Die Gefahr von Zecken gebissen
zu werden ist in den Monaten Mai und Juni am höchsten. Wer sich gern
oder berufsbedingt in der freien Natur aufhält, durch Wiesen und Unterholz
streift, sollte sich schützen. Zecken sind nicht nur ekelig, sondern
auch Überträger gefährlicher .
Zecken fallen nicht von den Bäumen. Sie halten sich vorzugsweise in
hohem Gras auf und brauchen ein mildes, eher feuchtes Klima. Ein potentieller
Wirt wird durch Erschütterungen und Körperausdünstungen
wahrgenommen. Die Zecke läßt sich fallen und macht sich auf
die Suche nach einer günstigen (unbehaarten) Einstichstelle. Hat sie
eine solche gefunden, beißt sie sich fest und saugt sich voll Blut.
Zecken sind in "nüchternem" Zustand mit dem bloßen Auge kaum
zu erkennen.
Welche
Krankheiten werden durch Zeckenbisse übertragen?
und
werden durch Schildzecken übertragen.
Beide Krankheiten können tödliche Folgen haben und werden hinsichtlich
des Infektionsrisikos und der Häufigkeit vielfach unterschätzt
Borreliose
Ist eine weltweit verbreitete
Infektionskrankheit, die nicht allein von Zecken, sondern auch durch Läuse,
Dasselfliegen oder Flöhe übertragen werden kann. Nicht jeder
Biß führt zur Erkrankung, aber schätzungsweise 20% der
Zecken sind mit dem Erreger infiziert.
Symptome:
Eine kreisrunde, sich ausdehnende
Rötung um die Bißstelle ist ein deutlicher Hinweis auf eine
Infektion. Sie tritt aber nur bei ca. 40% der Betroffenen auf, oft mit
zeitlicher Verzögerung und nicht unmittelbar an der Einstichstelle,
was die Diagnose erschwert. Die Rötung wird dann mitunter für
einen allergisch bedingten Ausschlag gehalten.
Wird man durch einen Zeckenbiß
mit dem Erreger infiziert, kommt es 3-4 Tage nach dem Stich zu leichten
grippeähnlichen Erscheinungen mit Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen.
Wird eine Infektion nicht
rechtzeitig behandelt, kommt es im Verlauf von 1/2 bis 2 Jahren zum Ausbruch
der Krankheit. Diese ist dann nicht mehr heilbar.
Im weiteren Verlauf kann
es
zu Taubheitsgefühlen, Kopfschmerzen, Nervenentzündungen und Lähmungserscheinungen,
Entzündungen des Herzmuskels, Herzrhythmusstörungen kommen. Die
Symptome treten oft schubweise auf.
Die Infektion läßt
sich durch einen Bluttest nachweisen, allerdings erst 6-8 Wochen nach dem
Biß und kann mit Antibiotika wirkungsvoll behandelt werden. Nach
einer Antibiotika-Behandlung sollten regelmäßig Kontrolluntersuchungen
durchgeführt werden, um sicher zu gehen, daß keine Erreger mehr
vorhanden sind. Impfungen gibt es bislang nicht, nur gegen eine bestimmte
Untergruppe des Erregers in Amerika.
Hirnhautentzündung
FSME (=Frühsommer-Meningoenzephalitis)
Die Symptome ähneln
der einer Grippe: 10-14 Tage nach der Infektion äußert sich
diese durch hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übekeit und
wird leicht für eine "Sommergrippe" gehalten. Im günstigen Fall
heilt sie in diesem Stadium bereits aus. Andernfalls, bei einem zweigipfligen
Verlauf (erneuter Schub, wenn die Infektion noch nicht ausgeheilt ist)
kann sie auf Hirn und Rückenmark übergreifen und zu bleibenden
Schäden und schweren Lähmungen führen. Die Gefahr mit FSME
infiziert zu werden ist geringer als bei Borreliose, da der Erreger seltener
ist.
Allerdings sind die Behandlungsmöglichkeiten
im Falle einer Infektion begrenzt. Eine vorbeugende Impfung ist möglich
und sollte bei hohem Risiko durch einen Zeckenbiss infiziert zu werden
unbedingt erwogen werden. Diese Impfung erfolgt in drei Teilimpfungen und
muß regelmäßig (ca. alle drei Jahre) aufgefrischt werden.
Der FSME-Erreger tritt örtlich gehäuft auf, bekannte Endemiegebiete
sind: Südliches Deutschland, Bayerischer Wald, Baden, Schwarzwald,
Österreich, Balkan, Polen Skandinavien. In diesen Regionen ist es
in den letzten Jahren gehäuft zu FSME-Infektionen infolge von Zeckenbissen
gekommen. In höhergelegenen Regionen, oberhalb von 1000 m, ist der
Erreger praktisch nicht anzutreffen.
Wie
kann man sich schützen?
Informationen zu gefährdeten
Regionen im In- und Ausland sind bei Krankenkassen, Gesundheitsämtern
erhältlich.
Sogenannte Risikogruppen
sind Waldarbeiter, Gärtner, Förster, Landwirte und Wanderer.
Risikogruppen sollten 2x
pro Jahr eine Kontrolluntersuchung (Bluttest) durchführen lassen,
um Borreliose-Infektion rechtzeitig zu erkennen. Wer sich in FSME-Gebiete
begibt und sich dort absehbar viel im Freien aufhält, sollte sich
vorbeugend impfen lassen. In Zeckengebieten empfiehlt es sich
geschlossene, helle Kleidung
zu tragen, damit man herumkrabbelnde Zecken besser erkennen kann.
Die Kleidung kann mit insektenabweisenden
Mitteln eingesprüht werden (in der Apotheke zu erfragen). Viele Betroffene
merken oft gar nicht, daß sie von einer Zecke gebissen wurden; dies
ist jedoch eine wichtige Vorraussetzung damit auftretende Symptome im Falle
einer Infektion richtig gedeutet werden können. Nach längerem
Aufenthalt sollten deswegen Kleidung und Körper (unbedingt vor dem
Duschen!) gründlich abgesucht werden.
Was
ist zu tun, bei einem Zeckenbiß?
Die Zecke sollte so schnell
wie möglich entfernt werden. Ist man dazu nicht in der Lage, weil
die Körperstelle unzugänglich ist oder weil man sich unsicher
fühlt sollte man umgehend einen Arzt oder die Notfallstation eines
Krankenhauses aufsuchen. Je länger der Kontakt mit der Zecke, desto
größer die Gefahr sich zu infizieren. Nach 6-8 Wochen sollte
zur Kontrolle ein Bluttest durchgeführt werden.
Wie
entfernt man Zecken?
Auf keinen Fall herausreißen
oder zerquetschen. Unbedingt abzuraten ist die Anwendung von Azeton, Öl,
Petroleum, Uhu und dgl., um die Zecke zu betäuben oder zu ersticken.
Die Zecke entleert sich dann in der Haut des Wirtes und möglicherweise
vorhandene Erreger werden so mit Sicherheit übertragen. Für das
Entfernen von Zecken gibt es spezielle Zeckenzangen. Hat man eine solche
zufällig nicht zur Hand kann man sie auch mit einem spitzen flachen
Gegenstand (Taschenmesser, Pinzette oder Fingernagel) "heraushebeln" und
lockern (nicht schneiden!), dann möglichst weit vorne fassen und langsam
mit leicht drehenden Bewegungen senkrecht herausziehen; Wichtig ist, daß
die Zecke nicht zerquetscht wird, und daß der Kopf der Zecke bzw.
die Mundwerkzeuge, die in der Haut stecken mit entfernt werden. Anschließend
ist die Bißstelle zu desinfizieren.
Wer
informiert und hilft weiter?
Informationen zu Verbreitung,
Vorbeugemaßnahmen, Impfungen und dergleichen erhält man bei
dem jeweiligen Gesundheitsamt, bei Krankenkassen, beim Hausarzt u. z.T.
in Apotheken.
Eine weitere wichtige Informationquelle
und Anlaufstelle sind Selbsthilfegruppen. Diese leisten Betroffenen wertvollen
Beistand. Der Erfahrungsausstausch ist gerade bei diesen doch relativ unbekannten
Krankheiten unschätzbar. Sie vermitteln Kontakte zu anderen Betroffenen
und Ärzten, informieren umfassend zu Schutz- und Vorbeugemaßnahmen,
und sind über Krankheit und Behandlungsmöglichkeiten oft besser
orientiert als mancher Arzt, dem es an praktischer Erfahrung mit diesen
Krankheiten mangelt.
Die hier genannten Stellen
vermitteln regionale Kontakte:
Adressen
Deutsche Borreliose- und
FSME-Liga,
Selbsthilfegruppe von Zeckeninfektionen
Betroffenen e.V.
Ansprechpartner:
Trudel Zimmermann
Rheinstraße 38
76676 Graben-Neudorf
Fon: 072 55 / 72 55 55
Fax: 072 55 / 72 55 56
Bundesverband Deutscher Borreliose-
Selbsthilfeorganisationen
Ansprechpartner:
Hanna Priedemuth
Reulestraße 7
12105 Berlin
Fon: 030 / 706 57 15
Fax: 030 / 706 57 15