Was ist Coaching eigentlich? 8 Antworten

Die Antwort zu dieser Frage setzt sich aus vielen Aspekten zusammen, da Coaching nicht auf eine Methode reduziert werden kann. Für den Fall, dass Sie einen Coach suchen, finden Sie in diesem Artikel Hinweise darüber, was Sie erwarten können, was Sie leisten sollten und wie Sie einen guten Coach finden.
Wenn Sie selber coachen möchten, finden Sie hier Basiswissen, das Sie durch eigene praktische Erfahrungen verfeinern koennen.

Definition Coaching – Was ist es und was ist es nicht?

Coaching ist eine Wegbegleitung. Der Mensch wird in seiner einzigartigen Individualität erkannt und gefördert. Im Coaching werden die Begabungen und Möglichkeiten des Klienten deutlich gemacht. So wird „das Beste“ im Menschen geweckt, der Erfolgsweg erkannt und der Coach erinnert immer wieder an den „richtigen Pfad“. Oft entsteht die Frage:

Was ist eigentlich der Unterschied zur Beratung, zum Training oder zur Therapie?
Was ist der Unterschied von Coaching und Beratung?

In der Beratung weiß der Berater das, was der Kunde nicht weiß. Der Kunde schildert sein Problem, der Berater präsentiert eine Lösung. Diese Lösung entspricht oft dem Verständnis und Weltbild des Beraters. So gibt es sehr viele gute Beratungskonzepte, die nie in die Tat umgesetzt werden, da sie letztendlich nicht auf den Kunden abgestimmt waren.

Der Coach geht davon aus, dass der Klient die für ihn beste Lösung selber weiß bzw. entwickeln kann. Der Coach hilft dem Klienten bei dieser Entwicklung. Die Lösung des Problems, die durch ein Coaching entsteht, entspricht voll und ganz dem Klienten und ist für diese nach seinem Selbstverständnis umsetzbar.

Der Coach geht davon aus, dass der Klient die beste Lösung bereits in sich trägt!

Was ist der Unterschied von Coaching und Training?
Ein Training dient dazu, eine Methode bzw. Fähigkeiten zu erlernen. Die Methode, die der Mensch lernen soll, steht im Vordergrund. Diese wird trainiert, bis sie vom Kunden beherrscht wird. Beim Coaching steht der Mensch im Mittelpunkt. Hier wird entweder die Technik gefunden, die für den Klienten die beste ist oder eine individuelle Lösung entwickelt, die ihm entspricht.

Beim Coaching steht der Mensch im Mittelpunkt!

Was ist der Unterschied von Coaching und Therapie?
Die Psychotherapie arbeitet im Allgemeinen mit der Vergangenheit, der Ursachenforschung. Hier finden wir Erklärungen, warum wir uns in welcher Situation wie verhalten bzw. fühlen.

Coaching ist zukunftsorientiert. Im Coaching wird eine vergangene Situation beleuchtet, um die Lösung zu entwickeln. Wir fragen also in erster Linie nicht: WARUM fühle ich mich in der Situation schlecht? Sondern vielmehr: WAS kann ich tun, um mich zukünftig besser zu fühlen und meine Ziele zu erreichen. Das neue Verhalten muss trainiert werden, bis es verinnerlicht ist. Auch dabei hilft Coaching.

Coach (engl.) = 1. Kutsche, 2. Lehrer, 3. Trainer

Ein Coach bringt uns auf den Weg (Kutsche), gibt notwendige Hinweise (Lehrer) und spornt uns an, unser Bestes zu geben (Trainer).
Kurz:

Coaching unterstützt auf dem Weg zu persönlichem Erfolg!

Die Grundhaltung im Management, Business oder Personal Coaching

Für ein erfolgreiches Coaching ist die Grundhaltung – die Lebensanschauung – des Coachs von großer Bedeutung. Der Coach muss sich seines ethischen Verständnisses bewusst sein, da dies maßgeblich die Qualität der Gespräche bestimmt. Das Menschenbild des Coachs ist das Fundament auf dem sich das Coaching entwickelt.
Alle Menschen sind gleichwertig und gleichtberechtigt. und: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Der Coach muss den Klienten in seiner Individualität achten und würdigen. Auch muss er sich der Würde seiner eigenen Person bewusst sein (Selbstachtung). Dem Menschen in Achtung und Würde zu begegnen bedeutet:

  • ihn anzunehmen, wie er ist – mit seinen Schwächen und Stärken.
  • ihm mit Achtsamkeit zu begegnen.
  • seine Bedürfnisse und Grenzen beachten.

Nur ein Coach mit Selbstachtung kann auch seine Klienten beachten. Jeder Mensch hat aufgrund seiner individuellen Fähigkeiten seine ganz besondere Aufgabe.
Ein Coach muss wissen, dass jeder Mensch mit konstruktiven Anlagen zur Welt kommt, die ihn befähigen zu wachsen und sich als Person zu verwirklichen. In Art und Wesen des Menschen findet sich seine Aufgabe und damit sein Potential, seine Chancen.

In der Praxis bedeutet das: Der Coach weiß um die Entwicklungsmöglichkeiten jedes Menschen, insbesondere um die des Klienten. Das ist besonders wichtig, wenn der Klient aufgrund einer persönlichen Krise seinen Weg nicht mehr sieht. Hier bleibt der Coach eindeutig.
Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich. und Jeder Mensch kann über sich selbst entscheiden.
Der Coach darf dem Klienten keine Entscheidungen „abnehmen“ oder ihn aus der Verantwortung für sein Handeln entlassen.

Es gibt Menschen, die sich einen Coach als eine Art „Guru“ suchen. Dieser Guru soll ihm dann sagen, was richtig oder falsch, gut oder schlecht ist; was er tun soll; wie er sich verhalten soll. Dieses Guru-Schüler-Verhältnis darf nicht zugelassen werden, da sich er Mensch – aus der Verantwortung entlassen – in die Abhängigkeit zu einer Person begibt.

Dieser Grundsatz betont auch die Tatsache, dass der Mensch niemand anderem für sein Denken, Handeln und Fühlen die „Schuld“ zuweisen kann. Was sich hier einfach anhört, findet in unserer Gesellschaft kaum Umsetzung. Es schein völlig „normal“ zu sein, für alles einen „Sündenbock“ zu finden. Hier hat der Coach die Aufgabe, immer wieder auf die Selbstverantwortung des Einzelnen hinzuweisen.

In welcher Situation kann Coaching helfen?

Coaching kann grundsätzlich in allen Fragen des beruflichen und persönlichen Lebens helfen. Im Coaching geht es darum, Befähigungen zu entwickeln. Die Persönlichkeit wächst durch eine bewusstere Haltung und das praktische Umsetzen.

Zum Beispiel geht es nicht darum, einen bestimmten Führungsstil zu erlernen, sondern eine Führungspersönlichkeit zu sein!
Beispiele aus dem Coaching-Alltag:

  • Ein Abteilungsleiter will sein Team zu größerer Leistungsbereitschaft führen. Er stellt seinen Führungsstil in Frage.
  • Eine Mutter möchte berufstätig sein und weiß nicht, wie sie Job und Familie vereinbaren kann.
  • Ein Sachbearbeiter wird von seinen Kollegen missachtet. Mobbing?
  • Ein Unternehmensberater steckt „mitten in der Karriere“ und befürchtet, seine Familie zu verlieren.
  • Eine Ingenieurin kann sich trotz fachlicher Qualifikation bei ihren überwiegend männlichen Kollegen nicht behaupten.
  • Die Angestellte hat eine Geschäftsidee, aber Angst vor der Selbständigkeit. Bin ich eine Unternehmerin?
  • Mein Partner betrügt mich. Ist das das Ende der Beziehung?
  • Der Projektleiter kann sich in Besprechungen und Meetings nicht durchsetzen. Karrierebremse.

u.s.w….

Die Qualifikation und Aufgaben eines Coachs

Da jeder Mensch Stärken und Schwächen hat, kann auch Ihr Coach keine „EierlegendeWollMilchSau“ sein. Dennoch sollte Ihr Coach fachliche und menschliche Voraussetzungen mitbringen.

Persönliche Qualifikation

Die Persönlichkeit des Coachs, seine „menschliche Qualifikation“ (siehe Grundhaltung) sowie die Sympathie zwischen Coach und Klient sind entscheidend für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Verlassen Sie sich hier auf Ihre Intuition. Spricht der Coach Ihre Sprache? Fühlen Sie sich angesprochen? Versteht er, wovon Sie reden?

Fachliche Qualifikation

Die fachliche Qualifikation ist eher zweitrangig, da die Problematik des Klienten meistens nicht im fachlichen Knowhow zu finden ist. Der SAP-Vertriebsmann kennt den Markt, der Abteilungsleiter kennt die Betriebsabläufe, die Personalsachbearbeiterin weiß um die gesetzlichen Regelungen.

Dennoch muss der Coach betriebs- und marktwirtschaftliche sowie unternehmerische Kenntnisse haben. Er sollte aus eigener Erfahrung wissen, wie ein Unternehmen funktioniert, welche Kommunikationswege für den Betriebsablauf notwendig sind und wie die Branche des Klienten „tickt“. Fragen Sie einfach nach seinen beruflichen Erfahrungen.

Was macht ein Coach?

Ein Coach unterstützt Sie bei der Persönlichkeitsbildung – meist in Verbindung mit Themen der Berufswelt.

Hierzu stellt er Gewohnheiten, Sichtweisen, Lebenseinstellung und bestehende Strukturen in Frage, um Veränderungen zu ermöglichen.
Die Qualität des Coachings steht und fällt mit der Reife und der Risikobereitschaft des Coachs. Dadurch, dass er den Klienten konsequent an seine Selbstverantwortung erinnert, „riskiert“ er möglicherweise eine ablehnende Haltung. Hier bleibt der Coach eindeutig und konsequent. Er bietet damit den konstanten Part, der – neben der Aufforderung zu Veränderungen – dem Klienten die benötigte Sicherheit bietet.

Ein Coach hört Ihnen zu und versteht Sie (Empathie).
Ein Coach stellt Ihnen Fragen, die Sie zu Nachdenken anregen (führt Sie zur Selbsterkenntnis).
Ein Coach findet mit Ihnen Lösungen und vertraut Ihren Fähigkeiten.

Um dies leisten zu können, darf der Coach seine eigene Charakterbildung nicht vernachlässigen. Er muss die eigenen Werte und Prinzipien leben, mit den eigenen Schwächen und Stärken umgehen können.

Eine weitere wichtige Fähigkeit ist die „Ego-Leere“ während des Coachings. Der Coach muss völlig auf den Klienten konzentriert sein, d.h. frei von eigenen Wünschen. Was sich hier leicht anhört, ist in der Konsequenz eine enorme Herausforderung.

Als Coach sollten Sie…

  • …nicht zu viele eigene Erfolgsgeschichten erzählen. Das kann zwar unterhaltsam sein und stärkt ihr eigenes Selbstgefühl, bringt Ihren Klienten jedoch nicht weiter.
  • …den Klienten nicht zu einem bestimmten Verhalten drängen oder ihm die „immer-richtig“-Lösung präsentieren. Damit projizieren Sie Ihre persönliche Weltanschauung und können Chancen die darüber hinausgehen nicht erkennen.
  • …dem Klienten auf keinen Fall das Gefühl geben: „Du bist nicht OK, aber ich sorge schon dafür, dass du gut wirst!“ Das fördert lediglich Ihr persönliches Selbstgefühl.

Ein guter Coach stellt viele Fragen!

Was macht der Coachee (Klient)?

Anstelle des üblichen Begriffs „Coachee“ bevorzugen wir die Bezeichnung „Klient“.

Zu Beginn stellt sich der Mensch seiner eigenen Erkenntnis, dass „etwas nicht stimmt“, dass er etwas verändern möchte. Dieses Bewusstsein ist der allererste Schritt, ohne den ein Coaching nicht zustande kommt.

Dann findet er seinen Coach. Dieses „finden“ kann über Empfehlung oder die Medien geschehen. Die meisten Coaches bieten ein erstes Kennenlern-Gespräch (ca. 20 Minuten) kostenfrei an. Hier kann festgestellt werden, ob „die Chemie stimmt“. Auch dient es dazu, die Rahmenbedingungen festzulegen.

Nachdem sich beide einig geworden sind, muß der Klient in erster Linie seine Bereitschaft bewahren:
Die Bereitschaft, bekannte und vertraute Denk- und Verhaltensmuster in Frage zu stellen.
Oft möchten wir Menschen neue Denkmuster einfach ablehnen, weil wir das bisherige als das einzig Richtige anerkennen. Immer wieder müssen Sie sich im Coaching auf die Gedankenspiele einlassen:

  • Was wäre wenn ….?
  • Wäre es möglich, dass …?
  • Was muss passieren, damit …?

Die Bereitschaft, NOT-wendige Veränderungen zu erarbeiten und diese umzusetzen.
Die bekannte „Hölle“ erscheint vor der Konsequenz des unbekannten „Himmels“ oft behaglich.

Die Umsetzung neuer Verhaltensweisen braucht Konzentration und Kraft. Wir müssen uns immer wieder üben. Das ist wie mit dem Zähneputzen.

Wenn sie kleinen Kindern zuschauen, wie sie sich darum bemühen müssen, jeden Zahn mit dieser unhandlichen Bürste zu säubern – und das über Monate! … bis diese schwierige Technik zur Routine geworden ist.

Stellen Sie sich vor, Sie hätte mit 4 Jahren, diese Bemühungen aufgegeben!

Die bekannte „Hölle“ erscheint vor der Konsequenz des unbekannten „Himmels“ oft behaglich.

Die Umsetzung neuer Verhaltensweisen braucht Konzentration und Kraft. Wir müssen uns immer wieder üben. Das ist wie mit dem Zähneputzen.

Jeder Veränderungsprozess durchläuft kritische Phasen. Der Klient ist in seinem Alltag gefordert, alte Verhaltensmuster zugunsten des Notwendigen abzulegen. Das kann schmerzvoll sein und geht oft nur in kleinen Schritten. Hier gibt es Etappen der Sinn- und Mutlosigkeit, in denen der Coach stärkt und stabilisiert. In diesen Phasen braucht der Klient Durchhaltevermögen.
Die Bereitschaft, sich an den persönlichen Erfolgen zu freuen.
Die Erfolge wahrnehmen und als solche anerkennen. Der Blick auf das, was wir erreicht haben, wird Kraft geben, dass zu leisten, was noch vor uns liegt. Deshalb ist es im Coaching auch ganz wichtig, immer wieder die Erfolge zu betrachten und sich daran zu erfreuen.

Welches Konzept hat Coaching?

Für den dauerhaften Erfolg ist ein kontinuierlicher Zyklus wichtig. In der Regel dauert das erste Coaching-Gespräch 2 – 4 Stunden, jedes weitere Gespräch 1 – 2 Stunden. Zu Beginn und während starker Veränderungsphasen sind wöchentliche Treffen zu empfehlen. Zur dauerhaften Unterstützung der gewünschten Verhaltensänderung genügt später ein Gespräch im Monat.
Das Coaching-Gespräch sollte in angenehmer, ruhiger und geschützter Atmosphäre stattfinden. Der Klient muss zur Ruhe kommen können und sich wohl fühlen.

Im Coaching-Online (per eMail oder Telefon) sollte der Klient selbst für diese Atmosphäre sorgen.

Da Coaching keine Technik ist, gibt es keine „optimale“ Gesprächsstruktur, keine „normale“ Sitzung. Der rote Faden ist in dem Thema des Klienten zu finden. Der Coach hat die Aufgabe, diesen roten Faden im Auge zu behalten, die Entwicklung zu fördern und deutlich zu machen.

Was ist das Ergebnis des Coaching?

Das Coaching schafft Befähigungen. Man könnte auch von „Schlüsselqualifikationen“ sprechen.

Hierzu gehören so abstrakte Begriffe, wie soziale Kompetenz, emotionale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit, Führungsqualifikation, Teamfähigkeit, Kreativität, etc. etc.

Letztendlich ist das wesentliche Ergebnis des Coachings, dass der Mensch seine Aufgaben und Chancen erkennt und um das richtige Handeln weiß. Das kann bedeuten:

  • Der Klient setzt seine Führungsaufgaben gezielter und verantwortlicher um.
  • Der Klient realisiert Projekte beim Kunden erfolgreicher, weil kundenorientierter.
  • Als Existenzgründer findet er den Mut zur Umsetzung seiner Geschäftsidee.
  • Der Klient verbessert sein Selbstmanagement, um mehr Harmonie in Beruf und Privatleben zu bringen.

u.v.m.

Wenn Sie den Unterschied zwischen dem Anlernen von Methoden und dem Erarbeiten von Befähigungen betrachten, erkennen Sie das Wesentliche am Coaching.

Herzliche Grüße

Ihre Heike Kretz

PS: Mit „der Coach“ bzw. „der Klient“ bezeichne ich Personen beider Geschlechter. Ich bitte die Frauen um Verständnis dafür, dass ich zu Gunsten der Lesefreundlichkeit auf die zusätzliche Erwähnung der weiblichen Form verzichtet habe.