zu bekommen, bedient man sich bestimmter Techniken, den sog. Kreativitätstechniken. Hierbei unterschiedet man verschiedene Ansätze.Kreativitätstechniken

Assoziationstechniken

Bei den Assoziationstechniken geht es darum, seine Gedanken freien Lauf zu lassen und in alle Richtungen zu denken. Durch die Verknüpfung von Gedanken und Vorstellungen zu neuen Kombinationen erhalten Sie eine Vielzahl von Begriffen, die zu Lösungsmöglichkeiten ausgearbeitet werden können. Man unterscheidet:

  • Brainstorming
  • Brainwriting
  • Mindmapping
  • Kombinationstechnik

Bild- und Analogietechniken

Analogien sind Ähnlichkeiten, d.h. selbst Dinge, die im ersten Moment vielleicht nicht zum Problem passen, können dennoch eine Lösung beinhalten.

  • Visualisierung
  • Bisoziation
  • Reizworttechnik
  • Intuition

Systematische Ideensuche0

Bei der systematischen Ideensuche geht es mehr um Struktur und Systematisierung, d.h. anhand verschiedener Checklisten wird das Problem unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet.

  • Morphologische Matrix
  • Osborn-Methode
  • Umkehrmethode
  • Das 6 Hut Denken