Es gibt viele Arten der Angst und Furcht: Angst um das
Leben, Zukunftsangst, Höhenangst, Platzangst, Prüfungsangst,
Lebensangst, Todesangst, Verfolgungsangst, und viele mehr.
Das Wort "Angst" hat seine Wurzeln in der "Enge": eine
Lage, Situation spitzt sich zu, wird lebensbedrohlich oder ausweglos -
zumindest erscheint es dem Betroffenen so.
Wir gehen hier zunächst auf die Angst um das Leben (Primärangst)
ein, betrachten Angst als Instinkt ():
Der Instinkt "Angst"
Dem Selbsterhaltungstrieb folgend, richtet sich der Körper
nach den jeweiligen Erfordernissen. Die Angst unterstützt den Menschen
dabei, sich sehr schnell auf neue, gefährliche Situationen einzustellen.
In Bruchteilen von Sekunden kann uns die Angst aus tiefem Schlaf in
äußerste Alarmbereitschaft versetzen. Das Empfinden von
Angst mobillisiert den gesamten Organismus, rettet täglich
Tausenden von Menschen das Leben.
Was ein Angstanfall bewirken kann, belegt ein Beipiel aus der
Weltliteratur recht eindrucksvoll: F.G. Pitavals "Unerhörte
Kriminalgeschichten" aus dem 18. Jahrhundert, Vorläufer der Kriminal-
und Detektivliteratur.
In der Episode "Frau Tiquet" will die gleichnamige Protagonistin
ihren Mann umbringen lassen, doch dieser überlebt den Anschlag:
"Er hatte drei Wunden empfangen, die nicht tödlich waren; die gefährlichste
war nahe am Herzen, das - so ergab die Untersuchung durch den Chirurgen,
der ihn verband - selbst verwundet worden wäre, hätte es normale
Ausdehnung gehabt.
Doch der Schreck beim Zusammenstoß mit den Mördern hatte
es zusammengezogen, und es nahm in diesem Augenblick nicht den vollen Raum
ein. Wenn dies stimmt, kann man sagen, die Furcht habe ihm das Leben gerettet."
(F.G. de Pitaval. Unerhörte Kriminalfälle. Hg. Rudolf Marx. Leipzig:
Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, 1980).
Da hatte Monsieur Tiquet gewaltiges Glück, zumal er offensichtlich
zur Gruppe der Schrecktypen, der sogenannten Vagotoniker
gehörte. Er ergriff nicht die Flucht oder setzte sich kämpferisch
zur Wehr, sondern verharrte bewegungslos vor seinen Peinigern.