Ist es aufgrund von Insektenstichen
bereits zu schwereren Allgemeinreaktionen (Atemnot, Kreislaufstörungen)
gekommen, und / oder zeichnet sich eine Verstärkung der allergischen
Symptome bei weiteren Stichen ab, sollte eine Hyposensibilisierung durchgeführt
werden. Diese Form der Behandlung hat sich insbesondere bei Insektengiftallergien
als sehr wirkungsvoll erwiesen. Sie ist jedoch sehr aufwendig und oft mit
unangenehmen Nebenwirkungen und Risiken (entsprechenden allergischen Reaktionen)
verbunden. Nutzen und Risiken der Behandlung müssen daher gründlich
gegeneinander abgewogen werden. Wenn das Risiko erneut gestochen zu werden
bspw. berufsbedingt unvermeidbar hoch ist und schwere Allgemeinreaktionen
zu befürchten sind, ist eine Hyposensibilisierung unumgänglich.
Sie sollte nur von erfahrenen Ärzten und unter strenger medizinischer
Kontrolle durchgeführt werden. Die Behandlung erstreckt sich meist
über
mehrere Jahre. Ist ein rascher Schutz erforderlich, kann man auch eine
Schnellhyposensiblisierung durchführen, die stationär begonnen
und dann ambulant fortgeführt wird.
Das allergieauslösende
Insektengift wird in zunehmender Dosierung bis zur Menge von 100 Mikrogramm
(entspricht etwa der durch zwei Bienenstiche verabreichten Menge) unter
die Haut gespritzt. Der Grad der Sensibilisierung wird regelmäßig
durch Hauttests und Blutuntersuchungen hinsichtlich der Menge der vorhandenen
spezifischen Antikörper kontrolliert. Die Hyposensibilisierung ist
erfolgreich und kann abgeschlossen werden, wenn diese Tests keine Hinweise
mehr auf allergische Reaktionen erbringen. Am zuverlässigsten läßt
sich die Wirksamkeit der durchgeführten Hyposensibilisierung durch
einen Provokationstest bestimmen, bei dem der Patient einem Stich des allergieauslösenden
Insekts ausgesetzt wird. Dieses Verfahren wird jedoch aufgrund der möglichen
Gefahren und mit Rücksicht auf den Patienten vielfach abgelehnt. Der
Patient muß hierzu eine schriftliche Einwilligung erteilen.
Kontrolluntersuchungen müssen
auch nach Abschluß der Behandlung regelmäßig wiederholt
werden.
Da das Risiko gestochen zu
werden im allgemeinen und bei Beachtung gewisser Vorsichtsmaßnahmen
relativ gering ist, wird bei Kindern nur selten eine Hyposensibilisierung
angesetzt, da sich die Allergiebereitschaft im Kindesalter häufig
innerhalb weniger Jahre von selbst wieder zurückbildet. Der Grad der
Sensibilisierung muß aber regelmäßig im Frühjahr
durch Allergietests kontrolliert werden.
Wird bei leichten oder schweren
Allgemeinreaktionen von einer Hyposensibilisierung abgesehen, ist der Patient
mit einem Notfallbesteck auszustatten, das vom Arzt verordnet wird.
Es enthält neben schnell wirkenden Antihistaminika, Adrenalin-Spray
oder -Sprizten, um schwere allergische Reaktionen zu mindern und Kreislaufschwächen
aufzufangen. Der Patient muss sich durch den Arzt in Anwendung und Dosierung
genau unterweisen lassen, damit sie im Notfallfall ohne Verzögerung
erfolgen kann.