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Trauer, eine Einführung
Die Trauer hilft den Menschen Abschiede, Trennungen
und Enttäuschungen besser bewältigen zu können. Diese
Abschiede können unterschiedlicher Natur sein: das größte
Ausmaß an Trauer wird durch den Tod von liebgewonnen Menschen,
wie Familienmitgliedern und Freunden, ausgelöst.
Genaugenommen ist Trauer weniger ein Gefühl als vielmehr
ein psychischer und körperlicher Zustand der Schwäche.
Trauerarbeit
(dieser Begriff wurde von Freud geprägt), also das Lernen mit
dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen, erfordert Verarbeitungsprozesse
des gesamten Organismus.
Diese Aktivitäten nehmen viel mehr Kraft in Anspruch, als die meisten
wahrhaben möchten. Sie schwächen das Immunsystem der Trauernden
und machen sie anfälliger für Infektionskrankheiten, vermutlich
sogar für Krebs und andere schwere Krankheiten.
Die Dauer dieser Schwächephase ist abhängig von der Fähigkeit
mit Trauer umgehen zu können und der körperlichen Konstitution.
"An gebrochenem Herzen sterben" ist nicht nur eine romantische Floskel,
sondern ein soziales Phänomen, das sich bis heute nicht wirklich kontrollieren
lässt.
Der Trauerprozess verläuft in verschiedenen Phasen
-
Schock (Erstarrung, seelische, körperliche Taubheit) - Verlust
ist noch nicht bewusst geworden
-
Erinnerung an die Person (oder Situation) löst eine Flut
von Gefühlen und Empfindungen aus:
-
Selbstvorwürfe, Schuldgefühle (wirkliche und imaginierte
Versäumnisse werden wiederholt "abgespielt")
-
Depressionen - innere Leere, Einsamkeit
-
Hilflosigkeit
-
diese Gefühle können so intensiv und schmerzlich sein, dass sie
sich auch in körperlichem Leid manifestieren (Schlafstörungen,
Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel), oder gar zu Selbsttötungsabsichten
verführen können.
Eine Beschreibung der ersten Reaktionen des Gehirns verdeutlicht, dass
Trauer ein Sekundärgefühl ist. Im Unterschied zu Primärgefühlen
(Angst, Wut) wird die auslösende Information zunächst kognitiv
erfasst und bewertet, erst dann erfolgen körperliche und geistige
Reaktionen
und Anpassungsmaßnahmen.
-
1a. Die betreffende Person (oder Situation) wird ins Gedächtnis gerufen.
Selbst aus den "untersten Schubladen" des Gedächtnisspeichers
und der Vorstellungskraft (wenn man beim Tod der Person nicht dabei
war) werden Vorstellungsbilder im Geiste projiziert
-
1b. Diese zumeist vielfältigen und intensiven Bilder werden in einen
Denkprozess
geordnet: Der Trauernde versucht das Ereignis mithilfe der Vernunft,
des "Verstandes" zu erklären.
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2. Es werden äußerst komplexe Netzwerke des Gehirns aktiviert.
Die Situation wird mit einer, den persönlichen Erfahrungen entsprechenden,
emotionalen
Reaktion verknüpft.
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3. Unbewusst und unwillkürlich reagiert der Mandelkern (Amygdala)
und andere Regionen des limbischen Systems mit Botschaften an den
Körper: Körperhaltung, Gesichtsmuskulatur werden
verändert und Hormon- und Peptidsystem werden aktiviert.
So verursacht das Gehirn einen " emotionalen Körperzustand".
Im Anschluss werden oft auch andere Gefühle ausgelöst, inwiefern
diese gerechtfertigt sind, ist für den Trauernden zunächst nicht
relevant:
-
Aggressionen und Wut
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gegen sich selbst, häufig machen sich Schuldgefühle breit,
quälende Konjunktive ergreifen Besitz
-
gegen den Verstorbenen, man fühlt sich vielleicht im Stich
gelassen, alleine gelassen
-
gegen Außenstehende, die in irgendeiner Form am Tod beteiligt
waren (Unfall, Katastrophe, etc)
-
Angst
-
vor Einsamkeit
-
vor Veränderungen (besonders wenn der Lebenspartner stirbt,
wird das Leben völlig umgekrempelt, womöglich gerät man
in eine materielle Notsituation
-
vor dem eigenen Tod, der mit dieser Erfahrung ein Stück näher
gerückt ist, Sterblichkeit und Vergänglichkeit werden bewusster
Wer um einen nahestehenden Menschen trauert oder gar seinen (Lebens)Partner
verloren hat, bekommt von der Gesellschaft eine Art Schonfrist zugestanden.
Mit entsprechenden Farben - hier in Mitteleuropa ist es schwarz
- bringt man seine Trauer zum Ausdruck.
Damit erweist man einerseits den Verblichenen den letzten Respekt: das
Leben geht ohne sie nicht einfach so "bunt" weiter wie zuvor. Andererseits
sagt man den Mitmenschen damit "Bitte lasst mir ein bisschen Ruhe, ich
muss lernen mit diesem schmerzhaften Verlust umzugehen".
Trauerarbeit ist in erster Linie Lernarbeit. Man lernt
ohne den geliebten Menschen, unter veränderten Bedingungen "weiter
zu machen". Ziel des Trauerprozesses das Akzeptieren des Verlustes,
ohne diesen einfach nur zu "vergessen", zu verdrängen.
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