Was sind Optionsscheine?


Die Optionen

Mit dem Kauf einer Option erhält der Anleger nicht ein bestimmtes Wertpapier, sondern das Recht, eine vereinbarte Menge, eines bestimmten Wertpapiers, bis zu einem bestimmten Termin, zu einem bestimmten Preis (Basispreis) zu kaufen bzw. zu verkaufen. Der Käufer kann innerhalb dieses Zeitraums jederzeit von seinem vertraglich vereinbarten Recht Gebrauch machen, ist aber nicht verpflichtet diese Option überhaupt zu nutzen. Außerdem kann er, während dieses Zeitraums, die Option an Dritte weiterverkaufen. Unabhängig von der Geschäftsentwicklung, zahlt der Käufer dafür einen Optionspreis. Diese Prämie kann er nicht vom Verkäufer zurückfordern. Der Verkäufer, auch Stillhalter genannt, ist verpflichtet diese Option bis zum Fälligkeitstermin aufrecht zu erhalten.

  • Das eigentliche Optionsgeschäft besteht im Grunde aus zwei Geschäftsakten. Im ersten Teil geht es um den Optionsvertrag und die Zahlung des Basispreises. Im zweiten Teil geht es um das, dem Vertrag zugrunde liegende, Wertpapiergeschäft und die Zahlung der Prämie.
  • Der Optionspreis ist der Preis für die Option und hängt von Angebot und Nachfrage, aber auch von der Laufzeit sowie den zuerwartenden Kursschwankungen des betreffenden Wertpapiers ab. Löst der Käufer seine Option bis zum Ende der Laufzeit nicht ein, kann der Verkäufer den Optionspreis ohne weitere Gegenleistung behalten.
  • Der Basispreis ist der festgesetzte Preis, für die in der Option enthaltenen Werte, unabhängig von dem derzeitigen tatsächlichen Wert an der Börse.
  • Für die an der Börse notierten Optionsverträge gibt es feste Laufzeiten, die max. neun Monate betragen. Daraus ergeben sich, je nach Eintritt in den Optionskontrakt die unterschiedlichen Laufzeiten.
  • Damit es sich überhaupt lohnt, eine Option einzulösen, muß der Basiswert mindestens den Break-Even-Point erreichen.

Es gibt vier verschiedene Varianten des Optionsgeschäfts.

  • Beim Kauf einer Kaufoption (Lang Call) rechnet der Anleger mit steigenden Kursen. Er kauft einen Call mit Basispreis und Fälligkeit und zahlt dem Verkäufer (Stillhalter) je Aktie eine Prämie (Optionspreis) . Gewinn macht er nur, wenn der Kurs während der Laufzeit über den Basispreis steigt, bzw. bei Fristablauf über dem Basispreis plus Optionspreis liegt. Der Optionskäufer kann in diesem Fall maximal seinen Einsatz (Optionspreis) verlieren.
  • Beim Kauf einer Verkaufsoption (Long Put) hat der Anleger Aktien im Depot, bei denen er mit fallenden Kursen rechnet, diese aber nicht unbedingt abgeben möchte. Er kauft einen Put mit einem höheren Basispreis zu einer bestimmten Prämie. Geht der Kurs jetzt, wie erwartet unter den Basispreis, hat der Anleger zwei Möglichkeiten. Er kann seine Option zum vereinbarten Preis einlösen oder er verkauft die Verkaufsoption zum nun höheren Preis und kann somit durch den Gewinn bei der Option, den Verlust bei der Aktie teilweise ausgleichen.
  • Beim Verkauf einer Kaufoption (Short Call) ist der sogenannte Stillhalter der Anleger und rechnet mit fallenden Kursen bzw. Kursstillstand seiner Aktien. Er ist also gewillt bei Optionseinlösung seine Aktien gegen den vereinbarten Preis abzugeben. Wird die Option nicht eingelöst, kann er auf jeden Fall die Prämie behalten. Steigen nun wider Erwarten die Kurse, und der Anleger kann bei Optionseinlösung die erforderliche Anzahl der Aktien nicht vorlegen, muß er diese zum gestiegenen Kurs nachkaufen und zum vereinbarten Preis aushändigen. In diesem Fall würde er, durch die Verpflichtung zur Lieferung, hohe Verluste erleiden.
  • Beim Verkauf einer Verkaufsoption (Short Put) wird mit der Steigerung, zumindest aber mit der Stagnation des Kurses gerechnet. Hier muß der Stillhalter die Aktien gegen Bargeld abnehmen, wenn die Option eingelöst wird. Der Maximalgewinn beschränkt sich hier auf die eingenommene Prämie.

Der Handel mit Optionsscheinen

Hierbei handelt es sich um eine Art Wette über Kursschwankungen und es geht dem Anleger hauptsächlich darum, mit relativ geringem Kapitaleinsatz, große Gewinne zu erzielen. Mit Optionsscheinen kann außer auf Aktien und Rohstoffe, auch auf Anleihen, Währungen oder ganze Indizies (z.B. DAX) gesetzt werden.

  • Der Optionsschein (auch Warrant genannt) beinhaltet das vertraglich geregelte Optionsrecht. Er wurde ursprünglich in Zusammenhang mit Optionsanleihen herausgegeben, wobei aber Anleihe sowie Optionsschein als eigenständiges Wertpapier an der Börse gehandelt werden können. Er dient hauptsächlich Spekualtionszwecken. Es gibt hier zwei Varianten: Bei der europäischen Version kann nur zu einem bestimmten Zeitpunkt gekauft oder verkauft werden. Bei der amerikanischen Version kann der Anleger jederzeit, während der gesamten Laufzeit, verkaufen bzw. kaufen (in Deutschland inzwischen die Regel).
  • Die Optionsanleihe ist die Schuldverschreibung einer Aktiengesellschaft, bei der am Ende der Laufzeit der Nennwert zurückgezahlt wird. Sie wird mit einer bestimmten Anzahl von Optionscheinen herausgegeben, welche zum Bezug von Aktien berechtigen, bzw. eigenständig an der Börse gehandelt werden können.
  • Der Basiswert bezeichnet den Geschäftsgegenstand des Optionsscheins. Da bei Wetten auf Indizies nicht auf den Basiswert zurückgegriffen werden kann, wird hier bei Verkauf oder Einlösen des Optionsscheines ein Barausgleich geschaffen.
  • Der Basispreis ist der beim Kauf des Optionsscheins festgelegte Kurs für den Basiswert.
  • Der Optionskurs setzt sich aus dem Inneren Wert und dem Aufgeld zusammen.
  • Der innere Wert ist der Mindestpreis des Optionsscheines und bildet sich aus der Differenz zwischen vereinbartem Basispreis und aktuellem Kurs.
  • Anhand der Volatilität (Schwankungsbreite) kann man erkennen, wie hoch die Gewinn- oder Verlustchancen stehen. Implizite Volatilität nennt man die zu erwartenden Schwankungen, während die historische Volatilität über die Schwankungen der Vergangenheit Auskunft gibt.
  • Optionsscheine sind keine festverzinslichen Wertpapiere, also werden hier keineDividenden und keine Zinsen ausgezahlt.
  • Der Optionsschein wird an der Börse zu einem höheren Preis als dem Minimalpreis gehandelt. Dieses Aufgeld ist die Prämie dafür, daß der Anleger von den möglichen Gewinnchancen profitiert, ohne das Wertpapier direkt erwerben zu müssen. Das Aufgeld ist von den (Rest-)Laufzeiten und Gewinnaussichten abhängig, also kein festgelegter Preis. Es wird in Prozent des aktuellen Aktienkurses angegeben und wie folgt berechnet: Basispreis + Optionskurs – Aktienkurs x 100 : Aktienkurs = Aufgeld (% des Aktienkurses).
  • Mit dem Hebel berechnet man die Prozente des Kursanstiegs bzw. -abfalls der Optionsscheine, wenn sich der Aktienkurs um beispielsweise 1 % ändert. Berechnungsformel: Optionskurs + Basispreis x Anzahl der zu beziehenden Aktien : Optionskurs.

Diese Berechnungsformeln für „Hebel“, „Innerer Wert“ und „Aufgeld“ sind wichtige Hilfen für die Bewertung eines Optionsscheines. Zusätzlich werden die Gewinnchancen aber noch von Laufzeit, Volatilität, Zinsniveau und dem Verhältnis von Aktienkurs zum Basispreis beeinflußt. Eine gerechtere Preisberechnung bietet die Black/Scholes-Formel, bei der Ihnen Ihr Bankberater behilflich sein kann. Mit Hilfe dieser Formel läßt sich erkennen, ob ein Optionsschein zu einem fairen Preis gehandelt wird.

Lesen des Börsenteils zu Optionen

Im Börsenteil für Optionsanleihen wird nach drei Kategorien unterscheiden: Anleihe mit Optionsschein („cum“), Anleihe ohne Optionsschein („ex“) und Optionsschein. Die Anleihe mit Optionsschein wird meist mit „o.O.“ gekennzeichnet, während der Optionsschein unter „Aktienoptionsschein“ aufgeführt wird. Außerdem wird hier auch nach den besonderen Arten der Optionssscheine getrennt.

  • Aktienoptionsschein – Recht auf Kauf (Call) bzw. Verkauf (Put) einer Aktie (naked warrants: Optionsschein ohne Anleihe).
  • Indexoptionsschein – bezieht ich auf den Anstieg (Call) bzw. Fall (Put) eines Index (z.B. DAX, Rex, Hypax, Nikkei u.a.) und zielt auf eine Ausgleichszahlung. Der Emittent (Verkäufer) ist an seinem Kürzel zu erkennen (Erläuterungen ebenfalls im Kurszettel).
  • Währungsopotionsschein – Spekulation auf steigende (Call) oder fallende (Put) Wechselkurse, kann aber auch zur Absicherung eines Exportgeschäfts dienen. Werden in verschiedenen Währungen und meist in Paketen zu 100 oder 500 Stück ausgegeben.
  • Zinsoptionsscheine – sichern das Recht auf Kauf/Verkauf von Anleihen (meist Bundesanleihen) bzw. eine Ausgleichszahlung. Käufer setzt auf steigende/fallende Anleihekurse. Der Call verdient bei fallenden Zinsen, was steigende Kurse bedeutet. Der Put verdient bei steigenden Zinsen.
  • Covered Warrants – Berechtigung zum Bezug bereits börsennotierter Aktien, die der Verkäufer (in der Regel eine Bank) in einem Sperrdepot hinterlegt. Hier verdient der auf steigende Kurse spekulierende Anleger nur, wenn die Summe aus Optionspreis und Bezugspreis der Aktie am Ende der Laufzeit unter dem aktuellen Aktienkurs liegt.

Kursblatt Optionen an der Terminbörse:


Notierung der Aktie
In der 1. Zeile steht ein Aktienname und in Klammern eine Zahl. Das bedeutet, daß die Aktie selbst, zu dem in Klammern angegebenen Kasskurs gehandelt wurde. Optionen werden in sogenannten Kontrakten (in der Regel Pakete zu 50 Optionen) an der Terminbörse gehandelt.

Die Kauf- bzw. Verkaufsoption
In der ersten Spalte steht der Buchstabe K für Kaufoption (engl. Call) bzw. V für Verkaufsoption (engl. Put).

Die Terminangabe
Hinter dem K bzw. V stehen Ziffern von 1 – 5. Sie bezeichnen den Zeitpunkt, zu dem die nicht genutzten Optionen verfallen. Auf welchen Monat sich die Zahl bezieht, steht in den Erklärungen der Kurstabellen; z.B. wenn die Zeitung im Mai erscheint, wird in der Regel der Juni mit Ziffer 1 bezeichnet. Der feste, endgültige Termin ist immer der 3. Freitag des jeweiligen Monats.

Die Basispreise
Die 2. Spalte setzt sich aus 2 Teilen zusammen und beinhaltet 3 Zeilen. Im ersten Teil stehen am Anfang der drei Zeilen, die drei Basispreise. Der erste Basispreis der Kaufoption (K) steht unter dem aktuellen Aktienkurs und damit „im Geld“, d.h. der Anleger kann die Aktie für diesen Preis kaufen und für den aktuellen Preis weiterverkaufen. Sind Basispreis und Tageskurs (2. Zeile) ungefähr gleich, liegt die Option „am Geld“. Liegt der Basispreis höher als der Tageskurs nennt man das „aus dem Geld“. Bei den Verkaufsoptionen (V) verhält sich das genau umgekehrt.

Die Optionspreise
Gleich hinter den Basispreisen stehen der höchste Tagespreis, der niedrigste Tagespreis und der Settlementpreis (offiziell ermittelter Tagesschlußkurs), also die Optionspreise. Die letzte Zahl in dieser Reihe beziffert das Umsatzvolumen (die Zahl der gehandelten Kontrakte). Die Optionspreise betragen natürlich nur einen Bruchteil des Kassakurses, da ja nicht mit der Aktie selbst, sondern nur mit dem Recht auf Kauf bzw. Verkauf gehandelt wird.