Die falsche Frage stellen
„Wer hat Erfahrung mit Outsourcing – und welche?", las
ich kürzlich im Expertendienst wer-weiss-was.de in der Rubrik „Jobs".
Eine Rückfrage per email, mit welchem Hintergrund
diese Frage gestellt wurde, ergab, daß derjenige sich gerne selbständig
machen wollte und an praktischen Erfahrungen interessiert war, um seinem
Chef Argumente dafür zu liefern, einen Teil der Arbeit auszulagern
und an seine neu gegründete Firma abzugeben.
Ein Vorgehen, das in dieser undifferenzierten Form überhaupt
nichts bringt. Nur zu fragen „Wer hat Erfahrung mit xyz" ohne den Hintergrund
zu erwähnen, bringt nichts. Oder glauben Sie, der betreffende Chef
lagert einen Teil seiner Firma aus, weil er einen Stapel ausgedruckter
Emails mit allgemeinen Statements über Outsourcing vorgelegt bekommt?
Zu globale Fragen stellen
„Wie bewerbe ich mich richtig?" – Diese Frage wurde ebenfalls
in einem Fragenforum geposted. Ein Unding! Stellen Sie keine zu globalen
Fragen. Sie laufen Gefahr, die falschen oder gar keine Antworten zu bekommen.
Sich richtig zu bewerben, ist ein sehr komplexes Thema.
Geht es um die schriftliche Bewerbung – um welche Aspekte dabei? Geht es
um die telefonische Bewerbung? Geht es um das Bewerbungsgespräch?
Geht es ums Drumherum, wie die richtige Kleidung, das Foto, etc.
„Mal eben" auf diese Frage zu antworten geht überhaupt
nicht.
Keine Frage: Sie werden Antworten bekommen. Aber Sie möchten
doch – gerade, wenn Sie in einem allgemeinen Umfeld nachfragen – eine möglichst
hilfreiche und individuelle Antwort bekommen und praktikable Tipps für
sich selbst erhalten.
Das „Zuwenig
Informationen rausrücken"-Syndrom
Meist geschieht es unabsichtlich: Der Fragende gibt zuwenig
Informationen weiter. Auch wenn er Informationen darüber hat, die
eine schnellere Antwort ermöglichen würden.
Ein schönes Beispiel sind Fragenforen im Internet.
So wird beispielsweise sehr häufig nach Musiktiteln gefragt. Da heißt
es dann zum Beispiel:
„Wer kennt dieses Lied: in der Mitte kommt ‚lord
gimme shelter‘ vor."
Mehr steht da nicht. Dabei wäre es einfacher für
alle Leser, auch zu wissen, ob das Musikstück von einer Band oder
einer Einzelperson gesungen wird, ob von einem Mann oder einer Frau, welcher
Musikstil es ungefähr ist. Die Person, die dieses Lied sucht, hat
diese Informationen. Warum stehen sie nicht dabei?
Geben Sie immer alle Informationen weiter, die Sie bereits
haben. Sie könnten relevant sein, auch wenn Sie sie selbst anders
einschätzen.
Ein schönes Beispiel aus dem Berufsleben sind hier
Computerprobleme. „Mein Computer geht nicht mehr. Was kann ich tun?" Eine
Frage, die Computerabteilungen und sonstige Kollegen ständig gestellt
bekommen. Und auf die Frage „Was hast Du denn gemacht?" kommt ein verteidigendes
„Nichts!" Das Gegenüber kann Ihnen so beim besten Willen nicht helfen
– merken Sie sich, an welcher Stelle der Computer den Geist aufgegeben
hat. In welchem Programm waren Sie? Was ist geschehen? Welche Fehlermeldung
kam? Was haben Sie anschließend schon an Selbsthilfe versucht? Wenn
Sie diese Informationen weitergeben, erhöhen Sie die Chance, daß
Ihnen schnell geholfen wird, enorm.
Das „Sie kennen den
Mörder"-Syndrom
Sie suchen eine Lösung, glauben aber die Antwort
schon zu kennen. Deshalb stellen Sie eine ganz spezifische Frage, die auf
eine bestimmte Antwort hinausläuft, anstatt Ihre Problematik klarzumachen.
Auch hier möchte ich wieder den Computerbereich bemühen: Häufig
verlangen Firmen beim Stricken individueller Programme bestimmte Funktionen.
Anstatt den Computerfachleuten die Zusammenhänge zu erklären
und darzulegen, was das Programm können muß und warum, wird
oft einfach verlangt, es „so und so zu realisieren".
Sie nehmen sich dadurch Chancen auf eine noch bessere
Lösung – oder gar auf die richtige Antwort.
Die falsche
Person fragen bzw. das „Gießkannen"-Syndrom
Häufig steht der richtigen Antwort auch im Weg, daß
die falsche Person gefragt wird. Oder zuviele Leute gleichzeitig gefragt
werden.
> Zuvielen Leuten dieselbe Fragen stellen.
Ich hatte Kollegen, die der Reihe nach dieselbe Frage
an alle möglichen Mitarbeiter gestellt haben. Bis sie schließlich
genau die Antwort bekamen, die sie eigentlich gerne hören wollten.
Ob diese richtig war oder nicht, war offensichtlich zweitrangig.
Wenn Sie zuvielen Leuten dieselbe Frage stellen – auch
wenn es nicht aus dem eben genannten Grund ist, dann laufen Sie Gefahr,
durch die Vielfalt der Antworten verwirrt zu werden. Und Sie verärgern
Ihre Kollegen: Wenn diese mitbekommen, daß Sie nach dem Gießkannen-Prinzip
vorgehen, fühlen Sie sich zurecht veräppelt. Glauben Sie ihnen
etwa nicht? Oder wieso ziehen Sie von einem zum anderen? Ganz abgesehen
davon, daß Sie auch deren Zeit nicht respektieren, wenn Sie mehrere
Kollegen mit derselben Frage behelligen.
> Die falsche Person fragen.
Auch schon mal passiert, daß Sie mit Kollegen über
eine Sache spekuliert haben? „Warum haben wir denn diese und jene Regelung?"
„Welche Auswirkungen hat es wohl, daß wir von der Firma xy aufgekauft
wurden?" ...
Anstatt die richtige Person zu fragen – und das ist häufig
der eigene Vorgesetzte – wird mit nicht direkt involvierten Menschen diskutiert
und wild spekuliert.
Wenn Sie sich mit Kollegen einfach so unterhalten wollen,
ist das natürlich etwas anderes. Aber wenn es Sie wirklich interessiert,
was der Grund für eine firmeninterne Regelung ist – oder wenn Sie
befürchten, daß die Auswirkungen beispielsweise einer Firmenübernahme
für Sie negativ sein könnten, dann sollten Sie sich an die Person
wenden, die Ihnen diese Antwort geben kann. Oder sie zumindest für
Sie herausfindet.
Tipps
Beschäftigen Sie sich immer etwas mehr mit der Frage,
bevor Sie sich auf die Suche nach einer Antwort machen. Und am effektivsten
ist Ihr Resultat, wenn Sie nicht nur eine Frage formulieren, sondern außerdem
schildern:
-
Was ist meine Situation/mein Problem?
-
Was ist meine Idee dazu und warum?
-
Wie läßt sich die Sache am besten lösen?
So können Sie das Fachwissen der Menschen, die Sie zu
Rate ziehen, am effektivsten nutzen und die Antworten bekommen, die Ihnen
wirklich hilfreich sind.
(c) Gitte Härter, objektiv. Management & Lebensqualität,