Karriere und Mobbing

Wie im Artikel „Mobbing“ gezeigt, gibt es eine ganze Reihe von Aktionen durch Kolleginnen und Kollegen, die Ihrer Karriere schaden können. Die Grenzen sind fließend und nicht immer ist klar zu unterscheiden, was schon Mobbing ist, was unter „böser Scherz“ fällt und was man einfach als – leider – „normal“ hinnehmen muss. Damit Sie und Ihre Karrierepläne keinen Schaden nehmen, haben wir hier eine Reihe von Tipps für Sie.

Was Sie tun können, damit es gar nicht erst dazu kommt, gemobbt zu werden

Es wurden bereits die typischen Eigenschaften vieler Mobbing-Opfer beschrieben, wie z.B.

  • mangelndes Durchsetzungsvermögen,
  • fehlende Eigenverantwortung
  • die Unfähigkeit, rechtzeitig angemessene Grenzen zu setzen,
  • kein ausreichendes Eintreten für die eigenen Interessen
  • u.ä.

Wenn Sie solche Schwachpunkte bei sich aus Erfahrung kennen, sollten Sie hier sofort ansetzen. Handeln und denken Sie eigenverantwortlich, setzen Sie sich durch, setzen Sie Grenzen und stehen Sie für sich ein. Wenn Sie das nicht können, sollten Sie sich Rat und Unterstützung durch professionelle Hilfe suchen. Es gibt Karriere- und Persönlichkeitscoaches, die Ihnen helfen, solche Problemfelder zu erkennen und daran zu arbeiten. Als Ziel könnten Sie vielleicht immer im Kopf haben, es potentiellen Mobbern möglichst schwer und unbequem zu machen, Sie als Opfer auszuwählen.

Wenn Sie aber schon mitten drin sind – was so schwierig in solchen Situationen ist

Wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, dann gilt es, dass Mobbing-Problem so schnell wie möglich aus dem Weg zu räumen. Je länger Sie sich Mobbing gefallen lassen, desto schwieriger wird es, das Problem zu lösen. Als ob das Mobbing alleine nicht schlimm genug wäre, gibt es dazu noch verschiedene Faktoren, die es erschweren, bei einem Mobbing-Fall konstruktiv zu handeln:

Konflikte sind komplexe Situationen – Zunächst ist eine Mobbing-Situation immer eine komplexe und damit schwierige Situation. Menschen reagieren leider ganz und gar nicht immer einleuchtend oder logisch und oft auch vollkommen verschieden. Deshalb gibt es auch keine Patentlösungen.

Probleme nicht nur mit einer, sondern mit mehreren Personen – Weiterhin kommt es oft zu einer Bildung ganzen Mobber-Gruppen, denn einige Kollegen mobben nur, weil die anderen auch mobben. Es scheint eine menschliche Eigenschaft zu sein, daß wir uns einen „Schwächeren“ suchen und diesen dann schikanieren. Da ist es besonders leicht, sich den anderen einfach anzuschließen und mitzumachen. Und dann steht man eben mehreren Menschen gegenüber, was das Handeln nicht gerade leichter macht.

Mit dem Vorgesetzten sprechen – ein heikles Thema – Leider kann man auch nicht pauschal raten, sich in jedem Fall an den Vorgesetzten zu wenden. Schnell ist man so nämlich in der Position, einen Kollegen anzuschwärzen und dadurch, daß man zur „Petze“ wird, verschlimmert man seine Situation oft nur und die Mobbing-Attacken werden dann vielleicht subtiler, hören aber nicht auf. Leider sind die wenigsten Führungspersonen dazu in der Lage, einen Mobbing-Fall unter Ihren Mitarbeiter zu entdecken und wenn selbst wenn sie davon wissen, können sie das Problem nicht immer wirkungsvoll aus der Welt schaffen.

Und was kann man nun im Vorfeld gegen Mobbing tun?

Kommen wir nun zu dem, was Sie tun können, um mit Mobbing umzugehen oder um Mobbing im Vorfeld zu verhindern.

Als allererstes: Informationen sammeln – Zunächst sollten Sie möglichst viel über das Problem „Mobbing“ in Erfahrung bringen. Sie lernen so nicht nur, Ihre Situation besser einschätzen und verstehen, sondern finden auch Ansprechpartner, Beratungsstellen und Informationen über rechtliche Möglichkeiten. Suchen Sie ruhig auch den Kontakt zu anderen Betroffenen – so sind Sie nicht allein.

Hier einige Links für den ersten Einstieg in eine Recherche:

Dann das Wichtigste: an der eigenen Einstellung arbeiten – Es ist ganz entscheidend, daß Sie sich klarmachen, daß Sie keiner zum Opfer machen kann, wenn Sie das nicht zulassen. Für manch‘ einen mag das hart klingen, aber je eher Sie sich diese Tatsache wirklich bewußt machen, desto schneller werden Sie Lösungen finden. Sie sind heute kein kleines Kind mehr, das nach der Mutter oder Lehrerin rufen kann, wenn es von den anderen geärgert wird. Sie sind erwachsen und Sie müssen nun für sich selbst sorgen. Das heißt nicht, daß Sie allein da hindurch müssen – Unterstützung und Hilfe kann sich jeder suchen. Aber Sie müssen die Verantwortung für sich und Ihre Situation übernehmen. Und das ist eine Frage Ihrer Einstellung – nur Sie können das tun.

Werden Sie aktiv – je früher desto besser – Je früher Sie aktiv werden, desto besser. Je weiter fortgeschritten eine mobbingartige Situation ist, desto schwieriger wird es für Sie, das Ruder herumzureißen. Viele Menschen machen den Fehler, in der Anfangsphase stillzuhalten, weil sie hoffen, daß sich die Feindseligkeiten oder die schlechte Stimmung von allein geben wird. Leider ist das in der Regel nicht der Fall. Wenn Sie aber in diesem frühen Stadium aktiv werden, sucht man Sie sehr wahrscheinlich nicht als Opfer aus, denn es trifft meistens die, bei denen das böse Spiel am einfachsten ist. Aber auch wenn die Attacken schon begonnen haben, sollten Sie etwas tun, schon allein um aus der passiven Opferhaltung herauszukommen, die Sie nur lähmt.

Tun Sie etwas für sich und lernen Sie das, was Sie brauchen, um mit der Situation klarzukommen – Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich ein gewisses Handwerkszeug anzueignen, mit dem es für Sie einfacher sein wird, sich durchzusetzen:

  • Selbstbehauptungseminare,
  • Kommunikationstrainings,
  • Fortbildungen und Bücher zum Thema Konfliktmanagement,
  • Weiterbildungen in Mediation,
  • Veröffentlichungen oder Seminare zur Förderung der eigenen Schlagfertigkeit,
  • persönliches Coaching,
  • eine Therapie, in der Sie lernen, sich anzunehmen und selbstbewußt für sich einzustehen,
  • u.ä.

Sie können sich also wirklich wappnen – vorbeugend oder auch, wenn die Attacken schon begonnen haben. Finden Sie dafür zuerst Ihre persönlichen Schwachstellen heraus, damit Sie mit solchen Maßnahmen wirkungsvoll an sich arbeiten können. Hierbei kann Ihnen z.B. auch ein professioneller Coach helfen, mit dem Sie gezielt an diesen Themen arbeiten.

Unterstützung und Verbündete suchen – Gut ist es, wenn Sie sich Verbündete suchen, die auf Ihrer Seite stehen und die Sie im Notfall unterstützen. Das ist z.B. dann, wenn Sie noch nicht im Mobbing-Mittelpunkt stehen viel einfacher. Freunden Sie sich mit einigen Kollegen an. Wenden Sie sich an den Betriebsrat und deuten Sie ruhig auch bei Gesprächen mit Vorgesetzten Spannungen in der Abteilung an. Sie müssen ja keine Namen nennen oder die Schuld auf die anderen schieben. Sie können es locker einfließen lassen oder auch um Rat zu konkreten Fragestellungen bitten. Es ist die Aufgabe und Verantwortung Ihrer Vorgesetzten, sich darum zu kümmern, daß Sie als Mitarbeiter Ihren Job machen können. Leider sind nur viele Vorgesetzte selbst mit solchen Problemen überfordert. Verlassen Sie sich deshalb nicht darauf, von dort Unterstützung zu bekommen, aber einen Versuch ist es wert.

Das direkte Gespräch suchen – Manchmal hilft ein offenes Gespräch. Sie können unter vier Augen mit dem Menschen sprechen, der Ihnen das Leben schwer macht – vielleicht gehen Sie einfach mal zusammen etwas trinken oder zum Mittagessen. Wenn der andere sich darauf einläßt, können Sie sehr wahrscheinlich schon manches klären. Ist ein solches Gespräch im Guten nicht möglich, können Sie vielleicht den anderen vor versammelter Mannschaft zur Rede stellen. Solange noch nicht alle Kollegen gegen Sie sind, kann das sehr wirkungsvoll sein, denn schnell gerät der andere ins Abseits. Wenn bereits mehrere Kollegen beteiligt sind, können auch allen Betroffenen unmißverständlich mitteilen, daß Sie nicht gedenken, bei dem mitzumachen, was die anderen tun (z.B. kollektive Faulheit) oder klarstellen, daß Sie es sich nicht länger gefallen lassen werden, daß man schlecht über Sie redet oder Sie mies behandelt werden. Das erfordert natürlich viel Mut und Sie brauchen auch ein selbstbewußtes Auftreten.

Wenn es hart auf hart kommt – Sie halten es nicht mehr aus

Wenn andere Ihnen das Leben schwer machen, können Sie kämpfen oder sich dazu entscheiden, sich einen anderen Job zu suchen. Nicht immer macht es Sinn, seine Kraft und Energie darin zu investieren, mit Leuten klarzukommen, die einem nur Böses wollen. Ihre Gesundheit, Ihre Psyche und Ihr gesamtes persönliches Wohlbefinden stehen auf dem Spiel. Hier müssen Sie selbst Ihre jeweilige Situation möglichst realistisch einschätzen und in Hinblick auf Ihre Kräfte und Bedürfnisse hin entscheiden. Natürlich haben Sie immer die Möglichkeit, rechtliche Schritte einzuleiten, um für Ihr Recht zu streiten, aber leider führen diese nicht immer zum gewünschten Ergebnis und können viel Energie und Geld kosten. Vielleicht ist es das Beste, sich ein Unternehmen zu suchen, in dem Sie sich wohler fühlen und in dem Ihre Chancen, leistungsgerecht aufzusteigen, größer sind?

Lesen Sie im folgenden Artikel unsere Tipps für eine Kündigung im Mobbing-Fall.