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Stromwirtschaft im Umbruch

  • Es sieht nicht so aus als ob in nächster Zeit irgendeine andere Energieform die Elektrizität ersetzen wird. Strom ist und bleibt von grundlegender Bedeutung für alle Lebens-, Produktions- und Kommunikationsbereiche, man stelle sich nur vor, den Alltag ohne elektrische Energie zu bewältigen. Dies scheint, wenn man nicht gerade der absolute Aussteigertyp in der Wildnis ist, unmöglich.
  • Seit Inkrafttreten des neuen Energiewirtschaftsgesetzes am 24.04.1998 hat sich vieles verändert: die Preise sind gefallen und sie werden, wie die Telefontarife kräftig weiterpurzeln. Die Entwicklung auf dem Strommarkt ist durchaus mit der der Telekommunikation vergleichbar. In Minden versucht sich zur Zeit sogar eine Tochtergesellschaft der Telekom auf dem Strommarkt zu behaupten, auch die MobilCom AG wird wahrscheinlich ins Stromgeschäft einsteigen und ein Joint Venture mit der Bewag eingehen.
  • Die ersten Konsequenzen des freien Strommarkts haben sich bei den Großanbietern schon bemerkbar gemacht: in den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres 1999 verzeichneten die Veba AG, die Viag AG und RWE Energie AG die ersten Umsatzeinbußen.
  • In vielen Städten wird derzeit verhandelt, ob und zu welchen Konditionen die neuen Anbieter ihren Strom durch das schon vorhandene Versorgungssystem zur Durchleitung benutzen dürfen. Die neuen Anbieter, wie zum Beispiel Yello, sind bereit eventuelle Preisdifferenzen zwischen ihrem Strompreis und dem der "Durchleitungsfirma" auszugleichen, bis eine neue Regelung gefunden wird. Um den Jahreswechsel soll diesbezüglich eine Entscheidung fallen.
  • Bisher hat sich nur ein Bruchteil der Privathaushalte den Stromlieferanten gewechselt. Die Anbieter glauben, dass nur etwa 20% der Privathaushalte wechseln wird: Hauptgrund hierfür ist das nur schwer durchschaubare Dickicht von Tarifen, Zahlungszeiträumen, Laufzeiten und Spezialangeboten der Anbieter.
  • Lesen Sie hier was Sie beim Wechsel des Stromversorgers beachten sollten:
  • Bei den gewerblichen Verbrauchern ist die Lage anders: mehr als ein Drittel ist bereit den Stromanbieter zu wechseln, wenn dadurch Geld eingespart werden kann.
  • Die Struktur des Strommarktes wird sich verändern, nur noch wenige Unternehmen werden von Stromerzeugung bis zur Versorgung jedes einzelnen Haushalts und Betriebes, alles abdecken können. Die Energie-Unternehmen müssen sich jetzt für einen Aufgabenbereich entscheiden. Dies ist auch in Anbetracht der Tatsache, dass der deutsche Strommarkt ein internationales Geschäft geworden ist, sehr wichtig. Die Konkurrenz aus dem Ausland schläft nicht, besonders Frankreich, Skandinavien, Großbritannien und die USA sind dabei den deutschen Strommarkt mitzuerobern.
  • Durch das 1990 vom Bundestag beschlossene Stromeinspeisegesetz ist die Bedeutung der Alternativ-Energien, insbesondere der Windkraft, gestiegen. Mittlerweile kann man Öko-Strom beziehen, genauer gesagt Strom zu "Öko-Konditionen", denn noch muss man sich den europäischen Strommarkt so vorstellen, dass alle Stromproduzenten ihren Strom in einen riesigen "Stromsee" leiten, von wo aus die Konsumenten bedient werden. Wer nun Öko-Strom benutzt, verbraucht genau denselben Strom wie alle anderen auch, aber er/sie gibt Öko-Strom-Erzeugern die Möglichkeit neuen Strom in den "See" zu leiten. So gesehen macht es sich schon bemerkbar, wenn man Ökostrom bezieht. Dennoch haben sich in Berlin, zum Beispiel, gerade mal 5 000 von 1,75 Millionen Stromkunden seit 1.November für "Ökopur" entschieden, das Stromangebot der Bewag aus Wind-, Sonnen- und Wasserkraft. Für den besonders kostengünstigen Atomstrom haben sich laut Bewag-Chef Dietmar Winje hingegen bereits 80.000 Kunden entschieden.
  • Frankreich stellt mit dem Staatsunternehmen EdF (Electricité de France) den europaweiten Marktführer. EdF hat in den letzten Jahren in ganz Europa Beteiligungen an Stromunternehmen gekauft und beschäftigt fast 115 000 Arbeitnehmer. Vier Fünftel des EdF-Stroms kommt aus Kernkraftwerken. Während die EdF, aus volkswirtschaftlicher Sicht ein Vorzeige-Unternehmen, in ganz Europa kräftig beim Stromverkauf mitmischt, hat sie in Frankreich immer noch keine Konkurrenz zu fürchten, denn die am 19.02.99 fällige Liberalisierung des französischen Strommarktes wurde auf das nächste Jahr verlegt (es steht noch offen ob der Europäische Gerichtshof deshalb gegen Paris klagen wird).
  • In Deutschland ist das RWE aus Essen Marktführer: mit 135 Milliarden Kilowattstunden machte RWE im Geschäftsjahr 1998/99 einen Umsatz von über 22 Milliarden Mark. Es ist zur Zeit kaum absehbar wie sich der Strommarkt entwickeln wird, bleibt abzuwarten welche der fast täglich neu angekündigten Fusionen realisiert wird.
  • Erst Mitte vergangenen Monats entschied der Bundesgerichtshof, dass Kommunen (zur Zeit sind etwa 200 Kommunen davon betroffen) nach Ablauf der Konzessionsverträge mit den Stromlieferanten, das Versorgungsnetz zu einem gerechten Preis übernehmen dürfen. Voraussetzung dafür ist jedoch die Wirtschaftlichkeit  der Stromproduktion, mit Subventionen kann auf dem neuen, hart umkämpften Strommarkt nicht mehr gerechnet werden. Diese Entscheidung dürfte einige Veränderungen bei deutschen Kommunen bewirken:
    • zunächst freuen sich die Kraftwerke der Städte und Gemeinden natürlich weiter im Strommarkt mitmischen zu dürfen, doch der Wettbewerb wird immer härter, die Gewinnspannen werden kleiner.
    • Die bisher erzielten Gewinne der Kommunen, die Löcher im Etat hervorragend stopften und sogar noch Raum für wählerwirksame Investitionen liessen, werden bei den ständig sinkenden Preisen dahinschmelzen. Nun stehen bei vielen Kommunen Rationalisierungsmassnahmen an, die Bedingungen werden sich denen der freien Wirtschaft anpassen, ein Prozess, der das deutsche Kommunalwesen reformieren wird.
    • egal woher der Strom kommt, natürlich werden die Kommunen auch Einsparungen durch den geringeren Strompreis haben (allein die Stromrechnung für etwa 8.000 öffentliche Gebäude in Nordrhein-Westfalen ist, laut Bauminister Michael Vesper, 1998 um 40 Millionen Mark gesunken.

  • Die Ergebnisse der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Auftrag gegebenen Prognose zur längerfristigen Entwicklung der Energiemärkte zeigen, dass es bis zum Jahr 2020 keine Versorgungsengpässe auf diesem Sektor geben wird. Ausserdem verdeutlichen auch sie die gegenwärtige Lage des deutschen Strommarkts, der gerade einen nachhaltigen Strukturwandel durchläuft.
  • Das Internet, genauer gesagt das E-Business wird für den Stromhandel mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Mithilfe des neuen Mediums können Anbieter und Verbraucher wesentlich schneller auf neue Marktsituationen reagieren....
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