Wie wir selbst riechen, können wir nicht direkt beeinflussen, auch
wenn wir den eigenen Körpergeruch mit Kosmetikprodukten (Parfums,
Deodorants, etc.) für eine gewisse Zeitdauer übertünchen
zu können. Die Drüsen, die unsere körpereigenen Riechstoffe
ausstossen, befinden sich vor allem in den Achselhöhlen und im Genitalbereich.
Viele dieser freigesetzen Sekrete sind geruchlos, werden erst durch auf
der Haut befindliche Mikro-Organismen in Duftstoffe verwandelt.
Unser individueller "Urduft", der schon genetisch verankert
ist,
wird geprägt von den HLA-Molekülen (Haupthistokompatibilitätskomplex).
Weitere Faktoren, die unseren körpereigenen Geruch beeinflussen, sind
Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand, Ernährung, psychische Verfassung
und die (hygienischen) Lebensumstände.
Ein Test an der Universität Bern brachte ans Tageslicht
wie stark die wechselseitige Abhängigkeit zwischen der (Sexual)Partnerwahl
und dem HLA-Profil ist. Im Rahmen dieses "Schnüffeltests" wurden weiblichen
Testpersonen die von Männern getragenen T-Shirts vorgesetzt (die Männer,
die die T-Shirts getragen hatten, blieben zu diesem Zweck drei Tage ungeduscht
und ungewaschen).
Das Ergebnis dieses Tests war erstaunlich. Die Geruchsproben
wurden immer dann als unangenehm empfunden, wenn sie von einem Mann kamen,
dessen HLA-Profil Ähnlichkeiten zu dem der Testriecherin aufwies.
Je unterschiedlicher die HLA-Moleküle der beiden Testgruppen voneinander
waren, umso attraktiver und erregender fanden die Frauen die Duftproben.
Was den Körpergeruch angeht ziehen sich Gegensätze also an.
Die Ursachen hierfür liegen tiefer als bisher vermutet: die HLA-Moleküle
sind nicht nur für die natürliche, individuelle Duftnote verantwortlich,
sondern spielen auch einen wichtige Rolle im Immunsystem. An fast
jeder Körperzelle befindet sich ein HLA-Molekül, das der
körpereigenen Abwehr meldet, wenn ein Krankheitserreger eingedrungen
ist.
Kinder, deren Eltern ein unterschiedliches HLA-Profil aufweisen, haben
in der Regel eine stärkere körpereigene Abwehr. Durch das grössere
"Spektrum" des HLA-Profils sind sie besser gegen
Infektionskrankheiten
gerüstet. Daraus lässt sich folgern, dass der "Geruchs-Geschmack"
nur vordergründig eine Rolle bei der Partnerwahl spielt, oder
besser gesagt: er richtet sich danach, was gesund für die Nachkommen
ist. Außerdem bietet die Vorliebe für Partner mit möglichst
unterschiedlichem HLA-Profil einen "natürlichen" Schutz vor Inzucht.
Wie die Genforschung ermittelte, liegen die Gene, die den Körpergeruch
prägen direkt neben den Genen, die uns für Gerüche empfänglich
machen, auf Chromosom Nr. 6. Das bedeutet, dass "riechen" und "gerochen
werden" viel näher beieinander liegen, als bisher vermutet. Die Geruchsrezeptoren
werden konträr zum eigenen Duftprofil gebildet. Dieser "biologische"
Plan ist (noch) nicht beeinflussbar, seine "Auswirkungen" laufen nur auf
unbewusster Ebene ab.
Klassiker der modernen Literatur, die auf eindrucksvolle und
sehr spannende Weise den Themenbereich Duft, Geruch, Parfum thematisieren
sind Patrick Süsskinds "Das Parfum" und Tom Robbins' "Panaroma"
(Originaltitel: Jitterbug Perfume).