Angst und Stress am Arbeitsplatz

Dass sich viele Arbeitnehmer in ihrem beruflichen Umfeld mit Ängsten herumquälen, ist kein allzu großes Geheimnis, ebenso wenig, dass diese Ängste Stress auslösen können. Der Umgang mit diesem sensiblen Thema ist jedoch nach wie vor schwierig, was besonders an der starken Leistungsorientierung in diesem Bereich liegt. Viel zu häufig wird Angst deswegen als Schwäche ausgelegt, was zu zwei Problemen führen kann:

  • Der Betroffene behält seine Schwierigkeiten für sich
  • Der Betroffene geht offen damit um und wird von Kollegen daraufhin nicht länger als vollwertiges Teammitglied akzeptiert

In beiden Fällen ist keine Besserung der Situation zu erwarten, sondern das Gegenteil.

Damit ein drittes Szenario eintreten kann – der Betroffene spricht seine Probleme an und stößt auf Verständnis und Hilfe – muss ein Arbeitsklima herrschen, das noch viel zu selten anzutreffen ist, aber eigentlich Standard sein sollte. Zwar ist ein Arbeitsplatz keine soziale Einrichtung, dennoch sollte es im Interesse aller sein, dass sich jeder Einzelne wohlfühlt.

Jeder muss sich der Situation bewusst sein

Um den Ängsten seiner Kollegen entgegenwirken zu können, muss man sich zunächst einmal bewusst machen, welche das sind. Am häufigsten genannt werden hierbei:

  • Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes
  • Angst vor Krankheiten
  • Angst vor Mobbing
  • Angst vor Kollegen/Vorgesetzten
  • Angst davor, Fehler zu machen

Besonders anhand der letzten beiden Punkte wird deutlich, wie sehr es vom Arbeitsumfeld abhängt, ob Ängste einzelner Mitarbeiter stetig wachsen oder ob sie diesen genommen werden. Herrscht im Allgemeinen ein Hang zum Perfektionismus, kommt es in der Regel zu einer Verstärkung der Ängste. Werden permanent – ob von innen oder von außen – zu hohe Ziele gesetzt, steigt zudem der Stresslevel.

Aus Angst wird Stress

Nun ist Stress per se nichts Schlechtes – im Gegenteil. In einem gewissen Maß kann er sich sogar positiv auf die Leistungsfähigkeit und die Produktivität auswirken. Tritt er jedoch in einem schlechten Umfeld auf, hat er diverse negative Auswirkungen.

Arbeiten werden hastig und fahrig ausgeführt, erledigte Aufgaben werden unnötigerweise mehrfach kontrolliert, man gönnt sich keine Pausen mehr, plant seine Tage schlecht und macht deutlich mehr Fehler als sonst.

Auch außerhalb des eigentlichen Arbeitens zeigen sich Auswirkungen. Von Stress betroffene Arbeitnehmer greifen häufiger zu aufputschenden oder beruhigenden Mitteln und ernähren sich tendenziell schlechter als sonst. Mahlzeiten werden regelrecht verschlungen, und oft handelt es sich dabei um ungesunde Gerichte.

Zudem leidet die Sozialkompetenz. Im Umgang mit Kollegen zeichnen sich gestresste Mitarbeiter oftmals durch Gereiztheit aus. Ebenfalls keine Seltenheit ist unterwürfiges Verhalten oder das komplette Vermeiden jeglicher persönlicher Kommunikation.

Erst dauerhafter Stress macht krank

So schlimm das alles klingt: Normalerweise kann der Körper auch diesen Stress verarbeiten, so dass es zu einer Besserung in all den beschriebenen Punkten kommt. Wirklich problematisch wird die Lage erst dann, wenn man nicht genügend Erholungsphasen bekommt, um den auf der Arbeit erlebten Stress auszugleichen. Und genau das trifft auf viel zu viele Arbeitsplätze zu, weswegen viele Berufstätige in einer Dauerschleife gefangen sind, die sich immer weiter zuzieht.

Bedingt durch das Stresshormon Cortisol leidet das Immunsystem betroffener Menschen, so dass sie deutlich anfälliger für Krankheiten werden. Darüber hinaus kommt es zu Erschöpfungszuständen, die im schlimmsten – aber keineswegs seltenen – Fall zum Burnout führen.

Den körperlichen Beschwerden, die der Stress auslöst, wird häufig keine psychische Ursache zu Grunde gelegt – aus Angst, als schwach zu gelten. Stattdessen redet man sich eine körperliche Ursache ein, so dass wenn überhaupt Symptome behandelt werden, während die eigentliche Wurzel dieses Übels weiterhin prächtig gedeiht.

Gegenmaßnahmen müssen von allen Seiten kommen

Sowohl für den Arbeitgeber als auch für Kollegen und die Betroffenen selbst gilt es, dieser Entwicklung frühzeitig entgegenzusteuern beziehungsweise sie im Idealfall gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Es ist an allen Beteiligten, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sich jeder wohl und wertgeschätzt fühlt und in der vor allen Dingen Fehler erlaubt sind. So werden Ängste Einzelner gelindert, anstatt sie zu verstärken. Nur wenn jeder das Gefühl hat, offen über Probleme reden zu können, ist es möglich, diese zu lösen.

Auch der Betroffene selbst sollte Maßnahmen ergreifen, um sich aus seiner misslichen Lage zu befreien und wieder mit Freude zur Arbeit kommen zu können. Dazu gehören:

  • Eine klare und unmissverständliche Kommunikation
  • Ein ruhiges und bestimmtes Auftreten
  • Annahme von Kritik und Eingestehen von Fehlern
  • Das angemessene Üben von Kritik
  • Nein sagen können
  • Eine positive Körpersprache

Viele der Maßnahmen kann man nicht von jetzt auf gleich umsetzen, wenn man erst einmal in der Negativspirale gefangen ist. Bekommt man jedoch Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten, kann man gemeinsam an den beschriebenen Problemen arbeiten und sie schließlich dauerhaft aus der Welt schaffen.