"Mobbing" in der Schule gibt es seit es Schulen gibt. Einzig neu für
dieses soziale Phänomen ist das Wort. Für das Mobbingverhalten
unter Kindern und Jugendlichen gab es früher keinen Namen. Namen gab
es nur für die Mobbingopfer, das waren die "Dicken", die "Streber",
die "Schwänzer", die "Dummen", die "Kleinen", die "Grossen", etc.
Diese Bezeichnungen verweisen direkt auf die Ursachen für das Mobbing,
"nennen das Kind beim Namen".
Gemobbt wurde und wird, wer bestimmte Verhaltenweisen oder Eigenschaften,
egal ob physisch oder psychisch, an den Tag legt. Die benannten persönlichen
Merkmale können durchaus Bestandteile der eigenen Persönlichkeitsstruktur
sein. Doch treten sie zu konzentriert auf, oder in Kombination mit anderen
"unglücklichen" Merkmalen, machen sie die Person zur Zielscheibe von
sowohl individuellen als auch kollektiven Agressionen, oder anderer negativer
Gefühle.
Ein weiterer Ursachenkomplex für das Mobbing unter Schülern
ist "das Fremde" oder "das Andere". Hier spielen Unterschiede (zur
Mehrheit der jeweiligen Gruppe) eine Rolle: andere Nationalitäten,
Kulturen,
Religionen, Sprachen, Kleider, etc. können Mobbingverhalten
begünstigen.
Auch die materielle und familiäre Situation von Kindern
kann in diesem Zusammenhang von Bedeutung sein. Schüler, die früher
oder später in die Pubertät kommen, als Rest der Klasse, oder
die neu in eine bestehende Klassengemeinschaft kommen, können Mobbingopfer
werden.
Die Bekleidung spielt eine immer mehr wichtigere Rolle. Die Altersschwelle
für das Markenbewusstsein ist in den letzten Jahren merklich
gesunken. Spätestens ab der 5. oder 6. Klasse müssen die Markennamen
auf Hosen, Rucksäcken, Turnschuhen und anderen Kleidungsstücken
"stimmen", sonst ist man nicht mehr "angesagt"
oder "cool".
Kleidung wird zunehmend zum sozialen Indikator, zum Erkennungszeichen
untereinander. Uniformität des Äußeren unter Gleichgesinnten
schafft Solidarität, gibt dem Einzelnen das Gefühl von Stärke.
Es bilden sich bestimmte "Gruppenästhetiken", wer diesen nicht
genügt, wird schnell zum Aussenseiter.
Sie sehen selbst, die Ursachen für Mobbing in der Schule sind so
vielfältig wie der Facettenreichtum, der eine Persönlichkeit
ausmacht. Die hier erwähnten Ursachen sind jedoch oft nur die "offiziellen"
Auslöser für feindseliges Verhalten unter Mitschülern. Das
Gruppenverhalten von Kindern und Jugendlichen ist zum einen von grosser
Dynamik, zum anderen von einem strikten, nicht verbalisierten Verhaltenskodex
geprägt.
Beide Faktoren können den Einzelnen sehr schnell von der "Sonnenseite"
auf die "Opferseite" manövrieren. Es kann mitunter ganz schön
anstrengend sein, immer "dabei" zu sein, denn zumeist wird auf sehr subtilen
Ebenen gemobbt (diskriminiert).