Trendsportart und allgemeine Öffentlichkeit – Wie gelangen sie zueinander?

Trendsportart und allgemeine Öffentlichkeit - Wie gelangen sie zueinander

Mountainbiking, Paragliding, Parkours. Die Zahl der Trendsportarten ist nahezu unüberschaubar. Einige sind mittlerweile schon fest im Mainstream verankert.

Wer im Duden den Eintrag „Trendsport“ nachschlägt, erhält folgende Definition: „neue, noch nicht etablierte und zunehmend beliebte Sportart“.  Demnach zeichnet sich eine solche Sportart dadurch aus, dass sie anscheinend noch nicht im Mainstream angekommen sei.

Doch ist dem wirklich so? Schließlich gelten Kitesurfen, Skateboarding, Beach Volleyball, Yoga und Wandern zumindest stellenweise auch als Trendsportarten und alle haben mittlerweile eine recht große Basis. Im Folgenden soll der Begriff „Trendsport(art)“ näher beleuchtet und hinterfragt werden, wie ein solcher Trend zum Massenphänomen wird und sich womöglich letzten Endes gesellschaftlich etabliert.

Trendsport, Funsport und Extremsport im Spannungsverhältnis – Wo sind die Unterschiede?

Trendsport – eine Begriffserklärung

Den Versuch einer umfassenden Definition des Begriffs Trendsport unter dem Gesichtspunkt gesellschaftlicher Entwicklungen unternahm bereits 1998 der Gießener Sportpädagoge Prof. Jürgen Schwier. Durch eine zunehmend pluralistische Gesellschaft und der Entstehung eines Zeitgeistes, der Bewegung und einen gewissen Körperkult ins Zentrum rückte, wurde es im ausgehenden Jahrtausend vielen neuen Sportarten möglich, ein größeres Publikum anzusprechen. Trendsportarten zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Grenzen des Erwartungshorizontes aufbrechen und Antworten auf die Bedürfnisse der Gesellschaft, Bewegung und Erneuerung geben.

Die Entstehung eines Sporttrends gliedert sich nach Schwier in sechs Phasen, nämlich

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In den ersten beiden Phasen wird eine neue Sportart geboren und innerhalb des eigenen Milieus, das höchstwahrscheinlich ähnliche Werte und Interessen vertritt wie die Entwickler selbst, verbreitet. Als Beispiel kann hier die Erfindung des Skateboardings gelten, das in den 1960er Jahren aus dem Wellenreiten hervorging und sich schnell unter Jugendlichen, vor allem unter Surfern, verbreitete. So bildete sich eine eigene Szene, die auch selbstständig Meisterschaften organisierte.

Im Regelfall dringt eine Trendsportart dann in etablierte gesellschaftliche Milieus ein, die eigentlich außerhalb der ursprünglichen Zielgruppe stehen. Ein Gespür für geschickte Vermarktung durch Szene-Externe hilft außerdem, den Trend zu einem Massenphänomen zu machen. Im Falle des Skateboardings waren es sogar die Boarder selbst, die das Potential ihres Sports erkannten und durch Positionierung und Imagepflege wesentlich zum eigenen Erfolg beitrugen.

DiffusionIn der Folge kommt es in der Entwicklung zu einer Diffusion, die den Trend weiterverbreitet, neue Räume erschließt und seine mediale Präsenz steigert, bis schließlich das Stadium der Etablierung erlangt wird, in welchem der Sport vollständig gesellschaftlich akzeptiert ist. Im Falle des Skateboardings wurde diese Phase spätestens dann erreicht, als sich Skateschuhe und szenetypische Kleidung allgemein verbreiteten.

Trendsport Fakten

Der Funsport – Zwischen Vergnügen und Geselligkeit

Der Begriff „Funsport“ entstammt dem Sprachgebrauch im Marketing und stellt heraus, dass hierbei vor allem Spaß im Vordergrund steht. Funsport bildet als Begriff gewissermaßen den Überbau über Trend- und Extremsportarten und richtet sich in erster Linie an erlebnisorientierte Zielgruppen. Seine Attraktivität entwächst dem Vermischen verschiedenster Sportarten (Kite Surfen) und der Orientierung an einem bestimmten Lifestyle (Skateboard). Bekannte Funsportarten zeichnen sich oft auch durch Skurrilität aus. So gibt es beispielsweise Rennen mit Bobby Cars oder Extrembügeln. Beach-Sportarten laufen mitunter auch unter dem Label Funsport, wobei gerade diese Sportarten sich in den letzten Jahren durch eine gesteigerte Fokussierung auf Erfolg auszeichneten. So ist Beach Volleyball beispielsweise seit 2000 olympische Disziplin. 

 

Höher, schneller, weiter – Grenzüberschreitungen durch Extremsport

In Abgrenzung zum Trendsport lässt sich der Extremsport vor allem dadurch charakterisieren, dass er den Körper in außerordentlichem Maße beansprucht und sich Sportler bewusst in riskante Situationen begeben. In vielen Fällen ist gerade letzterer Bestandteil der Definition zentral. Die Anforderungen, die an Athleten gestellt werden, umfassen neben der Physis ebenso Psyche und Geschicklichkeit aber auch logistische Herausforderung eines Teams. Die Ziele von Extremsportlern sind die Optimierung der eigenen körperlichen Fähigkeiten und die Grenzerfahrung während der Belastung. Oft entscheiden eher subjektive Faktoren, ob ein Sport als extrem und gleichzeitig als Trend angesehen wird. So haben Bungee Jumping, Fallschirmspringen und Bergsteigen Gemeinsamkeiten in der psychischen Belastung, trotzdem ist es schwierig, sich Reinhold Messner oder Luis Trenker als Trendsportler vorzustellen.

Was beim Trendsport gesucht wird

Laut Schwier haben Trendsportarten folgende Eigenschaften, die jeweils unterschiedliche Bedürfnisse bedienen:

Weg ins Ungewisse – Viele Trendsportarten versprechen neue Erfahrungen

Triathlon

Die Extremisierung der Erfahrungen ist vor allem in jenen Sportarten verankert, die leicht unter das Label Extremsportarten fallen. Oft wird ein hohes Risiko eingegangen, um große Ziele zu erreichen. Auch „normale“ Sportarten können jedoch extrem getätigt werden, indem sie entweder in unkonventionelle Zonen verlegt werden (Extrembügeln auf Felsklippen) oder die Dauer der Belastung einfach verlängert wird (dreißigfacher Triathlon).  Doch woher rührt dieser unbestimmte Wunsch nach immer höheren Zielen und gleichzeitig intensiveren Erfahrungen? Die fortschrittsgewandte Konsumgesellschaft ist hier sicherlich als Faktor zu erwähnen, doch es gibt noch andere Aspekte. So wird indirekt von einem diffusen Taubheitsgefühl berichtet, wenn Extremsportler angeben, sie würden ihren Sport ausüben, um sich lebendig zu fühlen.

Hier knüpft auch die Ordalisierung an. Das Ordal meint im eigentlichen Sinne ein „Gottesurteil“. Das heißt, der Mensch verzichtet auf ein Stück Kontrolle, um sich ganz in die Hände fremder Mächte – sei es Gott, Schicksal oder schlicht der Zufall – zu geben. Ganz so weit gehen die meisten Extremsportler freilich nicht. Nichtsdestoweniger sind viele Trendsportarten mit einem gewissen Maß an Risiko verbunden. Zum einen geht es wohl um ein Spiel mit der Gefahr, zum anderen wird auch die eigene Existenz getestet, sozusagen die eigene Lebendigkeit bestätigt.

Abgrenzung vom Üblichen – Individuelle Selbstbestimmung durch Sport

Mit Stilisierung ist eine gewisse Verschmelzung des Athleten mit dem eigenen Sport gemeint. Dies trifft zwar je nach Leidenschaft und Verve prinzipiell auf alle Sportarten zu, kommt jedoch bei Trendsportarten häufiger zum Vorschein. Während es beim Fußball beispielsweise möglich ist, den Sport in einem Teil der Freizeit zu betreiben, den Rest der Zeit aber vollständig davon zu isolieren, ist dies beim Skateboarding unüblich. Wer Skateboard fährt, tut dies nicht nur aus körperlichen Bedürfnissen, es steht auch ein gewisses Lebensgefühl im Vordergrund und viele definieren sich als Skater, mit allem was dazugehört: Sport, Kleidung, Verhalten und natürlich das Motto: „Skate or die!“

Viele Trendsportarten haben auch virtuos-artistische Züge. Im Gegensatz zu zyklischen Sportarten, die genaue, sich wiederholende Bewegungsabläufe vorgeben oder Mannschaftssportarten, bei welchen ein leistungsorientierter Pragmatismus im Zentrum steht, bieten Skateboarding, Snowboarding oder Street Soccer zahlreiche Möglichkeiten, sich selbst zu entfalten und eigene Choreografien zu entwickeln.  Ziel ist nicht länger empirisch messbare Erfolge zu erzielen, sondern möglichst Spektakuläres zu leisten.

Auf der Höhe der Zeit – Trendbewusstsein und Verlängerung der eigenen Jugend

Der Aspekt des gesteigerten Tempos wirkt sich auf viele junge Menschen äußerst reizvoll aus. Doch auch Menschen, die an der Schwelle von jugendlicher Frische und der Seriosität mittleren Alters stehen, wenden sich oftmals Trendsportarten zu. Es ist überraschend, wie rasant und nahezu hyperaktiv viele dieser Sportarten sind. Ihr Ziel ist oftmals der Rausch der Geschwindigkeit, das vollkommene Aufgehen des Subjekts in sein hier und jetzt. So bieten Aktivitäten wie Bungee Jumping Möglichkeiten zur Verlängerung der eigenen Jugend, indem atypisches Verhalten mit rauschhaftem Zustand gekoppelt wird. Nichtsdestoweniger sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass es auch Sportarten gibt, die auf Entschleunigung setzen. Diese sind wohl in erster Linie als Reaktion auf immer schneller beschleunigte Alltage zu verstehen.

Auch der Bereich des Sampling wirkt gewissermaßen verjüngend. Sampling bedeutet, dass Sportarten nicht mehr isoliert stehen, sondern entweder im Bezug zueinander oder zu einer dritten Größe. So gibt es seit den 1990ern Veranstaltungen, bei welchen Skatewettbewerbe mit Rockkonzerten kombiniert werden. Hier knüpft auch wieder der Aspekt des Lifestyles an. Verschiedene Domänen der Freizeit – Aktivität, passiver Konsum und auch Kleidung – greifen ineinander.

Die Überführung des Trendsports in den Mainstream

Snowboard, Skateboard, Mountainbike – klein im Anfang, groß im Ergebnis

In seinen Ausführungen stellt Schwier für das Jahr 1998 46 verschiedene Trendsportarten heraus, von denen sich mittlerweile einige im Mainstream verankert haben, so zum Beispiel:

Eine Reaktion vieler Händler und Kunden hinsichtlich dieser Tendenzen ist die Steigerung der Qualität von Beratung und Angebot, beziehungsweise die Erwartungen daran. Die Produktpalette hat sich mittlerweile für viele Sportarten vervielfältigt. Skateshops mit einer großen Auswahl an Skateboards, Zubehör und vor allem szenetypischer Kleidung sind in nahezu jeder deutschen Großstadt präsent. Teilweise geschieht es sogar, dass sich Menschen wie Skater kleiden, ohne tatsächlich welche zu sein. Skater sind also über ihre eigenen Maßen präsent. Das Zubehör für Nordic Walking gibt es mittlerweile teilweise in Discountern und auch  Mountainbikes und  Rollerskates finden sich abseits des Fachhandels. Auch beim Snowboard hat sich das Verhalten von Sportlern gewandelt. Mittlerweile ist diese Disziplin nicht mehr ausschließlich etwas für jugendliche Pistenfahrer. Das Publikum wie auch die Einsatzmöglichkeiten an den Hängen haben sich einem drastischen Wandel unterzogen und so gibt es viele Fragen, die vor dem Snowboarden beantwortet werden müssen. Ratgeber im Netz sind in diesem Fall ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Masse neben möglichst großer Vielfalt auch eine informative Betreuung wünscht. Hierbei wird dann auf den Einsatz des Snowboards, das individuelle Fahrniveau und die Eigenschaften des Fahrers eingegangen. Das Interesse am Snowboard ist so groß, dass eine umfassende Erklärung gerade für Neulinge erstrebenswert ist.

Auch Breitensport kann zum Trend werden

Ein Trend der letzten Jahre ist die massenhafte Zuwendung zu einem Sport, der in den 1970er Jahren seinen weltweiten Siegeszug begann; dem Jogging. Die Sportartikelindustrie reagiert auch hierbei mit einem erhöhten Maß an Professionalität. Oft wird auf die Wichtigkeit bei der Entscheidung für einen bestimmten Sportschuh verwiesen und in den letzten Jahren hat vor allem – zumindest subjektiv empfunden – die Menge an Pulsuhren, spezifischer Joggingkleidung und selbst an Stirnlampen drastisch zugenommen.

Die tatsächliche Anzahl an Läufern ist schwer zu bestimmen. Statistiken zufolge joggen etwa 35% aller Männer und etwa 30% aller Frauen in Deutschland regelmäßig. Innerhalb der letzten Jahre ist der Zuwachs an neuen Läufern konstant gestiegen;  stellenweise wird sogar von 20 Millionen aktiven Läufern ausgegangen. Weitere Indizien für eine gesteigerte Beliebtheit des Joggings sind die relativ hohen Anmeldezahlen für Marathons, die Geschäftszahlen von Sportartikelherstellern und der nachhaltige Erfolg von Jogging-Apps. Wenn die ganzen Leistungserhebungsmethoden beiseitegeschoben werden, kommt zudem sogar ein wirklicher Aspekt des Trendsports zum Vorschein. Der Spaßfaktor überwiegt bei vielen Läufern das Leistungsmotiv und ein gutes Gefühl ist zentral für das Interesse vieler Jogger an ihrem Lieblingssport.

Trendsport auf der Couch – Die Entwicklung der medialen Präsenz von Trendsportarten

Einige Trendsportarten in Deutschland lassen sich auch bequem von der Couch aus verfolgen. Das Finale der Meisterschaft im American Football, der Super Bowl, ist die größte Einzelsportveranstaltung der Welt und hat hierzulande bereits seit einigen Jahren eine stabile Fangemeinde. In den letzten Jahren werden zudem aufgrund eines gesteigerten Interesses seitens der Zuschauer außerdem wöchentlich mindestens zwei Spiele im deutschen Fernsehen übertragen.

Von vielen wurde das Unterfangen der Sendung „Ran“ zunächst belächelt, doch in der Saison 2015/2016 wurden die Übertragungen auf dem eher kleinen Sender Pro7 Maxx regelmäßig von 300.000 bis 400.000 Zuschauern verfolgt, stellenweise schalteten sogar 600.000 Interessierte ein; und das zur gleichen Zeit wie etwa der Tatort. Als realistische Vergleichsgröße bieten sich die Einschaltquoten der deutschen Handball- und Basketballligen an, die bei etwa 100.000 bis 200.000 liegen. Zu Beginn des großen Finalspiels in der Nacht vom siebten auf den achten Februar verfolgten laut quotenmeter.de sogar knapp über zwei Millionen Zuschauer das Spiel, was einen Marktanteil von satten 22,6% ausmachte (Sendezeit 0:30 Uhr). Innerhalb der Nacht kam es in der Zielgruppe der 14- bis 49 Jährigen teilweise zu einem Anteil von fast 50%.

Was trägt alles zum Übergang in die Allgemeinheit bei?

Damit sich ein Trend in der Gesellschaft etabliert, reicht nicht bloß ein allgemeines Grundinteresse von meinungsstarken Milieus, die diesen Trend verbreiten. Im Falle der Sportarten spielen noch andere Faktoren eine zentrale Rolle:

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Sowohl Snowboarding als auch Skateboarding verfügen mittlerweile über eine relevante und fundierte Fachpresse und sind auch regelmäßig in allgemeinen Medien wie Zeitschriften, TV oder Internet immer mal wieder mehr oder weniger präsent. Zudem gibt es schon seit einigen Jahren Reihen an Videospielen, welche diese Trendsportarten simulieren und so als Ersatz aber auch als Inspirationsquelle für den realen Trendsport dienen.

Das Heros-Modell kommt auch in den Trendsportarten zur Anwendung. Bekannte Sportler vermögen es, Emotionen zu transferieren und Erfolge herauszustellen. Dies ist zentral für die Sportzuschauer und hat zur Folge, dass der Erfolg teilweise besser goutiert wird als Fairness. Zirkulierten die Werte in westlichen Gesellschaften der 1950er Jahre noch um Leistung, Disziplin und Gemeinschaft, wandelten sich die Einstellungen in den 1970ern so, dass materialistischer Individualismus im Vordergrund stand und der Lustgewinn wichtiger wurde. Jeder Sport lebt in gewissem Sinne von seinen Persönlichkeiten. So war das Interesse der deutschen Öffentlichkeit an Tennis stark von Stefanie Graf und Boris Becker abhängig. Bei Trendsportarten verhält es sich ähnlich. Hier sind Tony Hawk fürs Skateboarding oder Shaun White fürs Snowboarding Gallionsfiguren. Das Interesse der deutschen Öffentlichkeit an American Football korreliert außerdem mit der Tatsache, dass immerhin drei deutsche Spieler in der amerikanischen Liga NFL spielen und im letzten Jahr einer von ihnen sogar den Super Bowl gewann.

Nicht zuletzt kann ein Sport auch institutionell aufgewertet werden. So wurde Beach Volleyball im Jahr 2000 eine olympische Sportart und die Interessentenliste für kommende Spiele ist keineswegs kurz und beinhaltet unter anderem Inlineskating und Karate. Für 2016 wurden immerhin Golf und Rugby zugelassen, wovon sich beide Sportarten eine wachsende Beliebtheit versprechen. Immer mal wieder im Gespräch ist, nach dem Vorbild Snowboarding bei den Winterspielen, das Skateboarding. Die Szene ist hierüber allerdings gespalten, da der Gewinn an Interesse wohl mit einem Verlust an Freiheit einhergehen würde.

Die Kommerzialisierung von Trends

Prominente Trendsportler als eigenständige Marken

Vor allem Phase vier und fünf der Entwicklungen eines Trendsports, also die kulturindustrielle Trendsetzung und die Diffusion des Trends bieten zahlreiche Möglichkeiten für den Sport, seine Akteure und auch Dritte, von der Verbreitung des Trends zu profitieren. Neben den bereits erwähnten Videospielen agieren Tony Hawk und Shaun White als Botschafter für bestimmte Konzerne und vor allem für sich selbst. Tony Hawk hat wie einige andere Skater eine eigene Skateboardfirma gegründet und promotet somit nicht bloß sich selbst oder eine Videospielfirma, sondern auch die eigenen Decks. Somit kommt es gewissermaßen zu einer Verschmelzung des Sportlers und seines Arbeitsgerätes/Produkts.

Ein weiterer Skateprofi, Bam Margera, nimmt noch mehr die Rolle als eigenständige Marke ein als die bislang behandelten Sportler. Dieser steht nicht nur als Botschafter für eine Skateboardmarke, sondern wird gleichzeitig mit diversen TV- und Kinoproduktionen assoziiert. Seine Freundschaft mit dem Sänger der finnischen Band HIM schlägt sich außerdem in seinem Kleidungsstil nieder und so fungiert er in gewissem Sinne als eigene Marke, die sich selbst, seine Geschäftspartner und sein privates Umfeld thematisiert.

Trendsport im Brennpunkt der Fitnessindustrie

Doch es sind nicht nur spektakuläre Sportarten mit waghalsigen Aktionen, die im Trend liegen. Seit geraumer Zeit werden junge Erwachsene ab etwa zwanzig Jahren gezielt von der Fitnessindustrie angesprochen, unter Verweis auf fast jährlich wechselnde Fitnesstrends. Vor allem die ersten Monate eines neuen Jahres – wenn die guten Vorsätze noch frisch und präsent sind – eignen sich hervorragend, um neue Sportbegeisterte mit Trends, die oft altbewährten Konzepten ähneln und in Zusammenarbeit mit gezielter Ernährung geschehen, anzulocken. In den letzten Jahren waren zum Beispiel folgende Disziplinen gefragt:

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Trendsportart und allgemeine Öffentlichkeit - Wie gelangen sie zueinander Bild 15Gyrokinesis (griechisch etwa: sich im Kreis bewegend) setzt sich aus mehreren Sportarten wie Tai Chi und (Trocken-)Schwimmen zusammen und dehnt in erster Linie den Körper. Die meisten Übungen dabei beanspruchen den ganzen Körper, was den Vorteil hat, dass keine Partie zu kurz kommt oder gar geschädigt wird. Das Longboard entstammt einer älteren Trendsportart, dem Skatboarding. Es ist deutlich einfacher in der Handhabung und im Gegensatz zum Skateboard in erster Linie auf das Fahren ausgerichtet. Die Bretter sind bis zu anderthalb Meter lang und liegen recht tief, sodass das Fahren relativ schnell erlernt wird. Ebenfalls seine Wurzeln in der Mitte des 20. Jahrhunderts hat das Hoopin, welches sich vom Hula Hoop entwickelt hat. Hierbei wird ein Reifen um die Hüften geschwungen, während der Rest des Körpers diverse Gymnastikübungen ausführt.

Ausblick: Das Potential „neuer“ Sportarten im Schulunterricht

Bereits seit den 1990er Jahren trieb viele Sportlehrer die Frage um, ob und wie Trendsportarten in den Schulunterricht integriert werden können. Das beste Argument für die Anwendung neuer Disziplinen lautet: Pluralität. Sport dient wie jedes andere Schulfach unter anderem dazu, den Schülern ein möglichst breites Repertoire an Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen und sollte daher nicht nur auf sein klassisches Repertoire setzen. Demgegenüber steht zuallererst das Argument des erhöhten Risikos. Freilich liegt hier beim Lehrkörper ein erhöhtes Maß an Verantwortung. Von riskanten Sportarten wie Klettern, Skateboarding oder Mountainbiking ist abzusehen.

Nichtsdestoweniger spricht wenig gegen die Durchführung tatsächlich realisierbarer Sportarten, die im Falle von Street Soccer oder Street Ball sogar als Grundlage für klassische Sportarten gelten können. Weitere Sportarten, die sich – je nach logistischen Möglichkeiten – gut in den Unterricht integrieren lassen, sind:

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Die Alternativen zum klassischen Sportunterricht sind also mannigfaltig und so sollte ein Großteil der Lehrerschaft in der Lage sein, im eigenen Sportunterricht Klassisches mit Modernem zu mischen.


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