Outsourcing aus Sicht der Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Outsourcing aus Sicht der Arbeitnehmer

Als Arbeitnehmer muss man sich erst einmal ganz bewusst vergegenwärtigen, dass Outsourcing nicht nur Risiken, sondern auch grosse Chancen birgt. Outsourcing bringt zwar Veränderungen mit sich, doch in Zeiten wie diesen, darf man keine Veränderungen scheuen.

Outsourcing darf kein Kündigungsgrund sein. Arbeitnehmern, die ihre derzeitige Position durch Outsourcing gefährdet sehen, bleibt der Trost, dass sie für ein Jahr nach Übernahme ihres Betriebsbereiches durch ein neues Unternehmen, auf ihre bisherigen Rechte und Pflichten bestehen können. (s. BGB § 613a: Rechte und Pflichten bei Betriebsübergang. Und BetrVG § 111: Betriebsänderungen, sowie BetrVG § 113: Nachteilsausgleich).

Die direkten Konsequenzen von Outsourcing für die Karriere des Einzelen können in die folgenden drei grossen Bereiche unterteilt werden:

1. Übernahme durch neues Unternehmen

Man behält den gewohnten Tätigkeitsbereich, hat aber einen neuen Arbeitgeber. Dieser hat die ausgegliederte Abteilung, samt Mitarbeitern übernommen. Löhne, Gehälter und soziale Leistungen sollten denen des ehemaligen Arbeitgebers entsprechen. Der bisherige Arbeitgeber haftet, für die Frist von einem Jahr, gemeinsam mit dem neuen Arbeitgeber für die Verpflichtungen gegenüber dem Arbeitnehmer.

2. Neuer Aufgabenbereich beim alten Arbeitgeber

Auch in diesem Fall dürfen sich Nachteile bei der Bezahlung erst nach einem Jahr auswirken. Man bekommt die Chance einer betriebsinternen „Weiterbildung“ in einem neuen Bereich, bzw. absolviert ein „on the job Training“ und Schulungen. Um Erfahrungswissen besser einbringen zu können, sollte der neue Bereich nicht ganz konträr zu den alten Aufgaben sein. Vielmehr sollten bisherige Fähigkeiten spezialisiert und aktualisiert oder zumindest teilweise eingebracht werden können.

3. Übernahme der bisherigen Aufgaben als selbstständiger Unternehmer

Diese Variante bietet sich besonders an, wenn der Arbeitnehmer bisher eine Führungsposition innehatte, oder ein Experte auf seinem Gebiet ist. Bevor sich der Arbeitnehmer zu diesem Schritt entschliesst, sollte er genau abwägen, ob er überhaupt ein Unternehmertyp ist, ob die Finanzierung stimmt und wer die Finanzierungspartner sein werden (zu einseitige Abhängigkeiten können später Stolpersteine werden), ob auch andere Auftraggeber in Sicht sind, als nur der ehemalige Arbeitgeber.

Es muss außerdem genau geklärt werden, ob es sich tatsächlich um eine selbstständige Tätigkeit handelt, ob man steuerrechtlich überhaupt als „Selbstständiger“ anerkannt wird. Eine übersichtliche Liste der Kriterien für Selbstständige und Arbeitnehmer findet man bei Steueranwalt Thomas .M.R  Disqué . Auch dem (ehemaligen) Arbeitgeber sollte daran gelegen sein die Beschäftigungssituation zu klären. Entpuppt sich die Selbstständigkeit eines (ehemaligen) Mitarbeiters als Scheinselbstständigkeit muss er sämtliche Sozialabgaben für diesen Mitarbeiter nachzahlen.

Besonders was Punkt drei angeht, sind die politischen Rahmenbedingungen für das Outsourcing noch nicht der gegenwärtigen realen Situation der wirtschaftlichen Entwicklung angepasst. Entscheidungsbedarf besteht vor allem bezüglich der Unterscheidung zwischen „echten“- und Scheinselbstständigen.

Die Politik will die Bürger und Steuerzahler zwar zu immer mehr Eigenverantwortung und „Selbstständigkeit“ und Flexiblität motivieren (private Altersvorsorge, etc.), andererseits will man nicht auf Arbeitnehmer verzichten, die weiterhin fleissig in die Renten- und Sozialkassen einzahlen.

Outsourcing aus Sicht der Arbeitgeber

Das Outsourcing gewinnt nicht nur zunehmend an Bedeutung, sondern ist für einige Wirtschaftsbereiche, speziell im tertiären Sektor, mittlerweile fast unerlässlich geworden. Spezialisierung und Globalisierung sind die zwei Hauptgründe für Outsourcing, das letztendlich ganz einfach als Rationalisierungsmaßnahme betrachtet werden kann.

Aus der Rede des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie Dr. Werner Müller anläßlich der Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung 1999 in Frankfurt (Main), zitieren wir wie folgt:

„Im weltweiten Maßstab ist zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Erhöhung der Wertschöpfung ein zunehmender ”outsourcing”-Prozeß zu verzeichnen. Damit eröffnen sich neue Absatzchancen außerhalb des eigenen Unternehmens.

Ich bin mir bewußt, dass dieser Prozeß seitens der Arbeitnehmerschaft mit einigem Unbehagen gesehen wird. Auch hier gilt es deshalb, Ängste abzubauen. Das Outsourcing scheint jedoch in vielen Fällen die Wettbewerbsfähigkeit im Kernbereich der Unternehmen zu stärken.

Durch die Globalisierung wird generell deutlich, dass nur solche Unternehmen langfristig eine Überlebenschance und damit auch Beschäftigung haben, die verfügbare Rationalisierungspotentiale ausschöpfen.“

Wie die Ängste und Befürchtungen der Arbeitnehmerschaft abgebaut werden können ist bedauerlicherweise kaum irgendwo nachzulesen. Wir empfehlen den offenen Umgang mit Arbeitnehmern, denn nichts ist beängstigender als Ungewissheit.

Für Arbeitgeber und Unternehmer überwiegen die Vorteile des Outsourcing ganz klar:

  • Kosteneinsparungen beim Personalmanagement
  • keine Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Urlaub
  • leistungsorientierte Bezahlung
  • weniger Verwaltungsaufwand
  • flexibler beim Einsatz von Human Capital (kein Kündgungsschutz)
  • Verringerung der wirtschaftlichen Risiken
  •  geringere Produkthaftung
  • kleineres unternehmerisches Risiko
  • bessere Wettbewerbsfähigkeit durch
  • geringeren Kostenaufwand
  • kleinere, aber speziellere Leistungspalette
  • mehr Flexibilität aufgrund des kleineren Verwaltungsapparates
  • geringere Produktionskosten und Lagerkosten (Just-in-time)

Das wirtschaftliche Phänomen des Outsourcing gewinnt erst jetzt an Fahrt und wird die deutsche und europäische Marktwirtschaft noch ein ganze Weile in Atem halten. Unternehmer, die am Ball bleiben wollen, sollten sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen und reflektieren, ob und wie sie Outsourcing in ihrem Unternehmen angewandt werden kann.