Pessimismus: Was Schwarzseher versäumen

Positiv denken ist unrealistisch. Diese Meinung herrscht vor. Der Umkehrschluss ist, dass negatives Denken der Realität näher kommt. Pessimismus ist eine ungute Logik, die Sie ausbremst.

Positives Denken heißt nicht rosarote Brille

Realistisch sollen Sie sein! Alles nur rosarot färben funktioniert nicht. Die Einstellung „alles Schlechtes hat auch ein Gutes“ ist zwar sehr hilfreich, lässt sich aber nicht ohne weiteres verinnerlichen. Für Menschen, die sich in einer unangenehmen Situation wiederfinden, wirkt es wie blanker Hohn, wenn sie eine positive Seite erkennen sollen.
Und tatsächlich ergeben sich häufig erst im Rückblick die positiven Aspekte. Wenn sich der emotionale Wirbelsturm gelegt hat.

Warum negatives Denken schlecht für Sie ist

Definieren wir „negatives Denken“. Eine sehr deutliche Variante ist hier die wilde Spekulation, was alles Schlimmes passieren könnte. Schon einmal eine Nacht nicht geschlafen, weil Sie ein Gespräch vor sich hatten, bei dem Sie kein gutes Gefühl hatten? Kennen Sie die kreativen Ideen, wenn sich wilde Spekulationen Bahn brechen („dann sagt er bestimmt dies und dann macht er bestimmt jenes und dann passiert sicher …“).

„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ Wie recht Wilhelm Busch hatte!

Denn im Rückblick ist eine Situation meist ganz anders und vor allen Dingen um einiges einfacher, als Sie sich in Ihren wildesten Gedanken ausmalten.

Was passiert ist, dass Sie bei Pessimismus und negativen Denken nicht nur Ihre Stimmung massiv beeinträchtigen, Angst bekommen und sich Ihre Befürchtungen auch schlecht auf Körper und Seele auswirken, Sie „polen“ sich auch falsch.

Lösung: sich auf den Ausweg zu fokussieren

Autofahrer lernen im Sicherheitstraining, dass sie sich auf den Ausweg konzentrieren: die natürliche Reaktion ist es, auf das Hindernis vor sich zu blicken, weil von ihm die Gefahr ausgeht. Wenn Sie sich jedoch auf den Ausweg, also den Platz neben dem Hindernis, konzentrieren, erhöhen Sie Ihre Chancen, auszuweichen.

Warum? Das, worauf Sie sich konzentrieren, wirkt stärker auf Ihre Reaktion.

Kennen Sie Menschen, die immer und überall einen Parkplatz bekommen? Und andere, die stundenlang kreisen müssen? Auch hier ist es weniger das Glück und der Zufall als vielmehr wie Sie Ihre Gedanken und Aufmerksamkeit ausrichten.

Eine Freundin von mir gehört zu denen, die immer und überall Parkplätze bekommen. Meist noch direkt vor der gewünschten Haustür. Ich hatte zehn Jahre Zeit, mitzubekommen, was ihr Geheimnis ist: Sie konzentriert sich auf den Erfolg, natürlich bekommt sie einen Parkplatz. Dadurch ist sie nicht nur immer blendender Stimmung auch wenn sie noch einmal um den Block fahren muss, sie achtet auch auf die Anzeichen. Dort geht jemand auf dem Gehsteig: fährt der weg? Ist das da vorn nicht eine Lücke, obwohl es aussieht wie eine Einfahrt?

Ich auf dem Beifahrersitz habe oft genug diese Details übersehen. Weil ich besonders in Gegenden, wo ich weiß, dass es schlecht zu parken ist, mich immer wieder resigniert einem „hier ist es eben schlecht zu parken“ hingebe und unbewusst den Elan zum Suchen verliere.

Auf Erfolg gepolt!

„Das kannst Du nicht, das schaffst Du nicht, lass das sein!“ Ein Spruch aus der Kindersendung Rappelkiste. Wenn Sie schon sicher sind, daß Sie scheitern, wirken Sie entsprechend. Stellen Sie sich einen Stabhochspringer vor, der sich auf die Latte konzentriert und in dessen Kopf ein Sprechchor skandiert „das schaff ich nicht , niemals!“. Glauben Sie, er kommt über die Latte?

Ähnlich ist es im täglichen Leben, vor allen Dingen auch im Berufsleben. Ein Projekt oder ein Gespräch, bei dem Sie den negativen Ausgang vermeintlich bereits kennen, wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch ungut enden. Weil Sie sich entsprechend verhalten. Sie wollen eine Gehaltserhöhung? Sicher gibt Ihnen ihr Chef wieder keine. Der Maier hat eine bekommen, dabei ist der erst viel kürzer da. Und Ihr Chef ist sowieso ungerecht. Typischer Arbeitgeber. Viel zu geizig, um Ihnen Ihre verdiente Erhöhung zu geben …. und so geht es weiter und weiter.

Nutzen Sie Ihre Energie lieber dazu, sich zu überlegen, warum Ihnen Ihr Chef eine Gehaltserhöhung geben sollte!

Wenn Sie schon so sicher sind, dass Sie diese Aufbesserung verdienen, dann haben Sie dafür ja einiges geleistet. Was? Was ist die Motivation für Ihren Chef, Ihnen das Gehalt zu erhöhen? Wenn Sie Ihre Probleme so angehen, haben Sie ein Bündel positiver Ergebnisse:

  • Sie fühlen sich gut und freuen sich auf das Gespräch, mit dem Sie sich eine Gehaltsaufbesserung erhoffen
  • Sie analysieren sich selbst und die Gründe, die dafür sprechen, daß Sie eine Aufbesserung bekommen, dadurch sind Sie für das Gespräch hervorragend vorbereitet und können Ihrem Chef auch plausibel darlegen, wieso Sie die Erhöhung verdienen
  • Sie gehen gelöst in das Gespräch und nicht verkrampft und womöglich sogar böse, weil Sie denken, sie wüssten, wie Ihr Chef reagiert

Und abgesehen davon, dass sich Ihre Stimmung und die des Gespräches enorm bessert, erhöhen sich Ihre Chancen, zum Ziel zu kommen, um ein Vielfaches.

Was ist jetzt realistischer? Positiv oder negativ?