5 Tipps zur nachhaltigen Ernährung


Nahrungstrends der Zukunft – für mehr Umwelt- und Klimaschutz

Was bei uns auf den Teller kommt, hat einen erheblichen Einfluss auf die Umwelt, auf die Artenvielfalt unseres Planeten – und auf das Klima. Vom Laborfleisch über Lebensmittelrettung, Unverpackt-Läden bis hin zu Pulvernahrung– hier sind 5 Tipps zur nachhaltigen Ernährung mit Zukunft.

Ende Mai 2019 nahm der Discounter Lidl den komplett fleischfreien Burger Beyond Meat ins Sortiment auf – und binnen weniger Stunden war er ausverkauft. Über Lidl brach ein Shitstorm herein – das Unternehmen hatte die immense Nachfrage unterschätzt. Immer mehr Menschen wünschen sich Produkte, die so riechen und schmecken wie Fleisch, aber Umwelt und Klima weniger Schaden zufügen. Und das gilt nicht nur für uns in Deutschland: In den USA war der Börsengang von Beyond Meat einer der erfolgreichsten der letzten Jahre. Der Wert der Aktie hat sich in kürzester Zeit vervierfacht.

Es fällt uns Menschen schwer, auf liebgewonnene Ernährungsgewohnheiten zu verzichten. Aber das Beispiel von Beyond Meat zeigt: Immer mehr Menschen ist bewusst, dass die Nahrungsmittelindustrie und die Landwirtschaft maßgeblich mitverantwortlich sind für zahlreiche Umweltprobleme – vom Klimawandel bis hin zur Vermüllung der Weltmeere. Und sie suchen nach nachhaltigen Alternativen. Zum Glück erkennt auch die Industrie die steigende Nachfrage – und schafft entsprechende Angebote.

Hier sind 5 Tipps für eine Ernährung, die Umwelt- und Klimaschutz unterstützt.

Tipp 1: Auf Fleischalternativen setzen

Zahlreiche Studien belegen, dass die industrielle Tierhaltung einen erheblichen Beitrag zu den klimaschädlichen Emissionen leistet. So hat das renommierte World-Watch-Institute in seiner Publikation „Livestock and Climate Change“ schon im Jahr 2009 mindestens 51 Prozent aller klimaschädlichen Gase der Tierhaltung zugeschrieben. Insbesondere Rinder und Schweine produzieren bei ihren Verdauungsprozessen Methan und Lachgas. Schätzungen des deutschen Umweltbundesamtes zufolge entstehen bei der Produktion eines einzigen Kilogramms Rindfleisch bis zu 28 Kilogramm Treibhausgase, bei der Produktion eines Kilogramms Obst oder Gemüse dagegen nur ein Kilogramm.

Doch die klimaschädlichen Emissionen sind nicht die einzige Umweltproblematik in der Fleischproduktion. Die ungeheuren Mengen an Gülle belastet unser Grundwasser mit hohen Nitratwerten. Auf der ganzen Welt werden Regelwälder gerodet und enorme Flächen für den Anbau von Tierfuttermitteln verbraucht. Experten zufolge werden 26 Prozent der gesamten Erdfläche für die Fleischproduktion verwendet. Dies ist nicht nur umweltschädigend, sondern auch für die Existenz der heimischen Kleinbauern eine große Bedrohung  – deshalb tritt auch die Welthungerhilfe für eine Reduktion des Fleischkonsums ein.

Wenn die Klimakatastrophe auf wenige Grad Erwärmung begrenzt werden soll, brauchen wir umweltfreundliche Fleischalternativen. Daran tüfteln Wissenschaftler und Industrie schon seit Jahren. Großes Aufsehen hat das erste In-Vitro-Fleisch erregt, das am 5. August 2013 von niederländischen Forschern der Öffentlichkeit präsentiert wurde. In-Vitro-Fleisch, auch Laborfleisch oder Clean Meat genannt, wird aus den Zellen von lebenden Nutztieren gezüchtet. Mehrere Unternehmen, darunter das niederländische Mosa Meat, das israelische Aleph Farms und das amerikanische Memphis Meats, arbeiten mit Hochdruck daran, das Laborfleisch für einen breiten Markt zugänglich zu machen.

Bis dahin wird es jedoch noch dauern. Wer sich schon heute klimaschonend ernähren möchte, sollte seinen Fleischkonsum reduzieren und pflanzliche Fleischalternativen nutzen, die neben Beyond Meat von vielen weiteren Herstellern angeboten werden. Immer mehr Menschen setzen auf eine komplett vegetarische oder – ökologisch sogar noch besser – vegane Ernährung. Dank umfangreicher Informationsmöglichkeiten und Unmengen an schmackhaften veganen Rezepten, die frei zugänglich im Internet aufzufinden sind, ist dies heute einfacher denn je. Auch im Handel, in Restaurants und in Imbissläden gibt es immer häufiger vegane Alternativen. Fleischersatzprodukte, Tofu oder Soja sind dabei kein Muss – die vegane Küche bietet auch auf Basis von frischem Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreide eine große Vielfalt.


Tipp 2: Kreativ gegen Lebensmittelverschwendung

55 Kilogramm Nahrungsmittel wirft jeder Deutsche im Durchschnitt jährlich in den Müll. Das ergab eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus dem Jahr 2017, die vom  Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung gefördert wurde. Die Universität Stuttgart kam bei einer Studie aus dem Jahr 2015 sogar auf eine Zahl von 85 Kilogramm weggeworfener Nahrungsmittel pro Kopf – rund 40 Prozent davon sollen, so die Wissenschaftler, vermeidbar sein. Die Industrie wirft diesen Daten zufolge jährlich 6 Millionen Tonnen Lebensmittel weg. Fest steht: Lebensmittel wegzuwerfen ist eine ungeheure Verschwendung von Ressourcen. Aber was kann man dagegen tun?

Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung hat die Aktion „Zu gut für die Tonne“ ins Leben gerufen, um gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Zu den Tipps gehören unter anderem eine bessere Planung des Einkaufes, eine fachgerechte Lagerung verderblicher Lebensmittel und die Wiederverwertung von Essensresten durch Aufwärmen oder kreative neue Rezepte. Vielen Menschen ist zudem nicht bewusst, dass ein Mindesthaltbarkeitsdatum lediglich angibt, bis wann ein Lebensmittel garantiert haltbar ist. Bevor ein Produkt im Abfall landet, sollte geprüft werden, ob es tatsächlich verdorben ist.

Eine Initiative, die sich dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung verschrieben hat, ist die Online-Plattform Foodsharing.de. Hier kann man überschüssige Lebensmittel kostenlos an andere Menschen abgeben, bevor sie in der Tonne landen. Viele Händler und Supermärkte arbeiten zudem mit den „Lebensmittelrettern“ zusammen und verschenken abgelaufene, aber noch genießbare Lebensmittel. Diese werden bei den sogenannten Fairteilern kostenfrei zur Abholung angeboten. Das Containern, also das Einsammeln der von Supermärkten weggeworfenen Lebensmittel, ist in Deutschland noch verboten. In Frankreich ist Supermärkten das Wegwerfen von Lebensmitteln mittlerweile untersagt – auch bei uns ist ein derartiges Verbot immer wieder im Gespräch.

Tipp 3: Unverpackt kaufen  

Deutschland gehört zu den größten Verursachern von Verpackungsmüll in der EU. 2016 war ein Rekordjahr mit 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsmüll, wie das Umweltbundesamt vermeldete. Ein großer Teil davon entsteht durch verpackte Lebensmittel. Und das gilt nicht nur für Fertigprodukte, wie in Kunststofffolie eingeschweißte Tiefkühlpizza. Eine vom NABU in Auftrag gegebene Studie belegt, dass mittlerweile sogar frisches Obst und Gemüse zu 63 Prozent in industriellen Vorverpackungen verkauft wird – ein Großteil davon ist Kunststoffabfall. Besonders betroffen: fertig portionierte Salate, Pilze und Paprika. Gerade bei diesen Produkten ist eine Kunststoffverpackung jedoch vollkommen vermeidbar.

Verbraucher, die Verpackungsmüll reduzieren möchten, sollten im Supermarkt zu loser Ware greifen. Anstelle der dünnen Plastiktütchen für Obst und Gemüse können eigene Behälter, Stoffbeutel oder wiederverwendbare Netze mitgebracht werden. Häufig bieten Supermärkte aber gar keine losen Waren mehr an. Um Abfall zu vermeiden, empfiehlt sich ein Besuch auf dem guten alten Wochenmarkt: Hier gibt es eine große Auswahl an Obst- und Gemüsesorten, lose und unverpackt. Verbraucher haben das Problem längst erkannt – das zeigt auch der Erfolg der sogenannten Unverpackt-Läden. Hier können Kunden alle wichtigen Lebensmittel ohne Verpackung kaufen – sogar Reis oder Milch. Sie bringen einfach ihre eigenen Behälter mit oder können wiederverwendbare Behälter vor Ort kaufen. Mittlerweile gibt es rund 80 dieser Unverpackt-Läden in Deutschland.

Tipp 4: Pulvernahrung ausprobieren

Weniger tierische Produkte, weniger Lebensmittelverschwendung, weniger Verpackungsmüll – das sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einer klima- und umweltfreundlichen Ernährung. Eine ökologisch nachhaltige Ernährung haben sich auch die Hersteller eines relativ neuen Ernährungstrends auf die Flagge geschrieben: Flüssignahrung. Diese besteht aus einem – meist vegetarischen, oft auch veganen – Pulver, das mit Wasser, Kuhmilch oder Pflanzenmilch zu einer schmackhaften Trinkmahlzeit angerührt wird. Das Konzept ist von Protein Shakes oder Abnehm Shakes bekannt. Anders als diese enthält die flüssige Nahrung aber alle Nährstoffe, die für eine ausgewogene Ernährung notwendig sind.

Flüssignahrung wie Soylent, Mana oder Huel ist vor allem bei jungen, aktiven Menschen sehr beliebt. Meist ersetzt die Trinkmahlzeit ein bis zwei herkömmliche Mahlzeiten am Tag. Die Hauptmotivation ist dabei, Zeit zu sparen und sich trotzdem gesund zu ernähren – ohne Fast Food oder Süßigkeiten. Ökologisch hat das flüssige Meal Replacement jedoch auch einige Vorteile – so sorgt die exakte Dosierbarkeit und die lange Haltbarkeit des Pulvers für weniger Lebensmittelverschwendung. Da ein Beutel mit Pulvernahrung oft für zehn Mahlzeiten oder mehr reicht, entsteht auch weniger Verpackungsmüll. Verbraucher können sich auf der Plattform Bayze.de einen Überblick über die verschiedenen Produkte und ihre Testergebnisse verschaffen.

Tipp 5: Bio und regional kaufen

Eine Studie des FiBL Österreich hat gezeigt: Die Klimabilanz von Bio-Lebensmitteln ist deutlich besser als die von Nahrungsmitteln aus konventioneller Herstellung. Für die exotischen Früchte oder die Avocado aus Südamerika, die über tausende von Kilometer eingeflogen werden, gilt dies natürlich nur bedingt. Am klimafreundlichsten ist das saisonale Angebot des Bio-Bauern aus der eigenen Region. Das kann man häufig über eine wöchentlich gelieferte Bio-Kiste beziehen – oder bei einem Besuch auf dem Wochenmarkt. Auch Pulvernahrung gibt es in Bio-Qualität und aus deutscher Herstellung – beispielsweise von den Herstellern Bertrand oder Trinkkost. Ob trendige Flüssignahrung oder Möhren vom Wochenmarkt: Regionale Bio-Produkten vermeiden lange Importwege und unterstützen eine klima- und umweltfreundliche Landwirtschaft.

Fazit: Eine Ernährung, die unser Klima, unsere Umwelt und die Artenvielfalt auf unserem Planeten schützt, ist gar nicht so schwierig. Mit ein wenig Planung und der Bereitschaft, Neues auszuprobieren, können Menschen schon heute eine nachhaltigere Ernährungsweise entwickeln.