Kündigung im Mobbing-Fall

Wenn es für Sie unerträglich wird, ist es unter Umständen das Beste, Ihre Stellung zu kündigen und sich etwas zu suchen, wo Sie sich wohler fühlen. Eine solche Entscheidung ist schwer genug, aber danach stellen sich weitere Fragen: Wie wird mein Arbeitszeugnis aussehen? Soll ich meinem nächsten Arbeitgeber von dem Mobbing-Fall erzählen? Wie gehe ich mit der Angst um, wieder gemobbt zu werden?

Wie wird mein Zeugnis aussehen?

Wenn es um Ihr Zeugnis geht, können vor allem folgende Probleme auf Sie zukommen:

  • Ihre Arbeitsleistung hat durch das Gemobbtwerden – verständlicherweise – nachgelassen und Sie haben nun Angst, ein schlechtes Zeugnis zu bekommen.
  • Ihr Vorgesetzter hat das Mobben billigend mitangesehen oder sogar selbst unterstützt und Sie erwarten eine entsprechend unfaire Beurteilung.

Im ersten Fall können Sie, wenn Sie das Vertrauen haben, ganz offen mit Ihrem Vorgesetzten sprechen. Schildern Sie ihm oder ihr Ihre Befürchtungen. Wenn Sie aber auf kein Verständnis hoffen, dann sollten Sie sich lieber an den Betriebsrat wenden oder an eine Vertrauensperson in dem Unternehmen. Auch Beratungsstellen können Ihnen hier sicher weiterhelfen. Eine erste Anlaufstelle ist z.B. die Mobbing-Zentrale.

Wenn Ihr Vorgesetzter Sie unfair behandelt, gemobbt oder das Mobben wissentlich geduldet hat, sollten Sie sich in jedem Fall professionelle Hilfe suchen. Wenden Sie sich an eine Beratungsstelle für Mobbing-Opfer und an Ihren Betriebsrat. Unter Umständen brauchen Sie einen Rechtsanwalt, um zu Ihrem Recht zu kommen.

Recht und Realität bei Kündigung und Mobbing

Sie haben das Recht auf ein faires Zeugnis, das Ihnen Ihren weiteren Berufsweg nicht erschwert. Soweit die Theorie. In der Praxis kann es aber sein, dass Sie nicht den Mut oder die Kraft haben, es auf einen Machtkampf mit Ihrem Vorgesetzen ankommen zu lassen. Dann sollten Sie in jedem Fall versuchen, wenigstens eine neutrale Bescheinigung darüber zu bekommen, wie lange Sie in welcher Position in diesem Unternehmen gearbeitet haben, damit Sie Ihren Werdegang lückenlos nachweisen können. Vielleicht gibt es auch einen anderen Verantwortlichen in dem Unternehmen, der Ihnen eine Referenz schreiben kann?

Wenn alle Stricke reißen

Vergessen Sie aber bei all dem nicht, dass ein Zeugnis nicht die Welt bedeutet. Ihre berufliche Zukunft hängt nicht an einem einzigen Zeugnis. So verzweifelt Sie sich in Ihrer Situation vielleicht auch fühlen, so möchten wir Ihnen Mut machen, daß es ein Leben nach dem Mobbing gibt – und das auch dann, wenn Sie kein gutes Zeugnis bekommen. Es ist zwar Ihr Recht, fair bewertet zu werden, nur leider ist das – wie gesagt – in der Praxis nicht immer einzufordern. Wenden Sie sich auf jeden Fall an eine Mobbing-Beratungstelle und suchen Sie professionelle Unterstützung, damit Sie damit nicht allein sind.

Was muss der neue Arbeitgeber wissen?

Wenn Sie sich nun auf die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle begeben, stehen Sie vor der Entscheidung, wieviel Sie von Ihren Erfahrungen erzählen sollen. Mobbing-Beratungsstellen können Ihnen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz helfen und auch dabei, wie Sie sich dann Ihrem neuen Arbeitgeber gegenüber verhalten sollen. Letztlich liegt es in Ihrer Persönlichkeit, ob Sie darüber reden wollen oder nicht. Falls Ihr Zeugnis so schlecht ausgefallen ist, dass Sie es am liebsten nicht zeigen möchten, ist es sicher sinnvoll, darauf hinzuweisen, dass Sie sich mit Ihrem letzten Arbeitgeber nicht im Guten getrennt haben. Das ist ehrlich. Zu sehr ins Detail sollten Sie allerdings nicht gehen. Es kommt überhaupt nicht gut an, wenn Sie Ihrem potentiellen Arbeitgeber erzählen, was für ein schlechter Mensch Ihr vorheriger Chef war. Bleiben Sie bei den Fakten.

Wenn Sie vor Angst gar nicht mehr arbeiten wollen

Die Wunden, die Menschen aus einem Mobbing-Vorfall davontragen, können sehr tief sein. Möglicherweise trauen Sie sich gar nicht mehr zu, eine neue Arbeit bewältigen zu können. Vielleicht verspüren Sie panische Angst in sich, wenn Sie daran denken, sich in einen neuen Kollegenkreis begeben zu müssen. Sie stehen damit nicht allein da. Stellen Sie sich Ihrer Angst. Suchen Sie professionelle Hilfe. Sie können eine Therapie machen oder in weniger heftigen Fällen mit einem Coach zusammenarbeiten, der Ihnen bei der Überwindung Ihres Problems helfen kann. Lassen Sie sich nicht unterkriegen und lassen Sie nicht zu, dass Ihre Peiniger Ihr ganzes weiteres Leben beeinflussen. Lassen Sie diese schlimme Erfahrung hinter sich und starten Sie mit der nötigen professionellen Unterstützung in einen neuen Abschnitt.

Fehlzeiten wegen Mobbing

Als „indirekter“ Risikofaktor für die Gesundheit spielt Mobbing eine grosse Rolle bei Fehlzeiten der Arbeitnehmer. Mobbing-Opfer leiden unter schweren seelischen Belastungen. Kummer schwächt das Abwehrsystem und macht so anfälliger für Infektionskrankheiten. Mobbing ist, neben familiären Problemen, Hauptursache für psychosomatische Krankheiten unter Arbeitnehmern.

Mobbing bringt nicht nur Fehlzeiten mit sich, es wirkt sich auch negativ auf die Effektivität aller Arbeitnehmer aus. Es soll Arbeitgeber geben, die Mobbing als Instrument zum Personalabbau benutzen. Doch die kurzfristigen Personalkosteneinsparungen werden durch den Produktivitätsverlust, der mit der Vergiftung des Betriebsklimas durch Mobbing einhergeht, aufgehoben.

Denken Sie daran: Kaum etwas ist der Produktivität, Effektivität und Kreativität der Mitarbeiter eines Unternehmens so förderlich wie das ehrliche Gespräch zwischen Arbeitnehmern und Vorgesetzten.

Sie werden sehen, die Aufklärung über Folgen von Fehlzeiten und die Mitarbeitergespräche nach Krankheit, werden zu einem Abbau der Fehlzeiten führen. Auch der oft als harmlos betrachete Missbrauch von Fehlzeiten (besonders an einzelnen, an das Wochenende angrenzenden Arbeitstagen) wird durch diese Maßnahmen abnehmen.