Soft Skills: Was steckt dahinter?

Soft Skills, zu deutsch „weiche Fähigkeiten“ oder besser formuliert, das Wissen um den Umgang mit Menschen und Entscheidungen. Ein anderer Ausdruck für Soft Skills, „Heartskills“, macht deutlich worum es geht. Für die Qualität der Soft Skills ist nämlich weniger der Intelligenzquotient (IQ), als vielmehr der Grad der emotionalen Intelligenz (EQ) verantwortlich.

Die emotionale Intelligenz wiederum steht in Abhängigkeit zu Persönlichkeitsstruktur und Umgebung des Individuums. Emotionale Intelligenz und somit auch die Soft Skills können trainiert werden. Je früher das „Training“ beginnt, umso leichter und schneller ist der Weg zu einer emotional ausgeglichenen Persönlichkeit.

Grundlage für die Bildung und Entwicklung der Soft Skills ist die Achtsamkeit. Die Fähigkeit eigene Stimmungen und Stimmungsnuancen, sowie die unserer Mitmenschen wahrzunehmen, ist von der Qualität des Wahrnehmungsvermögens abhängig.

Für das Verständnis von Charaktereigenschaften und Handlungsweisen von Mitmenschen, sind die nonverbalen Kommunikationsinhalte unerlässlich. Wichtig in der Alltagskommunikation ist nicht WAS gesagt wird sondern WIE es gesagt wird. Doch nicht jeder hat die Fähigkeit auch zwischen den (gesprochenen) Zeilen zu lesen.

Was versteht man unter Soft Skills?

Die folgende Liste mit Schlagwörtern & Beispielen bezüglich persönlicher Eigenschaften soll Ihnen das Verständnis des Begriffs „Soft Skills“ erleichtern.

Soft Skills Liste & Beispiele

  • Persönlichkeit (Charisma)
  • Vertrauenswürdigkeit
  • Urteilsvermögen
  • analytisches und logisches Denken
  • Empathie (Mitgefühl)
  • Einfühlungsvermögen
  • Menschenkenntnis
  • Durchsetzungsvermögen
  • Selbstbewusstsein
  • Kreativität
  • Kampfgeist
  • Teamfähigkeit
  • Integrationsbereitschaft
  • Neugier
  • Kommunikationsverhalten
  • (psychische) Belastbarkeit
  • Umgangsstil Höflichkeit
  • Rhetorik Redegewandtheit
  • Motivation, Fleiß, Ehrgeiz
  • Verhandlungsführung
  • Kritikfähigkeit
  • Koordinationsgabe /Prioritäten setzen
  • Stressresistenz
  • Selbstbeherrschung
  • Selbstdarstellung (Nervosität vor wichtigen Terminen oder öffentlichen Auftritten)
  • Konflikte und Misserfolge bewältigen können
  • Eigenverantwortung
  • Zeitmanagement
  • Organisationstalent

Biologie der „Soft Skills“

Das Gehirn ist nicht nur Zentrale unserer geistigen Fähigkeiten, auch die Emotionen werden hier gesteuert. Das menschliche Gehirn besteht aus etwa einer Billion Nervenzellen mit einer Billiarde Verknüpfungspunkten.

Ohne die Leistungen von hervorragenden Wissenschaftlern in Frage stellen zu wollen, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Forschung noch in den Kinderschuhen steckt. Bei der Erforschung des Mikro- und Makrokosmos, also der Hirn- und Weltraumforschung, gibt es durchaus Parallelen. In beiden Wissenschaften wurde, in Anbetracht des riesigen potentiellen, noch verborgenen Wissens, bisher nur an der Oberfläche geforscht.

„Entstehungsorte“ der Soft Skills sind die emotionalen Zentren, die sich in unterschiedlichen Gehirnregionen befinden. Diese emotionalen Zentren bildeten sich im Laufe von Jahrmillionen aus dem Hirnstamm, dem ältesten und primitivsten Teil unseres Gehirns. Das limbische System, das das Stammhirn direkt umringt, ist für die Grundemotionen wie Freude, Wut, Angst und Trauer verantwortlich.

Wenn Sie das nächste Mal einen Wutanfall bekommen, rufen Sie sich am besten in Erinnerung, dass Sie dabei sind einem Urgefühl freien Lauf zu lassen. Je kürzer Sie die limbischen Wallungen von Zorn und Wut gestalten können, umso besser für Sie, denn zur kreativen Problemlösung trägt diese Reaktionsform in keiner Weise bei.

Im Gegenteil, je mehr man sich in solche starken Gefühle hineinsteigert, desto weniger ist man in der Lage eine Situation objektiv zu beurteilen. Wer „vernünftige“ Entscheidungen treffen will, muss erst einmal Abstand gewinnen. Dazu ist man jedoch nicht in der Lage, solange man von den eigenen Gefühlen „gefangen“ ist.

Erst durch die Bildung des Neokortex wurde der Homo Sapiens zum „Menschen“. Hier befindet sich die Denkzentrale, hier werden auch die „feineren Gefühle“ (Eltern-Kind-Liebe, Mitgefühl, Ehrlichkeit, etc.) gespeichert und verarbeitet.

Reptilien, zum Beispiel, haben keinen Neokortex. Bei ihnen gibt es keine Mutter-Kind-Bindung, im Gegenteil: Sind die Jungen erst einmal geschlüpft müssen sie sich in Acht nehmen um nicht von den eigenen Eltern gefressen zu werden.

Softskills in der Schule und Erziehung

Fundamentale Soft Skills wie Durchsetzungsvermögen, Ausdauer, Fleiß, Selbstbeherrschung fließen in den meisten Fällen ohnehin in die Erziehung mit ein. In den USA gibt es Schulen, in denen das Fach „Self Science“ schon auf dem Lehrplan steht. Hier werden die Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt. Emotionale Fähigkeiten und soziales Verhalten werden geschult.

Bei uns ist die Erziehung, die Betonung auf emotionale Intelligenz eher „Nebensache“. Kinder, die bei der Entwicklung der persönlichen / emotionalen Fähigkeiten nicht von den Eltern unterstützt werden, können auch nicht unbedingt auf Hilfe in der Schule rechnen.

Natürlich gibt es glücklicherweise viele Lehrer, die den pädagogischen Ehrgeiz haben, ihren Schülern neben dem reinen intellektuellen Wissen auch „moralische Werte“ mit auf dem Weg zu geben. Doch „offiziell“ ist niemand wirklich zuständig.

Auch an Hochschulen spricht man in diesem Zusammenhang gerne von Fähigkeiten, die man sich „neben dem Studium“ aneignen sollte. Noch wird zu wenigen Studenten Gelegenheit gegeben, schon während des Studiums, an Veranstaltungen zur Stärkung der sozialen Kompetenz und emotionalen Intelligenz teilzunehmen.

Für sehr viele Arbeitnehmer und Bewerber stehen Bewusstwerdung und Schulung der Soft Skills erst in einem Assessment-Center auf dem Programm. Hier werden die Soft Skills der einzelnen Teilnehmer zunächst analysiert.

In der Anfangsphase halten die Teilnehmer, in der Regel, einen kurzen Vortrag über sich selbst und nehmen an einer kontroversen Gruppendiskussion teil. Hierbei werden sie von Experten beobachtet die sie im Anschluss beurteilen und die Programmschwerpunkte entsprechend der Anfangsanalyse gestalten.

Ganz wichtig im Berufsleben ist die Selbstbeherrschung, hier geht es nicht um Unterdrückung/ Verdrängung von Gefühlen, sondern um den konstruktiven Umgang damit. Techniken der Gefühlskompensation sollten je nach individuellem „Grundcharakter“ erlernt werden.

Seminare im Soft-Skill-Bereich wie z.B. Kommunikations-, Verkaufs-, Rethorik- und Konflikttrainings sind in den meisten Fortbildungsprogrammen stark vertreten.

Hard Skills und Soft Skills

Soft Skills – aus unternehmerischer Sicht versteht man darunter vor allem die Fähigkeiten eines Menschen, die bei der Personalwahl gerne mit „Persönlichkeit“ umschrieben und von Personalleitern immer kritischer beäugt werden. Gemeint sind damit Sozial- und Methodenkompetenzen, die Fähigkeit, mit anderen Menschen zielgerichtet zu kommunizieren sowie teamorientiert zu denken und zu handeln.

„Wozu denn Soft Skills in Unternehmen?“ Haben Sie sich diese Frage auch schon mal gestellt? Der Münchner Lernmedienproduzent Qualification network GmbH beschäftigt sich seit 8 Jahren mit der didaktischen Vermittlung von Soft Skills und geht dieser Frage auf den Grund:

Beziehungen zwischen Menschen in Firmen spielen sich stets auf zwei Ebenen ab. Der Ansatz der zwei Ebenen lässt sich als ein Eisberg symbolisieren. Die Sachebene, die den Hard Skills entspricht, ist die Spitze des Eisbergs, sie ragt immer aus dem Wasser heraus.

Die persönliche Ebene ist die weitaus größere und befindet sich unter Wasser, ist also nicht sofort sichtbar. Hier geht es darum, wie wir miteinander umgehen, fühlen und denken und welche Wertvorstellungen, Motive und Bedürfnisse wir haben. Diese Ebene betrifft den Bereich der Soft Skills. Der nicht sichtbare, unter Wasser liegende Teil eines Eisbergs war der Grund für das Sinken der Titanic.

Analog zu diesem Bild ist auch die Beziehungsebene die häufigste Ursache für Schwierigkeiten innerhalb von Teams. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Wenn man diese Ebene erkennt und hier den Umgang miteinander vereinbart, kann die Beziehung und die Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehreren Menschen gut funktionieren. Mit anderen Worten: Soft Skills lassen sich trainieren.

Das Bewusstsein hierfür ist jedoch in deutschen Unternehmen – ganz im Gegensatz zu US-amerikanischen Firmen – noch nicht sehr ausgeprägt, denn Soft Skills rangieren derzeit auf Rang vier der „Hitliste“ für Weiterbildungsmaßnahmen. Hard- und Softwaretrainings, Kompetenzen im kaufmännischen Bereich oder technisches Wissen stehen nach wie vor an vorderster Front.

Das beweist, dass die Vermittlung von Hard Skills hierzulande immer noch dominant ist. Dabei ist erst die Kombination bei der Fähigkeiten ein Garant dafür, das gesamte Potenzial eines Unternehmens freizusetzen. Denn was nützt es, wenn man über genügend Know-How verfügt, Hightech-Computer zu produzieren, aber nicht weiß, wie man sie seinen Kunden verkaufen und auf deren wirkliche Bedürfnisse eingehen kann?