Die zwei Gleichgewichtssensoren (Gleichgewichtsorgane) des Menschen
befinden sich im rechten und linken Innenohr. Sie bestehen aus drei,
durch ein Schlauchsystem miteinander verbundenen Bogengängen,
die zum Teil mit Flüssigkeit gefüllt sind.
An den inneren Wänden dieser Kanäle sind hochempfindliche
Tast-
oder Sinneshaare. Jedes einzelne davon ist mit einem
Nerv
verbunden. Bei jedem noch so kleinen Positionswechsel bewegt sich die Flüssigkeit
(Lymphe) in den Bogengängen. Dadurch werden die Sinneshärchen
gereizt und leiten die Reize an das
Kleinhirn weiter.
Die neben-, bzw. übereinander liegenden Bogengänge befinden
sich im knöcherchen Labyrinth des Innenohrs. Diese Bogengänge
sind für die Wahrnehmung von Drehbewegungen im Raum verantwortlich.
Um dem Kleinhirn ein dreidimensionales Bild der Lage
im Raum zu übermitteln, sind sind jeweils drei Bogengänge nötig.
Im Labyrinth des Innenohrs befinden sich außerdem je zwei Schweresinneorgane:
Maculautriculi
und Macula sacculi. Diese Maculaorgane nehmen lineare Bewegungen
wahr. Die Macula utriculi wird durch horizontale-, die Macula sacculi
durch vertikale Beschleunigung, die Gravitätsbeschleunigung
gereizt.
Die beschriebenen Funktionen des Gleichgewichtsorgans liefern nur Informationen
über Haltung und Bewegung des Kopfes. Der Nervus vestibularis, Nerv
Nummer VIII von 12
(www.ims.uni-stuttgart.de), leitet die Informationen an die Vestibularkerne
weiter, wo sie durch Informationen der Muskelrezeptoren ergänzt werden.
Außer dem Gleichgewichtsorgans (Vestibulapparat) sind drei
weitere "Instanzen" für den aufrechten Gang und physische Orientierung
nötig:
-
die Augen liefern unaufhörlich Informationen zur Position des
Körpers, inbesondere zu den Bodenverhältnissen. So kann auf Steigungen,
Stufen und Unregelmäßigkeiten in der Oberfläche des Untergrunds
reagiert werden.
-
mithilfe des räumlichen Gehörs wird die Position des Menschen
im Schallfeld und in Beziehung zu anderen Geräuschquellen ermittelt.
Das Relief der Ohrmuschel ermöglicht ein sehr exaktes räumliches
Hören: nur bis zu 2° machen die Abweichungen bei der
Lokalisierung von Geräuschquellen aus.
-
Muskel-, Sehnen- und Gelenkrezeptoren, vor allem im
Hals, "beobachten" und regulieren die "Statik" des Körpers. Die Körperhaltung
im Ganzen und die Stellung und Spannung der einzelnen Muskeln.
All diese Informationen laufen im
Schaltzentrum für die Koordination
und Steuerung von Bewegungen, im
Kleinhirn, zusammen. Das Kleinhirn
ist über den
Hirnstamm mit dem
Großhirn verbunden.