Um
selbständig zu werden, muß man durchaus nicht immer
ein völlig neues Unternehmen gründen. Gerade der
Kauf
eines Betriebes, dessen Inhaber selbst keinen Nachfolger hat, ist eine
überaus interessante Möglichkeit:
Fast 700.000 westdeutsche Unternehmen stehen derzeit zur Disposition,
denn die Gründergeneration der Nachkriegszeit ist in die Jahre
gekommen. Die meisten dieser Unternehmer sind heute um die 60 Jahre alt,
haben nur zu einem geringen Anteil einen Nachfolger in der eigenen
Familie und möchten sich in den nächsten Jahren zur Ruhe setzen.
Besonders betroffen ist das Handwerk, wo in den kommenden fünf
Jahren alleine in rund 200.000 Betrieben ein Generationswechsel
ansteht.
Die Deutsche Ausgleichsbank schätzt, dass bei einem Viertel
der Betriebe nach dem heutigen Stand die Suche nach einem geeigneten Nachfolger
erfolglos bleiben wird - hierbei ist allerdings als Erklärung anzumerken,
dass eine Vielzahl von Betrieben einem Nachfolger einfach keine wirtschaftlich
tragfähige
Existenzbasis bieten kann !
Die Übernahme eines Betriebes wird nun in einigen Publikationen
als besonders risikoarme und einfache Art der Existenzgründung angesehen.
Das Konzept scheint erprobt, die Kunden sind vorhanden, das Personal weiß,
was es zu tun hat.
Die Wahrheit ist: Eine Übernahme ist oft viel schwieriger als eine
Neugründung. Überdurchschnittlich viele Insolvenzen treten
nach Betriebsübernahmen auf !
Mittelständische Unternehmen sind in der Regel durch ihre Besitzer
geprägt. Wechselt dieser, ändert sich (fast) alles im und
um den Betrieb. Oft gehen gute Kunden-Kontakte des Seniors verloren,
neue müssen erst aufgebaut werden.
Häufig muß auch das Konzept, das Geschäftsfeld
des Unternehmens ganz neu bestimmt werden. Dafür wiederum sind nicht
selten Entwicklungsleistungen und / oder Investitionen erforderlich,
um neue Produkte zu schaffen oder "eingefahrene" Produkte oder deren Herstellung
auf den neuesten Stand der Technik zu bringen.
Trotzdem gilt: Eine gründlich geprüfte und durchgeplante
Übernahme eines bestehenden Betriebes hat gegenüber einem
Start-up "von Null" an wesentliche Vorteile. Und praktisch alle
denkbaren Risiken und Fehler einer derartigen Transaktion lassen sich bei
einer professionellen Vorbereitung ausschließen bzw. verhindern.
Dies ist absolut vergleichbar mit den echten Neugründungen
- schlecht vorbereitet, mangelhaft geplant und gestartet mit einem Defizit
an Know-How ist man auch dann oft rasch zum Scheitern verurteilt.