Was genau ist Streß eigentlich? Physiologisch betrachtet ist Streß
ist biochemische Reaktion unseres Körpers auf außergewöhnliche
Situationen. Wenn immer etwas Bedrohliches auftaucht oder etwas besonders
aufregend ist, reagiert unser ältester Gehirnteil - das sogenannte
"Reptiliengehirn" - indem er bestimmte Botenstoffe aussendet,
die es uns möglich machen, mit diesen ungewöhnlichen Situationen
besser umzugehen. Genau das nehmen wir dann als Streß wahr. Eigentlich
ist das für uns überhaupt kein Problem. Nur wenn wir zu oft
im Streß sind, kann es zu körperlichen und seelischen Problemen
kommen. Eines müssen wir uns aber klarmachen: Streß ist eine
sinnvolle Reaktion unseres Körpers.
Streß sichert unser Überleben
Die körperliche Streßreaktion macht es uns möglich, auf
eine gefährlichen Situation besser zu reagieren. Das passiert ganz
automatisch, ohne daß wir darüber nachdenken müssen. Und
das ist auch gut so. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden jedes
Mal, wenn Sie mit Ihrem Auto bremsen müssen, erst überlegen,
ob Sie das auch wirklich tun sollen. Nein, Sie reagieren in einem solchen
Fall automatisch und damit vor allem auch schnell. Unser Reptiliengehirn
hat die Aufgabe, unser Überleben zu sichern. Das, was wir als Streß
wahrnehmen, ist Teil dieser Überlebensmechanismen. Das Problem ist
nur, daß dieser Gehirnteil nicht in der Lage ist, zwischen wirklich
gefährlichen und harmlosen Situationen zu unterscheiden. Das Reptiliengehirn
lernt nicht und deshalb geraten Sie auch in Situationen in Streß,
die Sie von Ihrem Bewußtsein her als "ungefährlich"
einordnen können.
Gefährlich ist chronischer Streß
Wirklich gefährlich ist der chronische Streß. Dauerstreß
führt zu einer regelrechten Streßspirale. Dadurch, daß
wir uns gestreßt fühlen, haben wir den Eindruck, unser Leben
nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Das wiederum bereitet uns Streß.
Nach einer Weile können selbst winzige Dinge uns vollkommen aus der
Fassung bringen und wir reagieren mit Panik, Angst, Aggression oder auch
Lähmung. Da wir merken, daß uns die Situation immer mehr aus
den Händen gleitet, wird der Streß größer. Wir haben
das Gefühl, unser Leben nur noch durch vermehrten Einsatz und mehr
Leistung bewältigen zu können und finden so gar keine Erholung
mehr.
Verschiedene Arten von Streß
Es gibt unterschiedliche Arten von Streß. Wenn Menschen von Streß
sprechen, dann meinen Sie meist den negativen, den belastenden Streß.
Genau betrachtet gibt es aber noch ein andere Art von Streß. Neben
dem eben skizzierten, oft negativ empfundenen "Distreß"
gibt es auch den sogenannten "Eustreß". Eustreß
empfinden wir dann, wenn wir in einer befriedigenden Tätigkeit ganz
gar aufgehen oder wenn wir uns stark auf etwas freuen und aufgeregt sind.
Dann fliegt die Zeit dahin und so viel wir auch tun, wir fühlen uns
zufrieden. Der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi bezeichnet
diesen Zustand als "Flow".
Das kennt wohl jeder: Arbeitsstreß
Die meisten von uns kennen Streß wohl aus ihrem Arbeitsleben, wobei
wir hier z.B. auch Hausfrauen und Studierende einschließen. Viele
Menschen haben auf der Arbeit ständig zu viel zu tun und fühlen
sich unter Druck. Gerade, wenn viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig
bewältigt werden müssen, empfinden sehr viele Leute Streß.
Aber Streß entsteht nicht nur, durch zu große Arbeitslast.
Streß kann auch in unserem Kopf entstehen, wenn wir das Gefühl
haben, im Beruf einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein, wenn wir Ärger
mit den Kollegen oder dem Chef haben oder wenn wir Angst um unseren Arbeitsplatz
haben. Streß im Berufsleben ist weitverbreitet und vielfältig.
Aber: es gibt sogar Freizeitstreß
Statt dann aber wenigstens in der Freizeit auszuspannen, machen sich
viele Menschen sogar noch in ihrer Freizeit Streß, indem sie so
viele Verpflichtungen eingehen, daß ihnen im Grunde gar keine freie
Minute mehr bleibt. Kennen Sie das von sich auch? Da haben wir z.B. an
zwei Tagen in der Woche unser Fitneßstudio, an einem den Kochkurs,
am nächsten die Vereinsarbeit, an einem weiteren besuchen wir Kurse
an der Volkshochschule und dann müssen wir natürlich auf die
Party, ins Kino, zum Konzert usw. usw. Läßt sich da eigentlich
noch von Freizeit sprechen? Streß entsteht, wenn wir nicht zur Ruhe
kommen. Wenn wir unsere Freizeit so mit Aktivitäten füllen,
daß uns diese Ruhepausen fehlen, dann wird auch die Freizeit eine
ständige Quelle von Streß.
Streß ist subjektiv - jeder empfindet es anders.
Interessanterweise ist Streß eine sehr subjektive und persönliche
Angelegenheit. Jeder empfindet bei anderen Dingen Streß. Während
der eine zehn verschiedene Aufgaben im Büro spielerisch meistert
und jede dazukommende Aufgabe locker annimmt, fühlt er sich bei einem
Kundentelefonat sofort gestreßt. Seine Kollegin dagegen telefoniert
am liebsten mit den Kunden, aber wenn etwas ihren wohlgeplanten Arbeitsablauf
durcheinanderbringt, gerät sie sofort in Streß. Deshalb können
Tips gegen den Streß nur bedingt für alle gelten. Es ist in
jedem Fall hilfreich, für sich selbst herauszufinden, was uns wirklich
Streß bereitet.