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Das Phänomen Streß näher betrachtet - Teil 1

Was genau ist Streß eigentlich? Physiologisch betrachtet ist Streß ist biochemische Reaktion unseres Körpers auf außergewöhnliche Situationen. Wenn immer etwas Bedrohliches auftaucht oder etwas besonders aufregend ist, reagiert unser ältester Gehirnteil - das sogenannte "Reptiliengehirn" - indem er bestimmte Botenstoffe aussendet, die es uns möglich machen, mit diesen ungewöhnlichen Situationen besser umzugehen. Genau das nehmen wir dann als Streß wahr. Eigentlich ist das für uns überhaupt kein Problem. Nur wenn wir zu oft im Streß sind, kann es zu körperlichen und seelischen Problemen kommen. Eines müssen wir uns aber klarmachen: Streß ist eine sinnvolle Reaktion unseres Körpers.

Streß sichert unser Überleben

Die körperliche Streßreaktion macht es uns möglich, auf eine gefährlichen Situation besser zu reagieren. Das passiert ganz automatisch, ohne daß wir darüber nachdenken müssen. Und das ist auch gut so. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden jedes Mal, wenn Sie mit Ihrem Auto bremsen müssen, erst überlegen, ob Sie das auch wirklich tun sollen. Nein, Sie reagieren in einem solchen Fall automatisch und damit vor allem auch schnell. Unser Reptiliengehirn hat die Aufgabe, unser Überleben zu sichern. Das, was wir als Streß wahrnehmen, ist Teil dieser Überlebensmechanismen. Das Problem ist nur, daß dieser Gehirnteil nicht in der Lage ist, zwischen wirklich gefährlichen und harmlosen Situationen zu unterscheiden. Das Reptiliengehirn lernt nicht und deshalb geraten Sie auch in Situationen in Streß, die Sie von Ihrem Bewußtsein her als "ungefährlich" einordnen können.

Gefährlich ist chronischer Streß

Wirklich gefährlich ist der chronische Streß. Dauerstreß führt zu einer regelrechten Streßspirale. Dadurch, daß wir uns gestreßt fühlen, haben wir den Eindruck, unser Leben nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Das wiederum bereitet uns Streß. Nach einer Weile können selbst winzige Dinge uns vollkommen aus der Fassung bringen und wir reagieren mit Panik, Angst, Aggression oder auch Lähmung. Da wir merken, daß uns die Situation immer mehr aus den Händen gleitet, wird der Streß größer. Wir haben das Gefühl, unser Leben nur noch durch vermehrten Einsatz und mehr Leistung bewältigen zu können und finden so gar keine Erholung mehr.

Verschiedene Arten von Streß

Es gibt unterschiedliche Arten von Streß. Wenn Menschen von Streß sprechen, dann meinen Sie meist den negativen, den belastenden Streß. Genau betrachtet gibt es aber noch ein andere Art von Streß. Neben dem eben skizzierten, oft negativ empfundenen "Distreß" gibt es auch den sogenannten "Eustreß". Eustreß empfinden wir dann, wenn wir in einer befriedigenden Tätigkeit ganz gar aufgehen oder wenn wir uns stark auf etwas freuen und aufgeregt sind. Dann fliegt die Zeit dahin und so viel wir auch tun, wir fühlen uns zufrieden. Der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi bezeichnet diesen Zustand als "Flow".

Das kennt wohl jeder: Arbeitsstreß

Die meisten von uns kennen Streß wohl aus ihrem Arbeitsleben, wobei wir hier z.B. auch Hausfrauen und Studierende einschließen. Viele Menschen haben auf der Arbeit ständig zu viel zu tun und fühlen sich unter Druck. Gerade, wenn viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig bewältigt werden müssen, empfinden sehr viele Leute Streß. Aber Streß entsteht nicht nur, durch zu große Arbeitslast. Streß kann auch in unserem Kopf entstehen, wenn wir das Gefühl haben, im Beruf einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein, wenn wir Ärger mit den Kollegen oder dem Chef haben oder wenn wir Angst um unseren Arbeitsplatz haben. Streß im Berufsleben ist weitverbreitet und vielfältig.

Aber: es gibt sogar Freizeitstreß

Statt dann aber wenigstens in der Freizeit auszuspannen, machen sich viele Menschen sogar noch in ihrer Freizeit Streß, indem sie so viele Verpflichtungen eingehen, daß ihnen im Grunde gar keine freie Minute mehr bleibt. Kennen Sie das von sich auch? Da haben wir z.B. an zwei Tagen in der Woche unser Fitneßstudio, an einem den Kochkurs, am nächsten die Vereinsarbeit, an einem weiteren besuchen wir Kurse an der Volkshochschule und dann müssen wir natürlich auf die Party, ins Kino, zum Konzert usw. usw. Läßt sich da eigentlich noch von Freizeit sprechen? Streß entsteht, wenn wir nicht zur Ruhe kommen. Wenn wir unsere Freizeit so mit Aktivitäten füllen, daß uns diese Ruhepausen fehlen, dann wird auch die Freizeit eine ständige Quelle von Streß.

Streß ist subjektiv - jeder empfindet es anders.

Interessanterweise ist Streß eine sehr subjektive und persönliche Angelegenheit. Jeder empfindet bei anderen Dingen Streß. Während der eine zehn verschiedene Aufgaben im Büro spielerisch meistert und jede dazukommende Aufgabe locker annimmt, fühlt er sich bei einem Kundentelefonat sofort gestreßt. Seine Kollegin dagegen telefoniert am liebsten mit den Kunden, aber wenn etwas ihren wohlgeplanten Arbeitsablauf durcheinanderbringt, gerät sie sofort in Streß. Deshalb können Tips gegen den Streß nur bedingt für alle gelten. Es ist in jedem Fall hilfreich, für sich selbst herauszufinden, was uns wirklich Streß bereitet.

 

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