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Führen durch Selbsterkenntnis

Tania Konnerth

Der erste Schritt für eine erfolgreiche Personalführung beginnt bei Ihnen selbst. Je besser Sie sich selbst kennen, desto effektiver und erfolgreicher können Sie andere Menschen führen und anleiten. Gute Führung zeichnet sich u.a. durch Klarheit, Konsequenz und Gradlinigkeit aus. Das erreichen Sie aber nur, wenn Sie sich selbst gut kennen und wenn Sie wissen, wie Sie in bestimmten Situationen reagieren und was Ihnen selbst wichtig ist. Selbsterkenntnis ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Führungsperson.

Jeder bekommt die Mitarbeiter, die er verdient.
Sie wirken als Vorbild - ob Sie wollen oder nicht
Ihre Einstellungen beeinflussen Ihr Verhalten
Ein konkretes Beispiel
Die Sache mit den selbsterfüllenden Prophezeiungen
Analysieren Sie Ihr Führungsverständnis
Ansprüche an andere
Ansprüche sind tückisch
Die eigenen Ängste kennen
Erst sich führen, dann andere
Ganz wichtig: Holen Sie sich Feedback
"Jeder bekommt die Mitarbeiter, die er verdient." 
Ist das eine Aussage, der Sie zustimmen können oder macht sie Sie vielleicht wütend? Könnte diese Aussage ein Satz sein, über den es sich einmal nachzudenken lohnt? Tatsächlich hat es nämlich sehr viel mit uns selbst als Führungsperson zu tun, wenn unsere Mitarbeiter demotiviert oder frustriert, unzuverlässig oder wenig leistungsbereit sind. So unbequem es vielleicht ist, aber Sie müssen zuerst bei sich selbst beginnen.
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Sie wirken als Vorbild - ob Sie wollen oder nicht
Daß Sie bei sich selbst beginnen müssen, hat zunächst einen ganz einfachen Grund: Sie wirken als Vorbild. Auch wenn Sie jetzt vielleicht sagen, daß Sie das gar nicht beabsichtigen, so läßt es sich kaum verhindern. Als Vorgesetzter schauen die anderen auf Sie und orientieren sich an dem, was Sie tun - und das im Guten, aber eben auch im Negativen. Und genau deshalb ist es so wichtig, das eigene Verhalten und die persönlichen Einstellungen zu reflektieren und ggf. zu verändern. Wenn Sie z.B. ungerecht oder übellaunig sind, wird das auch Ihre Mitarbeiter prägen, genauso, wie wenn Sie selbst offen oder motiviert sind.
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Ihre Einstellungen beeinflussen Ihr Verhalten
Unsere inneren Einstellungen beeinflussen unser Verhalten anderen Menschen gegenüber und das ist ein weiterer Grund dafür, daß es so wichtig ist, sich als Führungsperson selbst gut zu kennen und da insbesondere die innere Einstellung den eigenen Mitarbeitern gegenüber. Oft beeinflussen unsere Einstellungen unser Verhalten unbewußt. Dann haben wir aber kaum die Möglichkeit, unser Tun zu steuern. Wenn Sie sich aber Ihre inneren Einstellungen bewußt machen, können Sie sie in Frage stellen, auf ihre Nützlichkeit hin überprüfen und ggf. auch verändern. 
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Ein konkretes Beispiel
Nehmen wir einmal an, daß Sie tief in sich glauben, daß Arbeitnehmer grundsätzlich nur das Allernötigste tun und daß auch nur, wenn man ständig hinterher ist. Mit dieser eher negativen Einstellung begegnen Sie Ihren Mitarbeitern von vornherein mit Mißtrauen, egal ob es gerechtfertigt ist oder nicht. Ihre Mitarbeiter können Ihr Mißtrauen spüren - zwar oft auch nur unbewußt, aber das beeinflußt wiederum deren eigenes Verhalten. Und im schlimmsten Fall werden Ihre Mitarbeiter Ihre Erwartung auch noch erfüllen.
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Die Sache mit den selbsterfüllenden Prophezeiungen
Es klingt zugegebenermaßen ein bißchen seltsam, aber Ihre persönlichen Erwartungen und Einstellungen können zu sogenannten "selbsterfüllenden Prophezeiungen" werden. Wenn Sie annehmen, daß fast alle Menschen von Natur aus faul sind, ist es sehr gut möglich, daß Sie es immer wieder mit "faulen" Mitarbeitern zu tun haben werden. Es scheint so, als ziehen wir genau das an, was wir erwarten. Führungspersonen mit einem positiven Menschenbild haben viel öfter positiv motivierte Mitarbeiter. Deshalb sollten Sie Ihre inneren Einstellungen Ihren Mitarbeitern gegenüber unbedingt einmal überprüfen.
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Analysieren Sie Ihr Führungsverständnis
Was heißt eigentlich Führung für Sie? Welches Führungsverständnis haben Sie? Je ehrlicher Sie hier sind, desto mehr werden Sie von Ihren Erkenntnissen profitieren. Sie können Ihr eigenes Führungsverständnis analysieren, indem Sie die folgenden Sätze vervollständigen:
  • Führen heißt für mich,...
  • Was ist sage,...
  • Meine Mitarbeiter sollen...
  • Wer nicht gehorcht,...
  • Meine Aufgabe ist es,...
Wenn Sie diese Sätze aufrichtig vervollständigt haben, könnte das zu einem wirklichen Aha-Erlebnis führen. Sie könnten z.B. den ersten Satz mit "Was ich sage, wird gemacht." beantwortet haben. Das wäre ein Zeichen für einen recht autoritären Führungsansatz. Ein neuer und vielleicht zeitgemäßerer Ansatz könnte sein: "Was ich sage, muß nicht immer richtig sein." Überlegen Sie sich doch einfach mal, wie diese Sätze anders vervollständigt werden könnten, als es Ihnen spontan eingefallen ist. Vielleicht kommen Sie so ja zu ganz neuen Einsichten.

Um noch mehr über sich selbst in dieser Hinsicht zu erfahren, können auch die folgenden Fragen sehr nützlich sein: 

  • Sind Sie für Ihre Mitarbeiter da?
  • Sind Sie ständig ansprechbar und verfügbar? 
  • Kommen Ihre Mitarbeiter zu Ihnen, wenn sie Probleme oder Fragen haben? 
  • Sind Sie bereit, die Rahmenbedingungen zu verändern, um es Ihren Leuten leichter zu machen, bessere Leistungen zu erbringen, auch wenn das für Sie Mehraufwand, Kosten und Unbequemlichkeiten bedeutet?
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Ansprüche an andere
Es kann auch lohnenswert sein, für sich selbst einmal die eigenen Erwartungen an die Mitarbeiter zu klären. Was erwarten Sie unbedingt von Ihren Mitarbeitern? Ist es z.B. Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß, Loyalität? Auch Ansprüche können unbewußt in uns wirken. Deshalb ist es gut, sie sich einmal selbst klarzumachen. 

Nutzen Sie dazu doch einmal die folgenden Fragen:

Was empfinden Sie, wenn jemand nicht tut, was Sie sagen? Werden Sie wütend oder fragen Sie nach, warum der andere es nicht oder anders getan hat? Wie reagieren Sie im Normalfall, wenn Sie etwas ärgert? Werden Sie schnell ungeduldig? 

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Ansprüche sind tückisch
In Ihrem persönlichen Weltbild sind Ihre Ansprüche natürlich vollkommen richtig und erstrebenswert. Aber das muß bei anderen Menschen deshalb nicht auch so sein. Für diese Menschen sind vielleicht ganz andere Sachen wichtig. Sie können also alles Mögliche erwarten, dennoch wird es nicht immer erfüllt werden. Um so wichtiger ist es, daß Sie Klarheit über Ihre eigenen Ansprüche bekommen. Nur so können Sie entscheiden, welche Ansprüche Ihnen wirklich wichtig sind und welche Sie vielleicht auch loslassen können. Die Ansprüche, die Sie für unerläßlich halten, sollten Sie deutlich kommunizieren, damit Ihre Mitarbeiter eine Chance haben, sie zu erfüllen. Und die anderen lassen Sie los.

Als Übung können Sie dafür einmal den folgenden Satz vervollständigen:
Wirklich wichtig ist mir, daß meine Mitarbeiter:.... 

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Die eigenen Ängste kennen
Jeder von uns hat Ängste, auch wenn viele das sich nicht gerne eingestehen und vor allem anderen nicht zeigen wollen. Auch wenn wir unsere Ängste gut verstecken, beeinflussen sie unser Verhalten. Sehr wichtig ist es deswegen, gut über die eigenen Ängste Bescheid zu wissen. Wenn Sie z.B. fürchten, daß andere in einem Gebiet besser sein könnten als Sie, dann wird das sowohl Ihre Mitarbeiterauswahl als auch Ihr Verhalten den Mitarbeitern gegenüber beeinflussen. Sie werden dann Höchstleistungen möglicherweise unbewußt verhindern, indem Sie die Mitarbeiter bremsen oder frustrieren. 
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Fragen Sie sich deshalb einmal:

  • Was wäre das Schlimmste, was für mich als Führungsperson passieren könnte?
  • Was an einem Mitarbeiter ist für mich unheimlich?
  • Was befürchte ich, wenn meine Mitarbeiter richtig gut sind?
  • Was befürchte ich, wenn sie versagen?
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Erst sich führen, dann andere
Um andere Menschen erfolgreich führen zu können, müssen Sie zunächst in der Lage sein, sich selbst zu führen. Und damit ist gar nicht die eiserne Selbstdisziplin gemeint. Es geht vielmehr um Ihr eigenes Verhältnis zu sich selbst. Wie Sie z.B. mit sich selbst umgehen, ist ein guter Indikator dafür, wie Sie andere Menschen behandeln. Wenn Sie mit sich selbst, Ihren Schwächen, Fehlern und Eigenheiten nachsichtig und geduldig umgehen können, können Sie das auch mit denen der anderen. Wenn Sie sich selbst gut motivieren können, finden Sie auch Motivationsfaktoren für andere. So klar und eindeutig, wie Sie sich selbst gegenüber sind, so wirken Sie auch auf andere. Also fangen Sie bei sich an - noch heute.
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Ganz wichtig: Holen Sie sich Feedback
Entscheidend ist auch, daß Sie sich immer wieder Feedback holen. Fragen Sie Freunde und Bekannte, wie diese Sie sehen. Führen Sie Mitarbeiterbefragungen durch - und zwar anonyme, damit sich die Leute trauen, ehrlich zu sein. Nehmen Sie diese Meinungen dann als Anregungen und als Chancen, Ihre Führungsfähigkeiten kontinuierlich zu verbessern. Und nutzen Sie ruhig auch alle Möglichkeiten zur Weiterbildung: Lesen Sie entsprechende Bücher, besuchen Sie Seminare und lassen Sie sich coachen.

 

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