Loslassen lernen für den Neuanfang

Veränderung gehört zu unseren Leben dazu wie das Atmen. Dennoch können wir uns schwer auf manche Veränderungsprozesse einlassen, wir wollen dieses oder jenes Ereignis nicht wahrhaben. Erst wenn wir loszulassen können, ist dies die Basis für den Neuanfang.

Loslassen

Loslassen lernen ist die Grundlage für den Neuanfang

Das Leben an sich ist Veränderung

Von der Geburt bis zum Tod muss jeder Mensch mit Veränderungen in seinem Leben fertig werden. Wir werden geboren, lernen laufen und sprechen, kommen in die Schule.
Nach der Schule kommt das Studium oder Berufsleben, dann die Karriere, Job. Wir verlieben uns, heiraten, bekommen Kinder – oder auch nicht. Trennen uns wieder – oder auch nicht. Wir werden älter, müssen uns mit Krankheiten auseinandersetzen. Das sind jetzt schon so viele Veränderungen, die wir zwangsläufig alle in unserem Leben durchlaufen müssen.

Ständig sind wir dem Wandel des Lebens unterworfen. Wir können aber schwer akzeptieren, dass Schicksalsschläge zu unserem Leben gehören, dass wir sie sogar herbeigezogen haben, bewusst oder unbewusst. Wollen nicht akzeptieren, dass der Tod zum Leben dazu gehört. Ohne Tod gäbe es kein Leben.

Es beginnt der Kampf gegen das Unvermeidliche, und der Kampf ist das allerschwerste am Prozess, er macht alles nur noch sehr viel schwerer.  Erst wenn wir aufgeben, unsere Illusionen loslassen, haben wir gewonnen. Wir können die Situation akzeptieren und die nötigen Schritte zur Veränderung einleiten.

Trennung

Trennung ist ein hartes Thema für uns Menschen – es ist sehr schmerzbesetzt. Wenn wir schon in früher Kindheit getrennt waren von unseren Eltern, dann kann es zu Störungen und großer Angst bei Trennungsprozessen kommen. Oder wir lassen uns erst gar nicht auf neue Erfahrungen ein, weil wir schon Angst vor der Trennung haben.

Wir erleben immer noch tiefe alte Gefühle mit jedem Trennungsprozess. Doch  diese Gefühle sind in der heutigen Situation nicht mehr angemessen. Es sind die Schmerzen aus der Kindheit, die sich mit den neuen Gefühlen mischen. Der Körper lebt oft emotional in der Vergangenheit, meist haben die Emotionen nichts mit der Gegenwart und den betroffenen Menschen zu tun.

Wenn wir lernen, anzunehmen, dass es sich auch um alte Gefühle handelt, dann können wir diese Gefühle erlösen und loslassen . Es macht uns wieder etwas freier.

Trennung von Beziehungen

Wir Menschen treffen uns  im Leben, um in eine gemeinsame Richtung zu gehen. Etwas gemeinsam zu erleben. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, da trennen sich die Wegrichtungen. Und dann ist eine Trennung unvermeidbar. Es sei denn, ein Partner entwickelt sich nicht weiter. Dann entstehen sehr ungesunde Gleichgewichte, denn der Partner, der zurücksteckt, wird unbewusst sehr ärgerlich auf den anderen, und auf sich selber. Im günstigsten Fall führt es zu Verletzungen, Vorwürfen und Wutausbrüchen. Es ist dann mit Streit und viel Ärger verbunden. Irgendwann ist dann eine Trennung nicht mehr aufzuhalten.
Im schlechtesten Fall richtet sich die Wut gegen sich selber. Dann führt es zu Krankheiten oder Geldmangel.

Trennung durch Tod

Der Verlust eines geliebten Menschen ist sehr traurig.. Wir verlieren die Liebe und Aufmerksamkeit eines Menschen.
Eigentlich ist es ein sehr egoistischer Vorgang, denn wir trauern um den Verlust der Zuneigung des anderen. Und dennoch ist eine Zeit der Trauer sehr wichtig für uns. Nehmen Sie sich Zeit für die Trauerphase. Weinen Sie, wenn es ihnen möglich ist, soviel sie können.

  • Stellen sie sich mal vor sie könnten einen Menschen sterben lassen und sich darüber freuen, dass er erlöst wird von Qualen und Schmerzen.
  • Stellen Sie sich mal vor, der Mensch verlässt ja nur seine Körperhülle und lebt woanders als Energie ganz fröhlich weiter. Sammelt neue Erkenntnisse und kommt dann irgendwann auf die Erde zurück, um ein erfüllteres Leben zu führen.

Trennung von Kindern

Auch unseren Kindern müssen wir gestatten sich von uns zu lösen. Notfalls müssen wir helfen den Prozess zu unterstützen. Sorgen Sie dafür, dass auch Ihre Kinder zu freien und erwachsenen Menschen werden.

Trennung bedeutet auch getrennt sein von jemandem. Doch das sich getrennt fühlen ist lediglich eine Illusion. In Wirklichkeit sind wir verbunden mit allen Menschen. Und zu erkennen, dass jede Trennung eine neue Chance für alle Beteiligten ist, das ist wohl großes Glück. Jede Trennung macht uns Menschen freier und gibt uns neue Möglichkeiten.

Vorzeichen für den nötigen Neuanfang

Wir tun uns besonders schwer, wenn wir denken die schwierigen Situationen werden von außen an uns herangetragen, und wir müssen jetzt darauf reagieren. Tatsächlich haben wir zu lange gewartet bis der Leidensdruck so hoch war, um endlich die nötigen Schritte für einen Neuanfang einzuleiten, oder andere haben die Situation hergestellt.

Deutliche Vorzeichen für einen Neubeginn in unserem Leben sind oft: Krankheiten, Dauerstress auf der Arbeit, Umstrukturierungen auf der Arbeit, Entlassungen von Arbeitskollegen, ständiger Streit mit dem Partner, finanzielle Schwierigkeiten.

Übersehen wir die Signale wird sich die Situation immer mehr verschlechtern bis es für uns keine Möglichkeit mehr gibt auszuweichen. Wir müssen dann loslassen und erkennen, es ist so, wie es ist.

Man nennt diese Phase auch das „Tal der Tränen“. Wir müssen da durch und dann erst tritt Erleichterung ein.  Das Akzeptieren der Situation, oder das loslassen der Illusionen, gibt uns ganz viel Energie um die neuen Schritte einzuleiten.

Das Akzeptieren und Annehmen der Situation ist bereits der erste Schritt

Warum gehören Veränderungen zu unserem Leben dazu ?

Das Leben ist einem Wandel unterworfen, ohne Veränderungen in unserem Leben gäbe es keine Entwicklung, es wäre kein Fortschritt möglich. Wir würden auf der Stelle treten, wenn es keine Veränderungen in unserem Leben gäbe. Veränderungen führen uns insgesamt zu einer besseren Lebensqualität. Trotzdem  stehen wir einem Neuanfang immer erstmal negativ gegenüber. Wir wollen die alten Situationen behalten. Obwohl wir alle wissen, unser Leben wird reicher und schöner, wenn wir loslassen und akzeptieren was passiert. Auch der Tod gehört zum Leben dazu. Wir müssen lernen zu akzeptieren, dass geliebte Menschen uns verlassen, und das auch eines Tages wir sterben werden. Ein Menschenleben ist eben nur sehr kurz.

Loslassen lernen: ein Prozess, der 4 Phasen durchläuft:

Loslassen ist vom Grunde her so einfach und in der Umsetzung doch so schwer:

Loslassen können von Dingen, Illusionen, Menschen bedeutet zu akzeptieren, dass wir nicht das bekommen haben, was wir uns gewünscht hatten.

Wenn wir zulassen können, dass es so ist, wie es ist, und nicht anders – dann hat die Qual ein Ende. Der tiefe Schmerz, die Traurigkeit über die verlorene Illusion kann jetzt Platz nehmen. Wir können ihr den nötigen Raum geben und danach kommt die neue Energie.

Übung zum Loslassen lernen:

  1. Akzeptieren: es ist wie es ist
  2. Den Schmerz tief fühlen
  3. Abschied – gehen lassen
  4. Neue Energie

In der  Phase drei Abschied und gehen lassen, ist es günstig die Atmung zur Unterstützung zu wählen: Tief einatmen, den Atem an einer Stelle im Körper für einen kurzen Moment festhalten und dann mit einem Ruck den Atem ausstoßen. Diese Atemübung sollte mehrmals durchgeführt werden. Danach spüren sie sofort eine Erleichterung.

Hartnäckige Themen kommen wieder. Der Prozess des Loslassens wird wieder von vorne gestartet, manchmal dauert es eine Weile bis uns ein schmerzhaftes Ereignis endlich verlassen hat. Zwischen Schmerz und neuer Freude werden die Abstände mit jedem Loslassen kürzer.  Das bedeutet der Schmerz wird immer kleiner, und die Freude über die neu gewonnene Freiheit wird größer.

Nach dem Loslassen haben Sie Energie für einen Neuanfang

Neuanfang

Veränderungsprozesse, die wir selber einleiten möchten sollten vor Beginn gründlich geprüft werden. Haben wir die richtige Ausrüstung für einen Neuanfang?

  • Verfügen wir über genügend Wissen?
  • Was muss im Umfeld berücksichtigt werden?
  • Welche Probleme müssen zunächst überwunden werden?
  • Was muß für das Neue aufgegeben werden?
  • Welche anderen Lebensbereiche werden betroffen?
  • Welche Hindernisse können auftreten, wenn wir mal in die Zukunft vorauseilen?

Ein Projekt was nicht genügend durchleuchtet wurde und zum Scheitern verurteilt ist, wird an unserem Selbstwertgefühl nagen. Das dürfen wir nicht übersehen. Es kostet viel Energie, die sinnlos verpufft.

Allerdings können wir nicht alles bis ins kleinste Detail planen, das wäre perfekt. Und perfekt ist kein Mensch. Es werden immer Hindernisse auftreten, die wir nicht sehen konnten oder wollten, und überwunden werden müssen. „Der Weg ist das Ziel“

Grafik: Ablauf eines selbsteingeleiteten Veränderungsprozesses 

Neunanfang

Die einzelnen Phasen des Prozesses

Phase I
In der Orientierungsphase ist die Motivation sehr hoch. Wir sind voller Power und haben richtig Lust auf das schöne neue Projekt, oder was auch immer in unser Leben will. Eine Liebesbeziehung z. B. durchläuft genau die selben Phasen.

Phase II
Die Ernüchterungsphase holt uns auf den Boden der Tatsachen zurück. Ängste Ohnmacht, Zerstreuung holen uns ein. Wir zweifeln an unserer Kompetenz, oder noch lieber an der Kompetenz der Anderen.  Es ist eine Phase der Schuldverteilung. In dieser Phase ist es sehr wichtig die Selbstverantwortung für den Neubeginn zu sehen. Denn mit allem was passiert haben wir zu tun. Es ist auch sehr wichtig  zu trennen, was ist mein Ding und was gehört nicht in meine Verantwortung. Ganz andere Lebensbereiche, als die, die  wir verändern wollen werden in Mitleidenschaft gezogen. Beispiel: Wir wollen eine neue berufliche Existenz gründen, aber zunächst bewegt sich das Alte erst einmal heftig in eine Richtung, die wir jetzt überhaupt nicht brauchen können. Oder wir verlieben uns ganz plötzlich, das passiert tatsächlich sehr häufig, dann, wenn wir dafür doch eigentlich keine Zeit haben.
Das ist schon Teil des Neuanfangs, es ist alles in Bewegung.

Achtung Schubladeneinordnung! 😉
Es gibt drei Typen von Menschen:

  • Typ A  Haben für nichts die Schuld
  • Typ B  Haben für alles die Schuld
  • Typ C  Übernehmen für Ihren Teil die Verantwortung

Phase III
In der Grafik ist es sehr deutlich zu sehen, die Entwicklungsphase ist ein steiler Berg. Jetzt wird weiter viel Kraft benötigt. Ein ehrlicher Umgang mit uns selber ist sehr von Vorteil. Hier zeigen sich unsere Schwächen und Stärken. Eventuell ist jetzt Hilfe notwendig, weil wir es alleine nicht schaffen.
Vertrauen und Zuversicht sind in dieser Phase Qualitäten, die uns helfen den Weg weiter zu gehen.
In dieser Phase scheitern die meisten Menschen und geben leider auf.
Die Gründe hierfür sind sehr unterschiedlich:

  • Zu hochgesteckte Ziele
  • Zu viel auf einmal
  • Schwächen werden nicht erkannt
  • Hilfe wird verweigert, oder erst gar nicht gefordert
  • Das Ziel entspricht nicht mehr der gegenwärtigen Situation

Phase IV
Das ist die Phase des Feierns. Erfolge können öffentlich gezeigt und genossen werden. Wir können uns Fehleinschätzungen eingestehen. Das Selbstwertgefühl ist durch den Prozess gewachsen. Wir dürfen uns freuen. Das wird übrigens oft versäumt, an dieser Stelle innezuhalten und zu geniessen.

Die Phasen dauern je nach Projekt, was alles zu bewältigen ist von einem Monat bis Jahre.  Aber jedes Projekt wird von Erfolg gekrönt sein, wenn es täglich in unserem Leben Berücksichtigung findet, ganz egal wie lange es dauert.

Übung zum Thema Neubeginn / Entscheidungsfindung

Erinnere Dich bitte an Situationen aus der Vergangenheit.

Welche wichtigen Veränderungsprozesse hast  Du schon durchlaufen?
Was ist passiert damals – vor der Entscheidung etwas Neues zu wagen , und nach der Entscheidung?

Schreibe alles auf was Dir dazu einfällt und befasse Dich nochmal ca. 1/2 Std. mit der Vergangenheit

Jetzt komme in die Gegenwart

Welcher wichtige Schritt steht für Dich jetzt an? Was ist zur Zeit aktuell bei Dir?
(Projektbezogen und das nähere Umfeld nur einbeziehen)

Schreibe alles auf was Dir dazu einfällt und befasse Dich nochmal ca. 1/2 Std. mit der Gegenwart.

Jetzt gehe in die Zukunft

Wie wird es Dir in der Zukunft mit Deiner Entscheidung gehen?
(Träume so ca. 5 – 10 min. Deine Wunschvorstellung)

Schreibe alles auf was Du im Traum gesehen, gerochen, gefühlt, gehört hast, und befasse Dich nochmal ca. 1/2 Std. mit der Zukunft