Das virtuelle One-to-One Marketing sucht den fehlenden "persönlichen
Kontakt" beim Verkaufsgespräch in erster Linie durch "Personalisierung"
zu ersetzen. Die Anbieter verschanzen sich hinter Datenbanken, die,
im Idealfall, von den Kunden selbst gefüttert werden.
Das Thema "Personalisierung" wollen wir aus der Nutzerperspektive
ausleuchten. Die dafür vorgenommene Unterteilung der Nutzer in drei
Gruppen, differenziert nach dem Ausmaß ihres Mißtrauens bzw.
Vertrauens gegenüber digitalen Verkaufspraktiken, scheint uns
die Webrealität am besten widerzuspiegeln.
Der arglose Nutzer
Für den arglosen Nutzer steht "Personalisierung" für
eine persönliche, individuelle Selektion seines "Geschmacks". Produkte
und Informationen (Werbeeinblendungen) sind auf ihn und seine Bedürfnisse
zugeschnitten (ob dies aufgrund eigener Angaben so ist, oder ob Tracking-Feinarbeit
der Anbieter dafür verantwortlich sind, ist dem arglosen Nutzer einerlei).
Der arglose Nutzer hat sich seine eigene "kleine Welt" im Web
aufgebaut und findet es gut "persönlich" angesprochen zu werden und
sich nicht mehr selbst durch das Informationsdickicht des WWW
schlagen zu müssen.
Diese Nutzergruppe dürfte zum Beispiel von dem Angebot von promio.net
ziemlich angetan sein: hier kann man sein "persönliches Profil" höchstpersönlich
erstellen. Man bekommt dann nicht nur auf den Leib zugeschnittene Werbung,
sondern wird auch noch mit 50% am Gewinn beteiligt, den die eigenen Daten
bei der Weiterverwertung bringen (schon mit der eigenen Anmeldung beginnt
der Geldsegen: es regnet einen ganzen €, für die Vermittlung von
Freunden gibt's 50 Cent Vermittlerbonus).
Der etwas misstrauische Nutzer
Dieser hat schon mal keine Lust irgendwelche Online-Formulare
auszufüllen, sei es aus Faulheit oder sei es aus Mißtrauen gegenüber
dem Umgang mit seinen persönlichen Daten.
Dass auch vermeintlich seriöse Online-Versandhändler es mit
dem Datenschutz nicht ganz so genau nehmen, bzw. versuchen ihn zu umgehen,
wann immer das möglich ist, ist auch dem etwas mißtrauischen
Nutzer klar.
Dieser Nutzertyp wird am Online One-to-One Marketing höchstens
insofern partizipieren, als er sich die "persönliche" Homepage
bei Amazon gefallen lässt oder auf seinen Informationsbedarf abgestimmte
Newsletter abonniert.
Wie es sich für Gruppierungen um die "Mitte" gehört, ist diese
Gruppe am größten. Viele ihrer Mitglieder dieser Gruppe machen
sich sowohl über zu arglose als auch über zu misstrauische User
lustig, doch damit wollen sie nur eigene Unsicherheiten überspielen.
Der misstrauische Nutzer
Dieser wird selbst das Hefezopfrezept der Großmutter verschlüsseln,
wenn es drauf ankommt und in seinen Augen kann es immer drauf ankommen.
Der misstrauische Nutzer meldet sich so gut wie nirgends mit (richtigem)
Namen und anderen persönlichen Daten an.
Auf misstrauische Kunden kann der Online-Handel noch am ehesten "verzichten",
denn das sind in der Regel die, die sich schon nach der ersten unerwünschte
Werbemail vehement zur Wehr setzen und den Kundenservice mit lästigen
Fragen löchern.
Außerdem wollen sie die anderen Usergruppen davon überzeugen
wie gefährlich der unbedachte Umgang mit dem Internet sein kann und
sie tun gut daran. In Wahrheit sind die etwas misstrauischen Nutzer froh,
dass es diese vorsichtige Spezies gibt. Also macht bitte weiter!