"Jeder bekommt
die Mitarbeiter, die er verdient."
Ist das eine Aussage, der Sie zustimmen können oder macht sie Sie
vielleicht wütend? Könnte diese Aussage ein Satz sein, über
den es sich einmal nachzudenken lohnt? Tatsächlich hat es nämlich
sehr viel mit uns selbst als Führungsperson zu tun, wenn unsere Mitarbeiter
demotiviert oder frustriert, unzuverlässig oder wenig leistungsbereit
sind. So unbequem es vielleicht ist, aber Sie müssen zuerst bei sich
selbst beginnen.
Sie wirken als
Vorbild - ob Sie wollen oder nicht
Daß Sie bei sich selbst beginnen müssen, hat zunächst einen
ganz einfachen Grund: Sie wirken als Vorbild. Auch wenn Sie jetzt vielleicht
sagen, daß Sie das gar nicht beabsichtigen, so läßt es
sich kaum verhindern. Als Vorgesetzter schauen die anderen auf Sie und
orientieren sich an dem, was Sie tun - und das im Guten, aber eben auch
im Negativen. Und genau deshalb ist es so wichtig, das eigene Verhalten
und die persönlichen Einstellungen zu reflektieren und ggf. zu verändern.
Wenn Sie z.B. ungerecht oder übellaunig sind, wird das auch Ihre Mitarbeiter
prägen, genauso, wie wenn Sie selbst offen oder motiviert sind.
Ihre Einstellungen beeinflussen
Ihr Verhalten
Unsere inneren Einstellungen beeinflussen unser Verhalten anderen Menschen
gegenüber und das ist ein weiterer Grund dafür, daß es
so wichtig ist, sich als Führungsperson selbst gut zu kennen und da
insbesondere die innere Einstellung den eigenen Mitarbeitern gegenüber.
Oft beeinflussen unsere Einstellungen unser Verhalten unbewußt. Dann
haben wir aber kaum die Möglichkeit, unser Tun zu steuern. Wenn Sie
sich aber Ihre inneren Einstellungen bewußt machen, können Sie
sie in Frage stellen, auf ihre Nützlichkeit hin überprüfen
und ggf. auch verändern.
Ein konkretes Beispiel
Nehmen wir einmal an, daß Sie tief in sich glauben, daß Arbeitnehmer
grundsätzlich nur das Allernötigste tun und daß auch nur,
wenn man ständig hinterher ist. Mit dieser eher negativen Einstellung
begegnen Sie Ihren Mitarbeitern von vornherein mit Mißtrauen, egal
ob es gerechtfertigt ist oder nicht. Ihre Mitarbeiter können Ihr Mißtrauen
spüren - zwar oft auch nur unbewußt, aber das beeinflußt
wiederum deren eigenes Verhalten. Und im schlimmsten Fall werden Ihre Mitarbeiter
Ihre Erwartung auch noch erfüllen.
Die Sache mit den selbsterfüllenden
Prophezeiungen
Es klingt zugegebenermaßen ein bißchen seltsam, aber Ihre persönlichen
Erwartungen und Einstellungen können zu sogenannten "selbsterfüllenden
Prophezeiungen" werden. Wenn Sie annehmen, daß fast alle Menschen
von Natur aus faul sind, ist es sehr gut möglich, daß Sie es
immer wieder mit "faulen" Mitarbeitern zu tun haben werden. Es scheint
so, als ziehen wir genau das an, was wir erwarten. Führungspersonen
mit einem positiven Menschenbild haben viel öfter positiv motivierte
Mitarbeiter. Deshalb sollten Sie Ihre inneren Einstellungen Ihren Mitarbeitern
gegenüber unbedingt einmal überprüfen.
Analysieren Sie Ihr Führungsverständnis
Was heißt eigentlich Führung für Sie? Welches Führungsverständnis
haben Sie? Je ehrlicher Sie hier sind, desto mehr werden Sie von Ihren
Erkenntnissen profitieren. Sie können Ihr eigenes Führungsverständnis
analysieren, indem Sie die folgenden Sätze vervollständigen:
-
Führen heißt für mich,...
-
Was ist sage,...
-
Meine Mitarbeiter sollen...
-
Wer nicht gehorcht,...
-
Meine Aufgabe ist es,...
Wenn Sie diese Sätze aufrichtig vervollständigt haben, könnte
das zu einem wirklichen Aha-Erlebnis führen. Sie könnten z.B.
den ersten Satz mit "Was ich sage, wird gemacht." beantwortet haben. Das
wäre ein Zeichen für einen recht autoritären Führungsansatz.
Ein neuer und vielleicht zeitgemäßerer Ansatz könnte sein:
"Was ich sage, muß nicht immer richtig sein." Überlegen Sie
sich doch einfach mal, wie diese Sätze anders vervollständigt
werden könnten, als es Ihnen spontan eingefallen ist. Vielleicht kommen
Sie so ja zu ganz neuen Einsichten.
Um noch mehr über sich selbst in dieser Hinsicht zu erfahren, können
auch die folgenden Fragen sehr nützlich sein:
-
Sind Sie für Ihre Mitarbeiter da?
-
Sind Sie ständig ansprechbar und verfügbar?
-
Kommen Ihre Mitarbeiter zu Ihnen, wenn sie Probleme oder Fragen haben?
-
Sind Sie bereit, die Rahmenbedingungen zu verändern, um es Ihren Leuten
leichter zu machen, bessere Leistungen zu erbringen, auch wenn das für
Sie Mehraufwand, Kosten und Unbequemlichkeiten bedeutet?
Ansprüche an andere
Es kann auch lohnenswert sein, für sich selbst einmal die eigenen
Erwartungen an die Mitarbeiter zu klären. Was erwarten Sie unbedingt
von Ihren Mitarbeitern? Ist es z.B. Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit,
Fleiß, Loyalität? Auch Ansprüche können unbewußt
in uns wirken. Deshalb ist es gut, sie sich einmal selbst klarzumachen.
Nutzen Sie dazu doch einmal die folgenden Fragen:
Was empfinden Sie, wenn jemand nicht tut, was Sie sagen? Werden Sie
wütend oder fragen Sie nach, warum der andere es nicht oder anders
getan hat? Wie reagieren Sie im Normalfall, wenn Sie etwas ärgert?
Werden Sie schnell ungeduldig?
Ansprüche sind tückisch
In Ihrem persönlichen Weltbild sind Ihre Ansprüche natürlich
vollkommen richtig und erstrebenswert. Aber das muß bei anderen Menschen
deshalb nicht auch so sein. Für diese Menschen sind vielleicht ganz
andere Sachen wichtig. Sie können also alles Mögliche erwarten,
dennoch wird es nicht immer erfüllt werden. Um so wichtiger ist es,
daß Sie Klarheit über Ihre eigenen Ansprüche bekommen.
Nur so können Sie entscheiden, welche Ansprüche Ihnen wirklich
wichtig sind und welche Sie vielleicht auch loslassen können. Die
Ansprüche, die Sie für unerläßlich halten, sollten
Sie deutlich kommunizieren, damit Ihre Mitarbeiter eine Chance haben, sie
zu erfüllen. Und die anderen lassen Sie los.
Als Übung können Sie dafür einmal den folgenden Satz
vervollständigen:
Wirklich wichtig ist mir, daß meine Mitarbeiter:....
Die eigenen Ängste kennen
Jeder von uns hat Ängste, auch wenn viele das sich nicht gerne eingestehen
und vor allem anderen nicht zeigen wollen. Auch wenn wir unsere Ängste
gut verstecken, beeinflussen sie unser Verhalten. Sehr wichtig ist es deswegen,
gut über die eigenen Ängste Bescheid zu wissen. Wenn Sie z.B.
fürchten, daß andere in einem Gebiet besser sein könnten
als Sie, dann wird das sowohl Ihre Mitarbeiterauswahl als auch Ihr Verhalten
den Mitarbeitern gegenüber beeinflussen. Sie werden dann Höchstleistungen
möglicherweise unbewußt verhindern, indem Sie die Mitarbeiter
bremsen oder frustrieren.
Fragen Sie sich deshalb einmal:
-
Was wäre das Schlimmste, was für mich als Führungsperson
passieren könnte?
-
Was an einem Mitarbeiter ist für mich unheimlich?
-
Was befürchte ich, wenn meine Mitarbeiter richtig gut sind?
-
Was befürchte ich, wenn sie versagen?
Erst sich führen, dann andere
Um andere Menschen erfolgreich führen zu können, müssen
Sie zunächst in der Lage sein, sich selbst zu führen. Und damit
ist gar nicht die eiserne Selbstdisziplin gemeint. Es geht vielmehr um
Ihr eigenes Verhältnis zu sich selbst. Wie Sie z.B. mit sich selbst
umgehen, ist ein guter Indikator dafür, wie Sie andere Menschen behandeln.
Wenn Sie mit sich selbst, Ihren Schwächen, Fehlern und Eigenheiten
nachsichtig und geduldig umgehen können, können Sie das auch
mit denen der anderen. Wenn Sie sich selbst gut motivieren können,
finden Sie auch Motivationsfaktoren für andere. So klar und eindeutig,
wie Sie sich selbst gegenüber sind, so wirken Sie auch auf andere.
Also fangen Sie bei sich an - noch heute.
Ganz wichtig: Holen Sie sich
Feedback
Entscheidend ist auch, daß Sie sich immer wieder Feedback holen.
Fragen Sie Freunde und Bekannte, wie diese Sie sehen. Führen Sie Mitarbeiterbefragungen
durch
- und zwar anonyme, damit sich die Leute trauen, ehrlich zu sein. Nehmen
Sie diese Meinungen dann als Anregungen und als Chancen, Ihre Führungsfähigkeiten
kontinuierlich zu verbessern. Und nutzen Sie ruhig auch alle Möglichkeiten
zur Weiterbildung: Lesen Sie entsprechende Bücher, besuchen Sie Seminare
und lassen Sie sich coachen.