Ist Kaffee nun gesund oder ungesund?

Keine Frage: Kaffee ist der Muntermacher der Nation. Bis heute sind etwa 1000 chemische Verbindungen im Röstkaffee identifiziert worden (Rohkaffee ist ungenießbar), viele weitere sind noch unbekannt.

Wie kennen also weder die exakte chemische Zusammensetzung, noch wissen wir genau, was in unserem Körper vor sich geht, wenn wir Kaffee konsumieren. Dennoch: Hat man erst einmal angefangen Kaffee zu trinken, will man nicht mehr darauf verzichten.

Für die belebende Wirkung des Kaffees ist das pflanzliche AlkaloidKoffein (Trimethylxanthin) verantwortlich.

Kaffeesträucher sind nicht die einzigen Pflanzen, die Koffein enthalten, auch Teesträucher, Kolanuss, Mate-Sträucher, Guarana und viele andere Pflanzen sind koffeinhaltig. Koffein fungiert hier als natürliches Insektizid, es beeinträchtigt das Nervensystem der Insekten. Aus diesem Grund bleiben sie koffeinhaltigen Pflanzen fern.

Die Menschen reagieren anders, längst hat das „Nervengift“ Koffein einen festen Platz in unserem Alltag gefunden. Vielleicht war es sogar die Kaffeebohne, die den Menschen Europas den nötigen Antrieb gab, das „dunkle Mittelalter“ hinter sich zu lassen.

Schneller denken mit Kaffee?

Das menschliche Gehirn „verwechselt“ Koffein mit Adenosin. Die Adenosinrezeptoren im Gehirn geben normalerweise hemmende Impulse weiter, wodurch die Zellen langsamer mit Sauerstoff versorgt werden, was Müdigkeit und Trägheit zur Folge hat. Koffein blockiert diese Rezeptoren, die Weichen werden weg von Entspannung, hin zu Aktivität gestellt.

Durch Koffein werden die Blutgefässe im Gehirn ein wenig erweitert, wodurch die Großhirnrinde mit mehr Sauerstoff versorgt wird. Die Großhirnrinde ist der „neueste“ Teil des menschlichen Gehirns: alles was das „Menschsein“ ausmacht – Intellekt, Sprache, Gefühle (emotionale Intelligenz) – ist hier angesiedelt.

Man kann also behaupten, dass Kaffee die Denkgeschwindigkeit beschleunigt, die Aufmerksamkeit erhöht, das Sprachzentrum aktiviert und die Reaktionszeit verkürzt. In welchem Maße dies geschieht ist von der individuellen Konstitution und der Tagesform abhängig.

Man kann jedoch nicht behaupten, dass diese Wirkung nur mithilfe von Kaffee erreicht werden kann. Abgesehen von Tee (Teein ist übrigens mit Koffein identisch), der etwas schwächer und langsamer wirkt, bringt ein ordentlicher Morgenlauf oder sonstiger Frühsport durchaus vergleichbare Resultate.

Die anregende Wirkung des Kaffees hat ihren Höhepunkt nach 30 bis 60 Minuten erreicht und hält 4 bis 6 Stunden an. Viel hilft nicht viel: Mit zwei bis drei Tassen kann man die eigene „Funktionstüchtigkeit optimieren“.

Trinkt man aber zuviel Kaffee auf einmal, erreicht man gerade das Gegenteil: die Konzentration lässt nach, das Wohlbefinden schwindet.

Folgen von Kaffeekonsum

Nicht umsonst steht Koffein auf der Dopingliste des Internationalen Olympischen Komittees, IOC: Eine Konzentration von mehr als 12 mg pro Liter im Harn bewirkt einen positiven Test. Dieser Wert wird bereits mit etwa 6 Tassen Kaffee erreicht; so mancher „Büro-Sportler“ wäre da schnell disqualifiziert.

Dennoch spricht man in Hinsicht auf Kaffeegenuss nicht von Sucht-, sondern von Gewöhnungsgefahr. „Entzugserscheinungen“ können Kopfschmerzen, Müdigkeit, Antriebsschwäche und/oder eine miese Gemütsverfassung sein.

Koffein aktiviert nicht nur die Durchblutung des Gehirns, das gesamte Nervensystem wird stimuliert, Blutdruck und Körpertemperatur steigen an, Herztätigkeit, Stoffwechsel und Atmung werden beschleunigt.

Ab einer Koffeindosis von etwa 300 mg kann es zu Händezittern, Nervosität und Schweissausbrüchen kommen. Mit etwa 100 Tassen Kaffee auf einmal kommt man in den Bereich der tödlichen Dosis („der goldene Schluck“). Der Redaktion liegen keine Informationen über Todesfälle durch übermäßigen Kaffeegenuss vor.

Eine weitere Folge des Kaffeekonsums ist ein Anstieg der Harnausscheidung. Koffein regt die Nieren an und hemmt gleichzeitig die Rückresorption von Mineralstoffen. Um Wassermangel und Dehydration vorzubeugen, ist es absolut empfehlenswert zu jeder Tasse Kaffee ein Glas Wasser zu trinken.

Ist Kaffe gesund oder ungesund?

Inwiefern Kaffee das Auftreten verschiedener Krankheiten verhindert, verlangsamt oder begünstigt ist Inhalt vieler wissenschaftlicher Studien.

Das Risiko an Parkinson zu erkranken ist fünf mal geringer, wenn man regelmäßig Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke trinkt. Hierbei ist jedoch nicht auszuschließen, dass zu Parkinson neigende Menschen von vornherein keinen Kaffee trinken möchten oder können.

Die Rate der an Gelenkrheumatismus Erkrankten hingegen, ist bei „normalen“ Kaffeetrinkern (durchschnittlich vier Tassen am Tag) doppelt so hoch wie bei Menschen, die gar keinen Kaffee trinken.

Das Osteoporose-Risiko ist geringer als bisher vermutet. Dennoch sollten Frauen in der postmenopausalen Phase darauf achten, genügend Calcium zu sich zu nehmen.

Menschen mit Herzproblemen sollten ihren Kaffeekonsum kontrollieren, ein bis zwei Tassen am Morgen können in der Regel nicht schaden. Der plötzliche Verzicht auf Kaffee kann mehr „Schaden“ anrichten, als die vermeintlich gesunde Abstinenz.

Für Herz und Kreislauf ist Filterkaffee gesünder als gebrühter Kaffee oder Espresso, da das Diterpen Cafestol, das für den Anstieg der Cholesterinwerte verantwortlich ist, so herausgefiltert wird.

Bei Personen, die zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag trinken, ist das Risiko Gallensteine zu bekommen um 40% geringer. Trinkt man mehr als vier Tassen am Tag sinkt die Risikowahrscheinlichkeit sogar um 55%.

Abschließend möchten wir noch anmerken, dass die pharmakologische Wirkung von Kaffee, je nach Individuum und vor allem je nach begleitenden Lebensumständen (Stress, Rauchen, Alkohol, etc.) sehr unterschiedlich sein kann.