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Alkohol am Arbeitsplatz (2)

Es ist davon auszugehen, dass die Alkoholiker-Rate unter Arbeitnehmern etwa 5% beträgt, weitere 10% sind gefährdet. In deutschen und amerikanischen Unternehmen wurde festgestellt, dass alkoholkranke Mitarbeiter 16 mal häufiger dem Arbeitsplatz fernbleiben, 2,5 mal häufiger krank sind und nach Unfällen 1,4 mal länger fehlen.

Das Unfallrisiko ist bei alkoholabhängigen und -gefährdeten Mitarbeitern höher. Bei fast 30% aller Arbeitsunfälle spielt Alkohol eine Rolle. 100 alkoholabhängige und -gefährdete Mitarbeiter verursachen einem Unternehmen Kosten von mindestens einer halben Million Mark jährlich.

Die meisten Grossbetriebe haben sich auf diese Problematik eingestellt. Dort gibt es Anti-Sucht-Programme und ehrenamtliche Suchtberater, die den betroffenen Personen als neutrale und zu Verschwiegenheit verpflichtete Ratgeber zur Seite stehen.

Im Gegensatz zu den USA sind in Deutschland Drogenkontrollen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter nicht rechtens. Bleibt abzuwarten, ob das Beispiel von Mercedes Benz in Stuttgart Schule macht. Potentielle neue Mitarbeiter unterziehen sich dort einem "freiwilligen" Drogentest, (wer nicht mitmacht, hat etwas zu verbergen und wird nicht eingestellt). Die Volksdroge Nummer eins, der Alkohol, wird in solchen Tests jedoch meist vernachlässigt.

Viele kleine und mittlere Unternehmen sind nicht sicher, wie sie dem Problem Alkohol begegnen sollen. Oftmals reagieren sie gar nicht, oder sie reagieren extrem, indem sie den betroffenen Mitarbeiter gleich feuern.

Im ersten Fall schweigen Geschäftsleitung und Kollegen, solange der Mitarbeiter seine Arbeit einigermaßen zur Zufriedenheit verrichtet. Selbst wenn sich Fehlzeiten oder Fehler bei der Arbeit häufen, warten viele Arbeitgeber zu lange, oft nur um unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen.

Doch mit Wegsehen ist hier niemandem geholfen. Stattdessen müssen dem betroffenen Arbeitnehmer ganz deutlich die Konsequenzen seiner Trinksucht aufgezeigt werden: Ist er nicht bereit an einem Hilfe-Programm teilzunehmen, kann er seinen Arbeitsplatz verlieren.

Für den zweiten Fall gilt: ein Suchtproblem sagt nicht unbedingt etwas über das Leistungspotential des Arbeitnehmers und die Qualität der verrichteten Arbeit aus. Wer hier vorschnell handelt, verliert womöglich einen wertvollen Mitarbeiter, der sich nur in einer (temporären) Krise befindet.

 

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