An der Vorsicht vieler deutscher Unternehmen
bezüglich des E-Commerce können auch markige Pioniersprüche
wie "Wer jetzt nicht einsteigt, kommt nicht mehr ins Boot.", etc. nichts
ändern. Gerade zu Zeiten, in denen voraussichtlich nicht einmal die
Hälfte der Neugründungen im Internet-Bereich überleben
wird, ist der viel beschimpfte Pessismus hierzulande verständlich.
Nicht ganz so verständlich dagegen
ist das Zögern von etablierten "Offline-Unternehmen" sich eine
angemessene Präsenz im Internet zu verschaffen. Die Unternehmen könnten
das Internet zumindest zur Selbstdarstellung nutzen, ihre Chance auf einen
Eintrag in dem "Telefonbuch der Zukunft" wahrnehmen.
Am 1. Juli trat in Deutschland das neue
Fernabsatzgesetz
in Kraft. Es ist jedoch fraglich ob eine nationale Gesetzgebung dem Markt
ohne Grenzen, und das ist der E-Commerce auf jeden Fall, einen annehmbaren
rechtlichen Rahmen geben?
Der europäische Rat billigte im Juni
den Aktionsplan "e €pe 2002". Danach sollen bis zum Ende dieses
Jahres alle "Lücken" in den Gesetzen zum E-Commerce gestopft und die
einzelnen Gesetzgebungen "europäisiert" werden. Hierbei wird die Erhebung
der Mehrwertsteuer wohl die grössten Schwierigkeiten mit sich
bringen, da grosse Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten der EU zu
verzeichnen sind (von 15 % in Luxemburg, bis 25 % in Schweden und Dänemark).
Beim B2B-Handel sollen die Käufer
die Steuer in ihrem Land abführen, beim B2C-Geschäft soll
die Steuer in dem Land anfallen, in dem der Anbieter seinen Sitz hat. Dies
könnte zur Folge haben, dass E-Commerce-Anbieter ihre Standorte in
Niedrigsteuer-Länder, wie beispielsweise Luxemburg, verlegen.
Auch die USA wären dann noch
interessanter, dort ist der gesamte Online-Handel seit 1998 von Steuern
befreit. Gegen diese Steuerfreiheit formiert sich derzeit jedoch
eine regelrechte Protestbewegung, die E-Fairness-Coalition. Umfragen
ergaben dass 65 % der Amerikaner es unfair finden nur von "realen" aber
nicht von virtuellen Geschäften Steuer zu kassieren. Einige Gouverneure
befürchten empfindliche Steuerverluste, doch vor den nächsten
Wahlen wird es hier kaum zu einer Entscheidung kommen.
Electronic- und Mobile Commerce werden
sich in €pa erst dann richtig etablieren, wenn eine globale Gesetzgebung
gefunden ist. Der erste Schritt in diese Richtung ist getan: das Problem
ist erkannt worden und wird diskutiert, zum Beispiel dieses Wochenende,
auf dem G-8Gipfeltreffen in Japan. Mit Sicherheit werden E- und M-Commerce
noch eine Menge nationale und europäische Steuergesetze durcheinanderwirbeln,
bevor eine zufriedenstellende Lösung gefunden ist.
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