Ja, ja ,
der innere Schweinehund, er läßt sich so
leicht nicht abschütteln. Woran liegt das nur, dass er so unvernünftig
erscheint und sich so schwer zu einer Fastenkur überreden läßt?
Mit dem Verstand läßt es sich sicherlich nicht erklären,
warum er mit einer derartigen Präsenz versucht, uns von einem
gesünderen, kalorienbewußteren und bewegterem Leben abzuhalten.
Die
Gesundheitspsychologie erforscht, aus welchen Gründen wir uns
gesund, aber auch ungesund verhalten.
Wir haben gelernt, uns "richtig" zu ernähren. Nach welchen Kriterien
teilen wir "richtig" und "falsch" ein?
Babys:
innere, biologische Signale steuern den Hunger und Durst.
Kinder / Jugendliche:
äußere Reize von Familie, Freunden und von dem gesellschaftlichen
Wertesystem kommen hinzu, Eßgewohnheiten entstehen.
Erwachsene:
Wir essen nicht mehr nur aus reinem Hunger, wie dies bei Babys noch
der Fall ist, sondern befriedigen mit der Nahrungsaufnahme eine ganze Reihe
von Bedürfnissen, beispielsweise das nach Geborgenheit oder gesellschaftlicher
Anerkennung --> "Essen wie bei Muttern" wird als "richtig & gesund
essen" eingestuft, "Größe 38" ist o.k., etc.
In diesen Lebensphasen lernen wir auch, uns nach den Kriterien der Ergebniserwartung,
der Kompetenzerwartung und der wahrgenommene Verwundbarkeit zu richten.
Ergebniserwartungen
Wenn Sie wirklich davon überzeugt sind, dass fettarmes Essen nicht
schmeckt, dass ein Salat ihren Hunger auf Dauer sicherlich nicht befriedigen
kann,
dann werden Sie genau dieses auch erleben. Über kurz oder lang werden
Sie die Versuche, Ihre Ernährung generell umzustellen, aufgeben. Ihr
innerer Schweinehund hat gewonnen.
Wissenschaftlich fusst dies auf der Volitionstheorie (Heckhausen, 1989).
Diese Theorie beschäftigt sich mit der Frage nach der "realen Umsetzung
einer beabsichtigten Handlung." Die Volitionstheorie wurde von Allmer
(1990) auf die Gesundheitspsychologie übertragen: Maßgeblich
für das Erreichen eines Zieles ist hier die Willenskraft.
Kompetenzerwartungen
Aus Ihren bisherigen Lebenserfahrungen mit sich selbst und Ihrer Umwelt
hat sich entwickelt, wie kompentent Sie sich fühlen. "Man, ich kenne
mich doch - bisher habe ich noch keine Diät durchgehalten"
Sie sprechen sich hiermit aus eigener Erfahrung die Kompetenz ab, dass
Sie eine Diät oder gar eine komplette Ernährungsumstellung jemals
durchhalten können. Sie werden erleben, was Sie zu wissen glauben.
Diese Selbstwirksamkeitstheorie (Self-Efficacy Theory) wurde 1977/1982
von Albert Bandura entwickelt. Eine detailliertere Beschreibung von Dr.
phil. Ralf Schwarzer, Universität Kiel, finden Sie hier:
Wahrgenommene Verwundbarkeit (Vulnerabilität)
Auch dieser Faktor bestimmt, wie stark wir bereit sind, wirklich gesünder
zu leben.
Gibt es in Ihrer Familie häufiger Herzerkrankungen, werden Sie
mehr Aufwand betreiben, um sich gesünder zu ernähren, als wenn
Sie niemanden persönlich kennen, der einen Herzinfarkt hatte. Werden
Ihre Bemühungen abzunehmen von Ihrer nächsten Umgebung (Familie,
Freunde) nicht unterstützt oder gar lächerlich gemacht, benötigen
Sie ein riesen Maß an Durchhaltevermögen. Befinden Sie sich
gerade in einer schwierigen Lage (Scheidung, Trennung, finanzielle Schwierigkeiten),
ist es doppelt so schwer, sich etwas Gutes zu gönnen und auf eine
gesunde Ernährung umzustellen.
P.s. Auch die Lebensmittelindustrie wendet diese Kenntnisse der Gesundheitspsychologie
natürlich in der Werbepraxis an. Dies gilt sowohl für Produkte
aus dem Diätbereich als auch für die Schokolade, die der Bikinischönheit
zur schönen Figur verhilft.