Boersenteil Zeitung richtig lesen und verstehen


Große überregionale Tageszeitungen berichten täglich im Wirtschaftsteil über das Börsengeschehen. Für Einsteiger sind diese Kurszettel mit ihren endlosen Zahlenkolonnen sehr verwirrend. Wir wollen hier versuchen, Ihnen den nötigen Durchblick zu verschaffen.

Die verschiedenen Börsenmärkte:

  • Amtliche Notierung – Wertpapiere, die hier gehandelt werden, unterliegen äußerst strengen Auflagen. Das Unternehmen muß ein Eigenkapital von mindestens 2,5 Mio. Mark aufweisen, seit mind. 3 Jahren bestehen und mind. 25 Prozent seiner Aktien öffentlich anbieten. Emittent und Bank müssen gemeinsam den sogenannten Börsenprospekt vorlegen und beide haften für die Richtigkeit der Angaben. Außerdem muß die jährliche Bilanz, sowie alle kurs- und börsenrelevanten Entwicklungen veröffentlicht werden. Die Notierungen werden hier vom Börsenvorstand bzw. einem amtlichen Makler festgestellt.
  • Geregelter Markt – Die hier gehandelten Wertpapiere unterliegen einem etwas höheren Risiko und nicht ganz so strengen Bestimmungen. Das Mindest-Eigenkapital liegt bei 500 000 Mark und es gibt keine Altersbeschränkung für die Unternehmen. Der Börsenprospekt ist nicht so umfangreich gestaltet. Auch hier hat der Börsenvorstand die Oberaufsicht, die Kursfeststellungen werden aber von sogenannten Freimaklern notiert.
  • Freiverkehr – Hier legt die jeweilige Börse die Richtlinien selbst fest. Die Vorlage eines Börsenprospektes ist nicht erforderlich, es besteht nur eine sehr eingeschränkte Veröffentlichungspflicht. Der Börsenvorstand übt nur eine sogenannte Mißbrauchsaufsicht aus, während die Preise von den Freimaklern festgelegt werden. Hier werden hauptsächlich Aktien kleiner deutscher Aktiengesellschaften und ausländische Wertpapiere mit wenig Umsatz gehandelt.

Der Aktientitel
Der Name der Aktie steht in der 1. Spalte. Die verschiedenen Kürzel dahinter bezeichnen die Art der Aktie: St = Stammaktie, VA oder VZ = Vorzugsaktie, NA = Namensaktie. Ist dem Namen kein Kürzel angefügt, handelt es sich um eine Stammaktie. Die Bezeichnung „junge“ bedeutet, daß die Aktie zu einem niedrigeren Kurs notiert ist, da sie noch „neu“ und somit erst später dividendenberechtigt ist.

Die Dividende
In der 2. Spalte „Div.“ werden die zuletzt gezahlten Dividenden je Aktie in Markt aufgeführt. Werden dort zwei Ziffern, z.B.: 12 + 2, angegeben, handelt es sich um 12 Mark Dividende plus 2 Mark Bonus je Aktie.

Der Börsenplatz
Die 3. Spalte gibt Auskunft darüber, an welcher der acht Börsen in Deutschland das Wertpapier gehandelt wurde: B = Berlin,
Br = Bremen, D = Düsseldorf, F = Frankfurt, H = Hamburg, Hn = Hannover, M = München, S = Stuttgart.

Die Notierung
In der 4. und 5. Spalte stehen die Notierungen mit dem jeweiligen Datum. Diese sogenannten Kassa- oder auch Einheitskurse werden für ca. 50 % der Aktien nur einmal am Tag, mittags, festgelegt. Die Tageszeitungen geben den Kurs vom Vortag noch einmal zu Vergleichszwecken an.

H/T – Der Höchst- und der Tiefstkurs
Um die Entwicklung einer Aktie in den vergangen Monaten besser nachvollziehen zu können, werden auch die notierten Höchst- und Tiefstkurse angegeben. Angaben, auf welchen Zeitraum sich die Kurse beziehen, stehen meist in den Erläuterungen des Börsenteils.


Die Kurszusätze und ihre Bedeutung

a = ausgesetzt – Kurs wurde ausgesetzt (z.B: um Insiderhandel zu vermeiden).
ADR = american depositary receipt
b, bz, bez = bezahlt – Nachfrage sowie Angebot waren ausgeglichen.
B = Brief – zu diesem Kurs wollten alle verkaufen, aber keiner kaufen
bB, bzB, bezB = bezahlt Brief – mehr limit. Verkaufsangebote als Nachfrage, alle Kaufwünsche wurden erfüllt.
bG, bzG, BezG = bezahlt Geld – alles konnte verkauft werden, aber nicht alle limit. Kaufaufträge waren erfüllbar.
ebB, etw.bB = etwas bezahlt Brief – nur wenige der limit.Verkaufsaufträge wurden erfüllt.
ebG, etw.bG = etwas bezahlt Geld – nur wenige der limit.Kaufaufträge wurden erfüllt.
exB, ex BR = ohne Bezugsrecht – Kurs am ersten Tag des Bezugsrechtshandels.
ex BA = ex Berichtigungsaktien – der erste Kurs, nachdem eine AG Zusatzaktien in Grundkapital umgewandelt hat.
ex D = Kurs am letzten Tag der Dividendenausschüttung.
ex SP = nach Splitting – erster Kurs nach Teilung der Aktien.
G = Geld – zu dem Kurs bestand nur Nachfrage, keiner wollte verkaufen.
= gestrichen – es konnte kein Kurs festgestellt werden.
-B = gestrichen Brief – hauptsächlich Verkaufsaufträge, es konnte aber kein Kurs festgestellt werden.
-BT = gestrichen Brief/Taxe – der Kurs ist auf der Angebotsseite geschätzt.
-G = gestrichen Geld überwiegend Nachfrage, es konnte kein Kurs festgestellt werden.
-GT = gestrichen Geld/Taxe – Kurs ist auf der Angebotsseite geschätzt.
Kassa = Kassahandel – Kurs wird nur einmal am Tag (um die Mittagszeit) amtlich festgestellt.
m.D.G. = mit Dividendengarantie.
NA = Namensaktie.
o.D.G. = ohne Dividendengarantie.
r = rationiert, repariert – bei schwunghaftem Handel zugeteilt (nicht voller Wunsch erfüllbar); Makler stellt Ausgleichskurs fest.
StA = Stammaktie.
T = Taxkurs – es fanden keine Umsätz statt; Kurs konnte nur geschätzt werden.
v = variabler Handel – die umsatzstärksten Aktien werden während der gesamten Börsenzeit gehandelt (mit Höchst- und Tiefstkurs-Angabe vom Tage).
vNA = vinkulierte Namensaktie.
%E = Eigenkapital wurde nicht vollständig eingezahlt.

Kursblatt Optionen:

Notierung der Aktie
In der 1. Zeile steht ein Aktienname und in Klammern eine Zahl. Das bedeutet, daß die Aktie selbst, zu dem in Klammern angegebenen Kasskurs gehandelt wurde. Optionen werden in sogenannten Kontrakten (in der Regel Pakete zu 50 Optionen) an der Terminbörse gehandelt.

Die Kauf- bzw. Verkaufsoption
In der ersten Spalte steht der Buchstabe K für Kaufoption (engl. Call) bzw. V für Verkaufsoption (engl. Put).

Die Terminangabe
Hinter dem K bzw. V stehen Ziffern von 1 – 5. Sie bezeichnen den Zeitpunkt, zu dem die nicht genutzten Optionen verfallen. Auf welchen Monat sich die Zahl bezieht, steht in den Erklärungen der Kurstabellen; z.B. wenn die Zeitung im Mai erscheint, wird in der Regel der Juni mit Ziffer 1 bezeichnet. Der feste, endgültige Termin ist immer der 3. Freitag des jeweiligen Monats.

Die Basispreise
Die 2. Spalte setzt sich aus 2 Teilen zusammen und beinhaltet 3 Zeilen. Im ersten Teil stehen am Anfang der drei Zeilen, die drei Basispreise. Der erste Basispreis der Kaufoption (K) steht unter dem aktuellen Aktienkurs und damit „im Geld“, d.h. der Anleger kann die Aktie für diesen Preis kaufen und für den aktuellen Preis weiterverkaufen. Sind Basispreis und Tageskurs (2. Zeile) ungefähr gleich, liegt die Option „am Geld“. Liegt der Basispreis höher als der Tageskurs nennt man das „aus dem Geld“. Bei den Verkaufsoptionen (V) verhält sich das genau umgekehrt.

Die Optionspreise
Gleich hinter den Basispreisen stehen der höchste Tagespreis, der niedrigste Tagespreis und der Settlementpreis (offiziell ermittelter Tagesschlusskurs), also die Optionspreise. Die letzte Zahl in dieser Reihe beziffert das Umsatzvolumen (die Zahl der gehandelten Kontrakte). Die Optionspreise betragen natürlich nur einen Bruchteil des Kassakurses, da ja nicht mit der Aktie selbst, sondern nur mit dem Recht auf Kauf bzw. Verkauf gehandelt wird.